Verweilen im Wohngartenstil aus den 50er Jahren

Die Pavillon-Architektur und die grosszügige Gartenanlage des Strandbads Tiefenbrunnen sind im Inventar der Denk­malpflege aufgeführt. Baden und Schlemmen müssen verdient sein.


Jung, modern und freundlich präsentiert sich das Personal des Strand-Restaurants und der Badewache.  Ebenso trendig, international, braungebrannt und durchtrainiert sind die Badegäste. Schlange stehen gehört beim Strandbad Tiefenbrunnen dazu, ob über Mittag oder am frühen Abend – die Badi ist eine beliebte Oase für Jung und Alt vor den Toren Zollikons.
Beim Eingangsbereich links, vorbei am künstlich angelegten Teich, bei dem zu abendlicher Stunde sogar die Frösche quaken, versteckt sich eine grosse Terrasse mit gelben Tischen und Stühlen unter weissen Sonnenschirmen, die wiederum von riesigen Schwarznussbäumen überschattet werden. Die Aussicht auf das rege Treiben auf dem See und die Albiskette am Horizont ist besonders in der Abendsonne fantastisch. Von Montag bis Freitag zwischen 11 und 14 Uhr kann auch nur ein Lunch ohne Badevergnügen eingenommen werden. Doch auch als sogenannter «Mittags-Eintritts-Gast» muss man für diesen kulinarischen Besuch an der Kasse Schlange stehen, der Bad-Eintritt jedoch wird unter Vorweisung des Tickets zurückerstattet.

Locker und unkompliziert

Die Stimmung ist locker und unkompliziert, Musik gibt es keine, ausser die unerwünschte der Tischnachbarin, die wohl ihre Ohrstöpsel für den Ipod vergessen hat. ­Gegessen wird in Badekleidung, barfuss und mit Sonnenhut. Viele Schattenplätze sind verfügbar, ebenso Kinderstühle. Unter zwei grossen Partyzelten sind zusätzlich Biertische und Bänke aufgestellt, wo bei genügend freiem Platz auch ein Auge gegenüber Picknickenden ­zugedrückt wird. Die ­Tische sind sauber, dem warmen Betonboden – zwar angenehm für die Füsse – könnte aber mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn die Plastikverpackung von Tampons ist der sonst kulinarisch sehr angenehmen Erfahrung nicht zuträglich.

Gross die Terrasse, klein der Kiosk und die Grillstation

Das Salatbuffet präsentiert sich vielseitig und ist verfeinert mit ­Extras wie Körnern, Rosinen und Croûtons. Frische Ananas, Orangen, Melone, Wassermelone sowie Birchermüesli sind ebenfalls im Angebot. Bezahlt wird nach Gewicht (100 g zu CHF 2.95). Alles auf kleinem Raum steht dem Gast dennoch eine grosse Getränkeauswahl zur Verfügung. Die Hauptspeisen sowie auch Fleisch und Fisch vom Grill werden an der Kiosk-Kasse bestellt und bezahlt. Angenehm auch: Das Badi-Restaurant ist eines der wenigen, das Kreditkarten ab 10 Franken akzeptiert. Wir testen den Tiefenbrunnen-Rindsspiess vom Schweizer Rind und die Fischknusperli aus asiatischem Tilapia, dazu die obligaten Pommes. Kein Glück für die Vegetarier heute: Der Vegi-Burger ist nicht lieferbar, Lieferzeit ungewiss, erklärt uns der tätowierte junge Herr an der Kasse freundlich. Nach 10 Minuten – das Restaurant war nur spärlich belegt, da wohl einige Badegäste das Essen auf dem Badetuch auf der Wiese dem gelben Stuhl vorziehen – vibriert unser Pager. Die Fischknusperli machen ihrem Namen alle Ehre, sie sind heiss und mit Kräutern verfeinert, serviert an einer geschmackvollen Tatar-Sauce. Nur der Gedanke an ihre Herkunft hinterlässt einen negativen Beigeschmack. Die Pommes sind ebenfalls knusprig, der Rindsspiess mariniert und würzig, serviert mit Kräuterbutter. Ketchup ist kostenlos und zum Selberholen! Nur schade, dass alles auf Kartontellern und mit Plastikbesteck serviert wird. Eine Glacé-Auswahl findet sich in der Kühltruhe, nicht hausgemacht, aber doch allemal ein «Must» an einem heissen Sommertag wie diesem.

Stand-up-Paddler willkommen

Das Bad schliesst um 20 Uhr, bei schönem Wetter auch später, die Küche des Strand-Restaurants eine halbe Stunde früher. Doch darauf ist nicht wirklich Verlass: Stand-up-Paddler, die die letzten Sonnenstrahlen auf dem See geniessen möchten, sollten eher bis 45 Minuten vor Torschluss ihre Bestellung aufgeben, sonst gibt’s nur noch Kaltes vom Buffet. Ein weiteres «Special» der Badi Tiefenbrunnen: Sie ist die einzige Seebadi im näheren Umkreis, die SUPs vermietet und wohin auch die eigenen Bretter mitgebracht werden dürfen. (ahe)

 

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