Zollikon

Pfarrerin mit einem Faible für andere Welten

Diana Päpcke freut sich auf ihr Amt als neue Pfarrerin der reformierten Kirche Zollikon. Im Beruf sind ihr Abdankungen ein besonderes Anliegen. Privat mag sie alte Sprachen und neue Filme.

Vor vier Jahren ist Diana Päpcke in die Schweiz gekommen. Sie hat ein gewinnendes Lächeln und spricht ein Schweizerdeutsch, das ihre norddeutsche Herkunft nicht ganz kaschieren kann. Inzwischen fühlt sich die Schleswig-Holsteinerin aber im Kanton Zürich heimisch und muss manchmal sogar ein «Gälled Si» unterdrücken, wenn sie am Telefon mit Deutschen spricht. Die Kisten in ihrer Zürcher Altbauwohnung sind schon gepackt, denn Ende Juni wird die 28-Jährige zusammen mit ihrem Mann ins reformierte Pfarrhaus im Zollikerberg ziehen. Die Kirchgemeindeversammlung vom Montag hat beschlossen, die ausgebildete Theologin für die Urnenwahl im November vorzuschlagen.

Die traditionelle Bedeutung eines Pfarrhauses nimmt sie durchaus ernst: Es soll für alle offen stehen, die in Not sind, seelsorgerische Unterstützung benötigen oder einfach auf einen Kaffee oder Tee bei der Pfarrerin vorbeikommen möchten. Unterstützung bekommt sie von ihrem Mann, der gerade an der ETH seine Doktorarbeit schreibt. Wegen ihres Mannes, der für sein Studium der Mathematik nach Zürich kam, ist schliesslich auch Diana Päpcke hier gelandet.

Sich überall zu Hause fühlen

Schon früh fühlte sich die Theologin dazu berufen, sich für andere Menschen zu engagieren. Nach der Matura ging sie für ein Jahr nach Ghana, wo sie als Freiwillige ­des entwicklungspolitischen deutschen Freiwilligendienstes «weltwärts» für eine NGO arbeitete und Kindern Nachhilfeunterricht in Englisch und Mathematik gab. Für die junge Frau war das eine prägende Zeit. In diesem Jahr entdeckte sie auch, dass es möglich ist, sich überall zu Hause zu fühlen. Danach kehrte die damals 20-Jährige in ihre Heimat Deutschland zurück. Nach kurzem Liebäugeln mit einem Wirtschafts- oder Medizinstudium fiel ihre Wahl dann doch auf Theologie. Obwohl die Aussicht, gleich drei tote Sprachen lernen zu müssen, etwas abschreckend war, fand die Studentin schnell Gefallen daran. Vor allem Hebräisch hatte es ihr angetan. Nach drei Jahren Grundstudium in Kiel ging sie für ein Jahr nach Jerusalem, wo sie das Studienfach Judaistik vertiefte. Neben Politikwissenschaften und Neuhebräisch lernte sie ausserdem ein bisschen Arabisch. «Ich habe grossen Spass an Sprachen.» Ihr Theologiestudium schloss ­Diana Päpcke letztes Jahr in der Schweiz ab. Das praktische Semester zwischen Bachelor- und Masterstudium absolvierte sie in der reformierten Kirchgemeinde Zürich-­Witikon und im Bestattungsamt der Stadt Zürich. Dort lernte sie, Verstorbene einzukleiden und aufzubahren, und begleitete Angehörige, «eine Erfahrung, die mir heute unglaublich bei Bestattungen hilft», sagt sie.

Immer eine Antwort parat

Im daran anschliessenden Lernvikariat in Langnau am Albis ging es darum, eine Sprache zu finden, die die Leute verstehen. «In der Praxis muss man lernen, die Theologie anders auszubuchstabieren als im Studium.» Wenn zum Beispiel ein Kind fragt: «Was passiert mit meinem Grosi, wenn es stirbt?», muss man eine Antwort parat haben. Gerade die Fragen von Kindern seien besonders spannend und herausfordernd. Und wie würde die angehende Pfarrerin die Frage nach dem Grosi denn beantworten? «Die Auferstehungshoffnung ist mir schon sehr wichtig», sagt sie. Dazu hat sie ein wunderbares Bild, das sie auch bei Abdankungsfeiern benutzt: «Wenn wir eine geliebte Person loslassen müssen, gibt es ewige Hände, die sie auf der anderen Seite auffangen.» Dass in allem Schwierigen immer auch eine Hoffnung liegt, ist für sie der Grundgedanke des Christentums.

Deshalb sind ihr Abdankungsfeiern ein Anliegen, für das sie sich besonders viel und gerne Zeit nimmt: «Hier geht es um etwas ganz Existenzielles.» Gerade hier brauche es die Verkündung des Evangeliums, die frohe Botschaft, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. In dieser Zeit der Trauer und der Dunkelheit sei es besonders wichtig zu sagen: «Da ist ein Licht.» Diana Päpcke legt Wert darauf, einen Abschied wenn möglich nicht am Grab enden zu lassen, sondern daran noch einen Trauergottesdienst anzuschliessen, in dem man sich an die verstorbene Person erinnert: «Was würdigen wir an ihr, was haben wir von ihr gelernt?» Für die Angehörigen kann das ein wichtiger Schritt sein, um wieder ins Leben zurückzufinden.

Beten am Abend und zwischendurch

Um ein Pfarramt ausüben, braucht es eine Kreuzbewegung, also sowohl eine Verbindung zu Gott als auch eine Verbindung zu den Menschen – eine Vertikale und eine Horizontale. Es braucht eine eigene Glaubens- und Gebetspraxis. Um sich mit Gott verbunden zu wissen, betet Diana Päpcke vor jedem Gottesdienst. Doch nicht nur dann: zum Beispiel auch vor oder nach schwierigen Gesprächen, oder einfach zwischendurch. Das Gebet am Abend vor dem Schlafengehen, wo sie noch einmal an die Personen denkt, denen sie tagsüber begegnet ist, ist für sie unerlässlich. So schützt man sich auch vor der Vorstellung, man erzeuge alles aus sich selbst. «Ich bin darauf angewiesen, dass Gott mir gewisse Dinge ins Herz und in den Kopf legt.» Diana Päpcke stammt zwar nicht direkt aus einer Pfarrerdynastie, doch hat das Religiöse in ihrer Familie schon eine gewisse Tradition. So war ihr Urgrossvater einst Pfarrer im US-Bundesstaat North Dakota. Dessen Tochter, Diana Päpckes Grossmutter, ist mit ihrer Familie wieder nach Deutschland zurückgekehrt und habe ihr früher häufig Geschichten «von der Prärie» erzählt. Diese Grossmutter, eine religiöse Frau, war für die Enkelin eine wichtige Person.

Dass die angehende Pfarrerin sehr umtriebig ist, hat sie im bisherigen Gespräch bereits lebhaft unter Beweis gestellt. Bleibt da noch Zeit für Hobbys? «Natürlich», sagt sie strahlend. So singt sie zum Beispiel im Zürcher Bach-Chor und ist überhaupt begeistert von Musik. Wenn Sie Predigten schreibt, hört sie gerne Gospel und andere geistliche Musik. Auch mag sie Worship-­Music oder Singer-Songwriter.

Eigentlich kein besonders erstaunliches Hobby für eine Pfarrerin. Zum Schluss verblüfft sie doch noch mit einem Geständnis: Sie geht leidenschaftlich gerne ins Kino, durchschnittlich einmal pro Woche. Dort schaut sie sich am liebsten ­Action- und Science-­Fiction Filme à la Star Wars, Harry Potter oder Spiderman an. Zu Hause lässt sie am Sonntagabend fast nie einen Tatort-Krimi aus. Um von diesem Hobby die Brücke zurück zum Christentum zu schlagen, erklärt Diana Päpcke: «Ich habe einfach ein Faible für eine andere Welt.» (chi)

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