Zollikon

Mehr als Fotografie

Die beiden Preisträger Cécile Wick und Andrin Winteler zusammen mit Ge­meinde­präsident Sascha Ullmann (l.). (Bild: Thomas Entzeroth)

 

Den diesjährigen Kunstpreis hat die Gemeinde Zollikon in der Sparte Bildende Kunst verliehen: Der Hauptpreis ging an die Zürcherin Cécile Wick, der Förderpreis an den gebürtigen Schaffhauser Andrin Winteler, der heute ebenfalls in Zürich lebt und arbeitet. Beiden Künstlern gemeinsam ist ihre Freude an der Fotografie, die jedoch auch andere Medien für ihr Kunstschaffen zulässt.

«Handelt es sich um eine Performance oder eher um ein Bühnenbild, eine Inszenierung oder doch um Fotografie?» Beim Betrachten der Werke des jungen Fotografen Andrin Winteler liegt diese Frage, die auch Laudator Lukas Roth anlässlich der Preisverleihung des Kunstpreises Zollikon am vergangenen Sonntag beschäftigte, in der Luft. Welches Medium die Künstlerin Cécile Wick jeweils bei ihren Arbeiten anwendet, ist häufig auch nicht auf Anhieb klar. Es ist von sekundärer Bedeutung, ob ihnen Fotografie, Lithografie oder eine Tuschzeichnung als Technik zugrunde liegt. «Vielmehr geht es darum, mit einer gewissen Langsamkeit auf das Dargestellte einzugehen», betont Laudator Martin Stegmann. So sind die Betrachter gezwungen, genau hinzusehen, sich ihre Gedanken zu machen, ­eigenen Assoziationen freien Lauf zu lassen und sich am vielseitigen Schaffen der beiden Preisträger des diesjährigen Zolliker Kunstpreises zu erfreuen.

Förderpreisträger mit eigenwilligen Ideen

Er habe Andrin Winteler auf der Bühne im Zirkus Chnopf kennengelernt. Schon damals sei dieser ein Jugendlicher mit eigenwilligen Ideen gewesen, sagt der Theaterschaffende Lukas Roth über den jungen Fotografen, der den Förderpreis in Höhe von 5000 Franken entgegennehmen durfte. Er verfolge mit naiver Neugier eine Idee und wolle Dinge festhalten, die es eigentlich gar nicht gebe. So werden weltberühmte Felsformationen zu geometrisch, kurios anmutenden Monumenten; mit Kleidern und Teddybär versehene Skelettüberreste zu einem theatralischen Akt, ein fahrbarer Untersatz aus Lego Technic zu einer streunenden Katze, die Museumsbesuchern um die Beine streicht. «Die Fotografie an sich finde ich nicht das Spannendste an meiner Arbeit. Vielmehr interessiert mich das, was vor der Linse passiert oder wie sich ein festgehaltenes Objekt weiterbearbeiten lässt, bis es zum Andenken anregt», erklärt der 33-jährige Andrin Winteler, der in Schaffhausen aufwuchs, nach seiner Ausbildung zum Fotografen Kunst und Medien an der Zürcher Hochschule der Künste studierte und heute in Zürich lebt und arbeitet. Dass ihm die Ideen nicht ausgehen, wird einem spätestens bei der Schilderung seines neuesten Vorhabens klar: Den Sommer über möchte er nämlich die technischen Grenzen der Digitalkamera ausloten. Das Resultat werden Interessierte im Spätherbst in der Villa Meier-Severini begutachten können.

Hauptpreisträgerin mit scheinbar Unspektakulärem

Scheinbar Unspektakuläres verwandelt sich bei Cécile Wick zu beinahe mystischen Atmosphärenbildern: Eine beliebige Seenlandschaft oder ein Frachter inmitten von Abwasser und Smog werden zu wunderschönen Gemälden in sanften Tönen. Wälder, Städte und Blüten zu lichtdurchfluteter, abstrakter Zeitlosigkeit. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft würden ineinanderfliessen. Und nur wenn wir zu uns selbst fänden, sei es uns möglich, die Arbeiten von Cécile Wick in der heutigen Welt der Reizüberflutung wahrzunehmen, betont Markus Stegmann. Immer wieder findet sich Reduktion als Element in den Arbeiten der 65-jährigen Künstlerin, insbesondere auch in ihren fernöstlich anmutenden Tuschzeichnungen. «Seit jeher fasziniert mich die japanische Kultur und Ästhetik mit ihrer Reduziertheit und Klarheit», erzählt ­Cécile Wick, die regelmässig im In- und Ausland ausstellt und während über 20 Jahren als Professorin für Fotografie an der Zürcher Hochschule der Künste unterrichtete. Am Sonntag wurde sie für ihr über 30-jähriges Kunstschaffen mit dem mit 10’000 Franken dotierten Hauptpreis ausgezeichnet. (mpe)

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