Zollikon

«Aber bitte ohne Namen und Foto in die Zeitung»

Der Gemeindesaal war für einmal fast komplett in jungen Händen: Die Gemeinde hatte am Freitagabend zur alle zwei Jahre stattfindenden Jung­bürgerfeier geladen.

Zu Beginn der Jungbürgerfeier zeigten sich die jungen Erwachsenen von einer doch eher überraschenden Seite: medienscheu. Ausgerechnet sie, die sogenannte Generation Z, die Digital Natives, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind und zu deren Alltag die sozialen Medien wie Snapchat und Instagram so selbstverständlich gehören wie ein Docht zur Kerze. 

Untereinander war die Wiedersehensfreude gross, eifrig wurden Neuigkeiten ausgetauscht, Smartphones gezückt, Fotos präsentiert, zusammen wurden Selfies gemacht, man umarmte sich, blödelte rum, stiess an, lachte zusammen. Dass sich diese Jungen kennen und gegenseitig mögen, wurde schnell klar. Da gab es keine abgesonderten Grüppchen, niemand, der alleine auf seinem Platz zurückgeblieben wäre oder sich nicht an den Unterhaltungen beteiligt hätte. Ganz im Gegenteil: Die Gruppen der Jugendlichen formierten sich im Verlauf des Abends immer wieder neu, es würde nicht verwundern, wenn jeder sich an diesem Freitagabend mit jedem unterhalten hätte. Über 70 der 18- und 19-jährigen Zollikerinnen und Zolliker waren der ­Einladung der Gemeinde in den Zolliker Gemeindesaal gefolgt. Die frisch gebackenen jungen Erwachsenen, wie Gemeindepräsident Sascha Ullmann die Schar ­begrüsste, werden alle zwei Jahre zur Jungbürgerfeier eingeladen. Nebst dem Gemeindepräsidenten zählten auch die Gemeinderätinnen Corinne Hoss und Sylvie Sieger, Gemeinderat André Müller sowie mehrere Angestellte der Zolliker Verwaltung zur Festgemeinschaft.

Eine so grosse Gruppe junger Erwachsener im Saal zu haben, ist natürlich eine gute Gelegenheit, um den Puls jener Generation zu fühlen. Die Gemeinde tat dies mittels einer Onlineumfrage, an der die nun Volljährigen – natürlich – per Smartphone teilnehmen konnten. Die Ergebnisse wurden sogleich, quasi in Echtzeit, auf der Leinwand präsentiert. Was an Zollikon besonders geschätzt wird, welche politischen Themen wichtig sind und was das eigene Thema wäre, wenn man seine Gemeinde regieren könnte, lauteten die Fragen, die es zu beantworten galt. Die jungen Zollikerinnen und Zolliker beteiligten sich rege, die Antworten fielen mal mehr, mal weniger konkret und teils erstaunlich aus. So etwa, dass ein tiefer Steuerfuss ­anscheinend auch der Generation Z ein wichtiges Anliegen ist. 

Rampenlicht zuerst gescheut, dann gesucht

In persönlichen Gesprächen, die nach dem mediterranen Buffet ausgiebig gepflegt werden konnten, zeigte sich dann, dass die jungen Erwachsenen viel Positives über ihre Wohngemeinde zu berichten wissen, sie zufrieden und auch dankbar sind, in Zollikon aufgewachsen zu sein. Auskunft gaben viele bereitwillig – solange die Antworten anonym ausfallen durften. Aber mit Foto und Namen in der Zeitung erscheinen? Da zeigte sich die Generation Selfie dann plötzlich über­raschend zurückhaltend. Auch auf der Bank, welche die Gemeinde eigens dafür aufgestellt hatte, damit die Jungen darauf Platz nehmen konnten, um sich mit einer Kollegin oder einem Kollegen zu weiteren Themen rund um die Gemeinde zu unterhalten, während alles filmisch festgehalten wurde, brauchte es bei manch einem erst einmal etwas Überzeugungsarbeit. 

Doch wie bei so vielen geselligen Anlässen war es auch bei den Zolliker Jungbürgern so: je später der Abend, desto lockerer die Gesellschaft. Immer zahlreicher traten die jungen Zollikerinnen und Zolliker vor die Filmkamera oder die Fotolinse, um zu sagen, was sie zu sagen haben. Sie, die Generation Z, die nicht nur mit den sozialen Medien umzugehen weiss, sondern auch, nach anfänglichem Zögern, eine Auftrittskompetenz an den Tag legt, wie wohl keine andere Generation zuvor. Von wegen medienscheu! (mmw)

 

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