Neue Pächterin und alte Rezepte für das «Rössli»

Das Schöne liegt ihr: Neben dem Pflugstein in Erlenbach und der Rebe in Herrliberg eröffnet Jeannine Meili ihr drittes Restaurant. Sie ist die neue Pächterin des Gasthauses zum Rössli. Einen ersten Gruss aus der Küche gibt es bereits dieses Wochenende an der Chilbi.

Wenn es nach Jeannine Meili ginge, würde dieser Anfang anders lauten. Nicht sie kommt nach Zollikon, sondern vielmehr ihr Team und sie. Die Vollblutgastronomin, die sich an der Goldküste – und wohl auch darüber hinaus – schon längst einen Namen gemacht hat, nimmt sich zurück. Das Restaurant Pflugstein, dessen Gastgeberin sie seit zwölf Jahren ist und dessen oberen Stock sie zusammen mit ihrem 12-jährigen Sohn bewohnt, ist und bleibt ihr Hauptstandbein. «Doch Zollikon wird ebenfalls einen Pflugstein erhalten», verspricht sie und strahlt herzlich.

Seit über sechs Monaten sind die Türen des Gasthauses zum Rössli im einstigen Gesellenhaus in Zollikons Altstadt verschlossen. Vom Weggang des vormaligen Wirtepaars Ewa und Walter Schöpflin habe sie gehört, ohne sich gross Gedanken darüber zu machen, erzählt Jeannine Meili. Erst als der Bürgerverband Alt Zollikon BVAZ, seit 1998 Besitzer des geschichtsträchtigen Zolliker Gebäudes, auf sie zugekommen sei und sie angefragt habe, die Führung des «Rössli» zu übernehmen, entschloss sie sich, das Restaurant einmal anzuschauen. Und da sei es dann auch schon passiert. «Der Zauber hat mich sofort gepackt», schwärmt die 45-Jährige, das wunderschöne alte Haus habe sie mit seinem Charme sofort in den Bann gezogen. Und mit schönen alten Häusern kennt sich die Gastronomin bestens aus. Sowohl dem Riegelhaus aus dem 17. Jahrhundert in Herrliberg sowie dem Weinbauernhaus in Erlenbach aus 1750 hauchte sie neben der guten Küche auch mit ihrer liebevollen Einrichtung und Dekoration neue Leben ein.

Nur Hausgemachtes auf den Tisch

In Zollikon will Jeannine Meili  das Rad nicht neu erfinden. Das sei gar nicht nötig, sagt sie und ist überzeugt, genau das bieten zu können, was das «Rössli» braucht. «Ich habe das Potential und die Leute, die es für dieses gepflegte Ambiente braucht.» Mit gutbürgerlicher Küche, ergänzt mit leichteren, trendigeren Speisen, werden der Küchenchef Filipe Almeida und Jeannine Meili die Gäste in Zukunft verwöhnen. Alles frisch zubereitet und selbst gemacht: vom Brot über die Ravioli bis zur Crèmeschnitte. Letztere soll eine von Zollikons Spezialitäten werden – die Markenzeichen des Pflugsteins nämlich, der weitum bekannte Loup de Mer in der Salzkruste und das mächtige gebackene Wiener Schnitzel, sollen die Renner von Erlenbach bleiben.

Ihre drei Restaurants sieht sie nicht als gegenseitige Konkurrenz, sondern vielmehr als Ergänzung und willkommene Abwechslung: Ihre Gäste sollen ihre Qualität und Handschrift in verschiedenen Lokalen erfahren können, schliesslich wolle nicht immer in derselben Stube gespeist werden.

In Zollikon sieht Jeannine Meili aber auch noch andere Vorteile. Die Nähe zur Stadt empfindet sie als grossen Vorteil und Chance. «Zürich ist anynom, man kommt kaum an die Gäste heran. An der Goldküste müssen und dürfen wir es mit der Persönlichkeit machen.» Von ebendieser Persönlichkeit war auch Urs Thomann, Präsident des BZAV, angetan. Die neue Pächterin bezeichnet er als Idealbesetzung. Bei ihr stimme das Menschliche genauso wie das Konzeptionelle und Visionäre und sie brächte auch den erforderlichen Willen und den «Drive» mit, den es für das «Rössli» braucht. «Was lange währt, wird endlich gut», sagt er in Anspielung auf die unzähligen Anfragen, die der Verband erhalten habe. Die Anforderungen habe er aber bewusst hoch gestellt, vom Alter und der Erfahrung über die finanziellen Mittel sei ihnen die langfristige Perspektive ebenso ein Kriterium gewesen wie der Anspruch auf eine abwechslungsreiche, gutbürgerliche und etwas gehobene Küche.

Vorfreude wird an der Chilbi versüsst

Sich Zeit lassen, das tut sich auch die neue Gastgeberin. Die Neueröffnung ist auf Anfang November geplant. Und sie soll perfekt sein – von der sorgfältigen Einrichtung über die hübsch angerichteten Teller bis zum eingespielten Team, auch bei ihrer zwölften Restaurant-Eröffnung überlässt sie nichts dem Zufall. Das «Rössli» soll ein Treffpunkt für alle werden, eine einfachere Verpflegung über Mittag soll ebenso Platz haben wie gehobenes Dinieren. Vorgesehen ist zudem ein Café auf dem Rössliplatz vor dem Restaurant mit ungefähr 20 Plätzen, sagt Jeannine Meili, der bereits weitere Ideen im Kopf herumschwirren. So hat sie auch den gegenüberliegenden Gewölbekeller angemietet mit einem begehbaren Weinkeller im Hinterkopf. «Wir gehen nun alles Schritt um Schritt an», versucht sie ihren Tatendrang selbst etwas zu bremsen, ihr eigentlicher Antrieb sei ja in erster Linie derjenige der Starthilfe. So sicher ist sie sich, die Geschicke nach erfolgreichem Start weitgehend ihrem Team zu überlassen.

Ob Jeannine Meili und Team oder umgekehrt: Einen Vorgeschmack auf das «Rössli» unter neuen Fittichen erhalten die Zolliker bereits während den nächsten drei Tagen. Anlässlich der Chilbi werden auf dem Rössliplatz Eierschwämmlirisotto, Kalbsleberli mit Rösti, Flammkuchen sowie Ghackets mit Hörnli zubereitet. Und natürlich darf auch die neue Zolliker Spezialität nicht fehlen: die Crèmeschnitte. (mmw)

Die Zolliker Chilbi findet vom Samstag, 16. August bis Montag, 18. August rund um den Dorfplatz statt.

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