Zollikon

Hotelprojekt überarbeitet

Zollikons Gemeindepräsident Sascha Ullmann (l.) stellt die Pläne des überarbeiteten Projekts vor. (Bild: mmw)

Zusammen mit der Gemeinde Vaz/Obervaz GR lud Zollikon am Mittwoch zum Pressegespräch ins Ferienhaus Sanaspans, auf dessen Gelände ein gemeinsames Hotelprojekt geplant ist. Dort stellten die beiden Gemeindepräsidenten die weiteren Schritte vor: Die nächste Entscheidung steht in Zollikon an.

Am vergangenen Sonntag hätte sie stattfinden sollen: Die Urnenabstimmung über die Teilrevision der Ortsplanung war in Vaz/Obervaz  auf den 24. November angesetzt worden. Dann hätten die Stimm­berechtigten über eine spezielle Hotelzone «Sanaspans» befinden sollen. 7766 Quadratmeter der bisherigen Zone für öffentliche Wohn- und Ferienhausbauten, auf welcher das heutige Zolliker Ferienhaus ­Sanaspans steht, hätte neu als Hotelzone umgezont werden sollen. Dazu wären weitere 6234 Quadratmeter der angrenzenden Landwirtschaftszone ebenfalls eingezont worden. Ansonsten nämlich ist die Fläche zu klein für das Hotelprojekt, das die beiden Gemeinden miteinander planen. Doch so weit ist es nicht gekommen: Die Urnenabstimmung wurde ausgesetzt, vor allem Anstösser und Vertreter der Landwirtschaft äusserten laute Kritik am Neubauprojekt (wir berichteten in der Ausgabe 39).

Sie seien nicht hier, um ein fertiges Hotelprojekt zu präsentieren, begrüsste Aron Moser die versammelte Medienschar. Der Gemeindepräsident von Vaz/Obervaz hatte zusammen mit Zollikons Gemeindepräsident Sascha Ullmann in die Lenzerheide geladen, um über den Verlauf des Hotelprojektes auf dem Areal des heutigen Ferienheims Sanaspans, das im Eigentum der Gemeinde Zollikon ist, zu informieren. «Es geht primär um die Grösse der geeigneten Landfläche für unser Hotelprojekt», sagte Aron Moser, «und nicht um einzelne Gebäudevolumen oder Architekturlösungen.» Denn auf Letzteren beruhe die Opposition, die das Projekt bisher erfahren habe. Weil aus dem Planungs- und Mitwirkungsbericht nebst Angaben zur Bettenaufteilung auch solche zur Anzahl der Gebäude und deren Höhe gemacht wurden, seien viele Missverständnisse entstanden. «Viele gingen bereits von einem konkreten Projekt aus, was aber falsch ist», unterstrich der Bündner Gemeindepräsident. Die Angaben habe es gebraucht, um gewisse Vorstellungen für das Areal zu erhalten, das überbaut werden soll. In der Machbarkeitsstudie, die für die Vorprüfung des Projekts durch das Amt für Raumentwicklung Graubünden nötig war, sei es aber immer nur um die Eruierung der benötigten Landfläche gegangen, die anschliessend bei der Ortsplanrevision umgezont beziehungsweise eingezont werden solle. Aron Moser betonte, dass die Vorprüfung ergeben habe, dass das damals vorliegende Projekt bewilligungsfähig gewesen sei und vom touristischen Aspekt als sinnvolle Ergänzung zur bestehenden lokalen Infrastruktur bewertet wurde.

Verkauf im März an Gemeindeversammlung

Die erfahrenen Einwendungen und Alternativvorschläge während der öffentlichen Mitwirkung seien aber wichtig und auch wertvoll gewesen, führten die beiden Gemeindepräsidenten zusammen aus, und so seien sie denn auch gemeinsam zum Entschluss gekommen, das Projekt zu überarbeiten.

So erfährt das geplante Hotelprojekt erst einmal eine Marschänderung. Nicht die bündnerische Standortgemeinde soll nun als erste über den nächsten Schritt entscheiden, sondern Zollikon: Die Gemeindeversammlung vom 25. März 2020 wird über den Verkauf des Ferienheims Sanaspans inklusive des Grundstückanteils von 14’000 Quadratmetern Bauland beschliessen sowie über den Planungskredit in der Höhe von 230’000 Franken zur Erstellung einer Planungsarbeit auf Stufe Vorprojekt und für die Durchführung eines Investorenwettbewerbs. Die Vazer Bevölkerung müsse erst das Gesicht des Investors erfahren, erläuterte Aron Moser: «Erst wenn wir den zukünftigen Investor kennen und wissen, wie dieser das Hotelprojekt Sanaspans architektonisch umsetzen will, wird die Abstimmung über die Teilrevision unserer Ortsplanung stattfinden.»

Stimmt Zollikon also im März dem Verkauf ihres von der Schule nicht mehr benötigten und sanierungsbedürftigen Ferienhauses und dem Projektierungskredit zu, wollen die beiden Gemeinden zusammen einen Investorenwettbewerb durchführen, in dessen Jury Vertreter beider Gemeinden Einsitz nähmen. Im Anschluss würde die Teilrevision der Ortsplanung auf der Basis des konkreten Projektes angepasst und durch das Amt für Raumentwicklung Graubünden erneut geprüft, bevor die Bündner Gemeinde dann eine erneute Mitwirkungsauflage durchführt. Geplant sei die Urnenabstimmung für die Teilrevision der Ortsplanung in Vaz/Obervaz für Sommer/Herbst 2021.

Moorgebiet soll nicht mehr überbaut werden

Über den gemeinsamen Investorenwettbewerb zeigte sich Aron Moser erfreut und dankbar, sei es doch nicht selbstverständlich, dass die Landeigentümerin – in diesem Fall die Gemeinde Zollikon – die betroffene Gemeinde zur Mitsprache und zum Mitwirken mit ins Boot holt. «Wir wollen gemeinsam mit Vaz/Obervaz sicherstellen, dass das Projekt akzeptiert und gewollt ist», unterstrich dabei Sascha Ullmann, und beide Gemeindepräsidenten lobten die gute Zusammenarbeit und den regen Austausch untereinander.

In den weiteren Ausführungen machten sie klar, dass bereits ein paar der im Vorfeld kritisierten Punkte bei der Überarbeitung des Hotelprojekts eingeflossen seien. So sei nach intensiven Analysen und einer in Auftrag gegebenen Studie über das Moor im Gebiet ­Sanaspans die erste Machbarkeitsstudie revidiert worden, hätte doch die ursprünglich geplante Fläche das Flachmoorgebiet tangiert. «Das Flachmoor von lokaler Bedeutung bleibt in der revidierten Machbarkeitsstudie unberührt und wird nicht bebaut», erklärte Sascha Ullmann. Die Hotelzone sei um mehr als 25 Meter vom Waldrand in Richtung Dorfzentrum verlagert worden. Die überarbeitete Machbarkeitsstudie nehme wesentlich mehr Rücksicht auf das bestehende Siedlungsgebiet – auch dies ein Punkt, der im Vorfeld von den Anwohnern stark kritisiert worden war.

«Die Ferienregion Lenzerheide muss sich weiterentwickeln»

Auf die Gebäudeverteilung wurde in der Präsentation nicht mehr eingegangen. Klar ist aber, dass ein Ferienresort im Vier- bis Fünf-Sterne-Bereich entsteht. Der Anteil an Hotelbetten wurde in der revidierten Machbarkeitsstudie erhöht und der Anteil an Betten in bewirtschafteten Wohnungen reduziert. Der neu gesteckte Rahmen für die Bebauung sieht 250 bis 300 Hotelbetten vor, zudem sollen 25 bis 30 ­touristisch bewirtschaftete Wohnungen sowie 25 Zweitwohnungen entstehen. Ein Hotelresort in diesem Segment fehle der Region, wie nicht nur Aron Moser, sondern auch Bruno Fläcklin, Vertreter der Lenzerheide Marketing und Support AG, ausführte. Der Lenzerheide mangle es an Beherbergungsmöglichkeiten und im Vergleich zu anderen Skigebieten weise die Region im oberen Sternebereich die geringste Bettenzahl im Verhältnis zur Skigebietsgrösse auf. Der Bündner Gemeindepräsident betonte mehrfach, dass die Region Hotels brauche, um sich weiterentwickeln zu können. «Bleiben wir stehen, ist das ein Rückschritt.» Das Hotel sei aber nicht nur für den Tourismus in der Lenzerheide wichtig, sondern auch wegen der vielen Arbeitsplätze, die damit geschaffen würden. «Ohne Arbeitsplätze ziehen uns die Jungen weg», sagte Aron Moser, «nur mit Hotels bleibt unsere Region attraktiv und lebendig.» Er sprach von einer einmaligen-Situation für beide Gemeinden, die auch Sascha Ullmann hervorhob. Zollikon werde von seinem defizitären und sanierungsbedürftigen Ferienheim entlastet. Im Zusammenhang mit dem Verkauf der benötigten Landfläche dürfe aber nicht der Eindruck entstehen, dass sich Zollikon dabei eine goldene Nase verdiene. Vielmehr sprach er von einem Nullsummenspiel: «Den derzeitigen Buchwert von 4,7 Millionen können wir streichen, ohne negative Folgen zu erzeugen.» Nach allen Abzügen wie Mehrwertabschöpfung, Grundstückgewinnsteuer, Abschreibung und Projektentwicklungskosten bleibe der Gemeinde Zollikon wohl ein Netto-Erlös von geschätzt einer halben Million Franken. Aus diesen Gründen könne man von einer Win-win-Situation für beide Gemeinden sprechen, lautete das abschliessende Statement beider Gemeindepräsidenten.

Nun liegt der Ball also bei der Zolliker Stimmbevölkerung, die im März darüber befinden wird, ob sie ihr Ferienhaus in den Bündner Bergen verkaufen und für das geplante Hotelprojekt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vaz/Obervaz grünes Licht geben will. (mmw)

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