Zollikon

Zolliker Hauswein in Uetiker Obhut

Erich Meier steht vor dem Tank, in dem der «Lunggesüüder» heranreift. (Bild: chi)

Seit zwei Jahren wird der «Lunggesüüder» in Uetikon am See hergestellt. Auch wenn Winzer Erich Meier nicht genau weiss, was der Name bedeutet, ist die Produktion des Zolliker Tropfens bei ihm in den richtigen Händen.

 

Die Weinflaschen von Erich Meier kommen schlicht daher. Auf dem weissen Etikett ist eine umgekehrte Flasche abgebildet, die für ein Ausrufezeichen steht. «Ich habe ein Ziel vor Augen, und dieses setze ich um», sagt der Winzer aus Uetikon am See. «Nicht links, nichts rechts, geradlinig: So arbeite ich.» Und genauso sollen auch seine Weine sein: klar, rein, ehrlich. Das bedeutet nicht, die traditionellen Zürcher Traubensorten aufzugeben. Sondern daraus den bestmöglichen, mit viel Sorgfalt und Professionalität gemachten Wein herzustellen. 

Nach diesem Credo produziert Erich Meier seit zwei Jahren auch den Zolliker Hauswein «Lunggesüüder», der seit über 50 Jahren an Gemeindeanlässen ausgeschenkt wird. Das Feedback auf den «Neuen» ist durchaus positiv. Der Zolliker Hobby-Winzer und Moschtfäscht-Veranstalter Dölf Haldi zum Beispiel ist mit dem Resultat sehr zufrieden und sieht die Herstellung des «Lunggesüüder» bei Erich Meier in den besten Händen.

Ein Kilo Trauben für eine Flasche

Die weisse Traubensorte «Müller Thurgau» des «Lunggesüüder» ist noch immer dieselbe wie eh und je. Die Früchte stammen vom Zolliker Rebberg Buechholz, den Gemeindewinzer Niklaus Forrer betreut. Die Trauben werden von den Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung geerntet und anschliessend nach Uetikon am See gefahren. Auf Erich Meiers Weingut werden sie gewogen und durch die Abbeermaschine gelassen, wo die Stiele von den Früchten getrennt werden. Letztere kommen in die Presse, um den Traubensaft zu gewinnen. Dieser kommt in einen Tank und wird mittels einer sogenannten Grobklärung noch einmal reiner gemacht. Beim Gärungsprozess wandelt sich der Zucker durch die Zugabe von Hefebakterien in Alkohol um. Dieser Prozess dauert, je nach Temperatur und weiteren Faktoren, bis zu zwei Wochen. 

Für den «Lunggesüüder» ist ein separater Tank reserviert. Nach der alkoholischen Gärung hat der Jungwein noch ein paar Monate Zeit, um weiter zu reifen. Im Frühling wird er dann in Flaschen abgefüllt und mit dem Etikett versehen. «Für eine Flasche Wein werden etwas mehr als ein Kilogramm Trauben benötigt», sagt Erich Meier. In diesem Jahr durfte sich die Gemeinde Zollikon über rund 1800 Flaschen «Lunggesüüder» freuen.

Was den neuen «Lunggesüüder» vom alten so unterscheidet, ist der Vinifikation geschuldet. Früher wurde häufig nach dem Motto gearbeitet: «Jetzt schmeckt er ok, jetzt fülle ich ihn ab.» Diese Zeiten sind vorbei. Erich Meiers Keller ist mit hochmodernen Geräten ausgestattet: Dank eines Gärcomputers und einer automatischen Temperatursteuerung wird in der Gärphase praktisch nichts mehr dem Zufall überlassen.

Die geizigen Zolliker von damals

Niemand weiss so gut über die Herstellung des neuen «Lunggesüüder» Bescheid wie Erich Meier. Doch weiss er auch, was der Name bedeutet? Der Winzer muss zugeben, dass er es nicht weiss. Laut dem Buch «Unser Zollikon» aus dem Jahr 1956 ist «Lunggesüüder» ein Schmähwort, mit dem die verfeindeten Riesbacher früher die Zolliker bezeichnet haben. Weil sie geizig gewesen seien, hätten die Zolliker immer nur das billigste Fleisch gekauft, zum Beispiel eben die Lunge («Lungge»), die sie dann gekocht («gsüüdet») hätten. Dass das ehemalige Schimpfwort im Namen des Hausweins weiterlebt, spricht für die Selbstironie der modernen Zolliker. (chi)

 

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