Zollikon

Verein «Kinderkrippe Zollikerberg» löst sich auf

Am 31. Dezember endet nicht nur das Jahr, sondern auch eine 142­jährige Vereinsgeschichte. Der Verein «Kinderkrippe Zollikerberg» löst sich auf. Ab Jahresbeginn ist das Unternehmen «Kimi Giardino» für die Betreuung der Kita-­Kinder im Zollikerberg verantwortlich.

Die gute Nachricht für alle Mitarbeitenden der Kinderkrippe  und die Eltern der betreuten Kinder: Trotz der Auflösung geht der Betrieb weiter, und zwar unter dem Dach der Kimi-­Giardino-­Kette, die einst vom Zolliker Jürg Schumacher gegründet worden und schon an mehr als 30 Standorten vertreten ist. Hintergrund der Auflösung ist, dass der finanzielle Betrieb nicht aufrechterhalten werden konnte. «Früher suchten Eltern einen Krippenplatz, heute suche Kitas Kinder», formuliert es Gabrielle Stoll Corti.

Der Standort entscheidet

Als die Kinderpsychologin vor zwölf Jahren das Amt des Präsidiums übernahm, gab sie eine Studie in Auftrag, die den Bedarf an Krippenplätzen für Zollikon ermitteln sollte. Zur Hälfte wurde diese Studie von der Gemeinde mitfinanziert. Das Ergebnis: 90 bis 95 Plätze für die nächsten Jahre. Allein die Krippe im Zollikerberg bietet schon 81 Plätze, dazu kamen im Dorf das «Bienenhus» und ein weiterer privater Anbieter. Der Bedarf war somit bestens gedeckt. Doch dann öffneten immer weitere Kitas ihre Pforten. «Und eine Auslastung von nur 80 Prozent bringt sofort rote Zahlen», erklärt Gabrielle Stoll Corti. Einen grossen Betrag im Finanzplan machen die Personalkosten aus. «Die kantonalen Vorschriften sind absolut richtig. Aber da wir ausschliesslich mit ausgebildetem Personal arbeiten, schlägt das bei uns extrem zu Buche», so die Präsidentin weiter. Seit seiner Gründung habe der Verein immer mit den Finanzen zu kämpfen gehabt. Nun sei der Punkt gekommen, an dem es aus eigener Kraft nicht weitergehe. Dabei bietet die Kita ein enormes Angebot: Es gibt Säuglingsgruppen, einen Waldtag, zertifizierte Ernährung, eine Englisch-­Gruppe. Doch bei der Wahl der Krippe würden die Eltern als Erstes auf den Standort schauen, dann auf den Preis. «Und erst weiter hinten kommt die pädagogische Qualität.» Weitere Gründe für die schlechten Zahlen sei die Entwicklung zum «MiDiDo»: Immer mehr Eltern arbeiten Teilzeit und übernehmen selber die Betreuung . «Am Montag und Freitag sind wir absolut nicht ausgelastet.»

Problem der frühen Einschulung

Aber auch die frühere Einschulung der Kinder habe zum Defizit beigetragen. «Wenn Mädchen und Buben schon mit vier Jahren in den Chindsgi kommen, fehlen den Kitas die Einnahmen von einem ganzen Jahr», erklärt die Psychologin. Auf der anderen Seite habe sie von Seite der Schulen immer eine gute Resonanz für die Kita bekommen.

Bestandteil des Vertrages mit «Kimi Giardino» ist, dass alle Mitarbeitenden übernommen werden, wobei nicht alle Betreuerinnen das Angebot wahrnehmen. Der neue Träger kann als Dachorganisation im betrieblichen Bereich sparen. «Wir wollten nicht einfach zum Ende des Jahres schliessen, sondern gewährleisten, dass es das Angebot weiter gibt.» Somit endet die Geschichte des Vereins, aber nicht die der Kinderbetreuung. Begonnen hat diese 1877 mit der Gründung des Vereins am Lindenbach, um Mütter zu entlasten. 1964 zog ein Kinderheim in das Haus, später folgte die Gründung eines Kindertagesheims. (bms)

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