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Wozu sind denn Freunde da!

Max (4. von rechts) und seine Freunde während eines besinnlichen Moments (Bild: zvg)

In «Nous finirons ensemble» steckt Max in einer ziemlichen Krise. Aber seine Freunde helfen ihm über das Schlimmste hinweg.

Beim 60-jährigen Max (François Cluzet) hat das Leben einige Spuren hinterlassen. Beruflich ist nicht alles rund gelaufen, die Ehe mit Véronique (Valérie Bonneton) ist geschieden und auch mit seinen Freunden hat er sich verkracht. Seit Jahren kommen sie nicht mehr in sein Ferienhaus am Meer, um die Ferien mit ihm zu verbringen. Deprimiert zieht er sich genau dorthin zurück, um seinen 60. Geburtstag in Abgeschiedenheit und Einsamkeit zu verbringen – und auf keinen Fall zu feiern. Doch seine neue Freundin Sabine (Clémentine Baert), welche die Umstände noch nicht so genau kennt, lässt sich von seinen Freunden überreden, diese in ebendieses Ferienhaus zu bringen, um Max, so denken sie, zu einer freudigen Überraschung zu verhelfen. Und sich im Rahmen einer Geburtstagsfeier letztlich wieder zu versöhnen. So der Plan.

Trau keinem um die 60

Max ist nicht der Einzige, wie wir sehen, wenn wir seine Freunde nach und nach etwas besser kennenlernen, dessen Leben nicht ganz gradlinig verlaufen ist. Auch bei seinen Freunden wurden häufig die landläufigen Normen eines bürgerlichen Lebens durchbrochen. Einer ist ebenfalls von seiner Frau geschieden und hat jetzt einen Freund. Ein weiterer wurde im gleichen Alter wie Max nochmals Vater, usw. Auch bei Max’ Ex-Frau Véronique, die später noch auftaucht, ist nicht ganz klar, ob es ihre Freundin ist, mit der sie kommt.

Hingegen ist völlig klar, dass das Zusammentreffen einer solchen Vielzahl von Individualisten seine eigene, aber nicht immer ganz überzeugende Dynamik entwickelt. «Nous finirons ensemble», als eigenständiges Sequel von «Les petits mouchoirs» (2010) gedacht (Regie: wieder Guillaume Canet), schwankt zwischen Drama und Komödie, und man weiss häufig nicht so genau, ob man weinen oder lachen soll.

Das A und O eines guten Films ist ein gutes Drehbuch. Nicht umsonst meinte Ernst Lubitsch, die Hauptarbeit sei nach dem Verfassen des Drehbuchs getan. Umgekehrt kommen die meisten Filme ohne gutes Drehbuch selbst mit den besten Schauspielern nicht auf Touren. «Nous finirons ensemble» gelingt es zwar, Emotionen zu wecken und zu unterhalten, kann aber trotz seinem Anspruch, ein Stück weit auch ein Kolorit des heutigen vielfältigen und farbigen französischen Alltags zu sein, und trotz dem Aufgebot einiger der derzeitigen französischen Filmstars nur bedingt überzeugen.

Unser Filmkritiker Daniel Frey meint: 3 von 5 Sternen.

 

«Nous finirons ensemble» (2019), Drama, Komödie, 2h 15 min, ab 6. Dezember 2019 in den Zürcher Kinos.
Trailer zum Film

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