Zollikon Zumikon

Coworking kommt

(Bild: Juan Diego)

In Zollikon wird im Juni das erste Coworking-Büro eröffnet. Zumikon tut sich nach begeistertem Auftakt dagegen schwer.

Gross war das Interesse, als der Gemeinde­rat Zumikon im Januar zu einem Info-Abend zum Thema «Coworking» einlud. Im Auftrag der Gemeinde hatte das schweizweit grösste Beratungsunternehmen der Branche – die Genossenschaft Village­Office – zuvor Persönlichkeiten Zumikons dazu schriftlich befragt. Der Rücklauf war enorm – so wie das Interesse an der Präsentation der Ergebnisse im Kirchgemeindesaal. In unterschiedlichen Gruppen wurde diskutiert, abgewogen und Bedarf formuliert. Viele der Teilnehmenden trugen sich in eine Liste ein und bekundeten Interesse, sich an der Spurengruppe zu beteiligen. Diese hätte das Projekt weiterverfolgen und konkretisieren sollen. Von diesem regen Interesse ist nicht mehr viel übrig geblieben. «Beim ersten Treffen waren wir noch sechs Personen. Mittlerweile haben sich weitere zurückgezogen», erklärt Petar Mitev, der weiter für die Coworking-Arbeitsplätze in Zumikon kämpft. «Wir haben nun ein Durchschnittsalter von 50 Jahren, beim Info-Abend waren aber auch viele Jüngere anwesend. Ich frage mich, warum die sich nun nicht weiter engagieren, um eine Plattform zu entwickeln, auf der sie nicht nur arbeiten, sondern Businessideen realisieren und lokale berufliche Netzwerke aufbauen könnten», fährt er fort. Der Zumiker hat in den vergangenen Wochen einige Objekte besichtigt, die für eine Realisierung in Frage kämen, darunter auch die Lounge am Güggelplatz, die im Besitz der Gemeinde ist. «Dort könnte ich mir noch am ehesten ein solches Gemeinschaftsbüro vorstellen.» Der Raum verfüge über genügend Fläche und die grossen Fenster sorgten für ausreichend Tageslicht. «Die schnelle Erreichbarkeit zu Fuss, mit dem Velo oder der Forchbahn sprechen ebenfalls dafür.» Dadurch würde auch – wie ja gewünscht – der Dorfplatz attraktiver werden. Dafür müsste aber seiner Meinung noch einiges investiert werden. «Das Beste wäre, wenn die Gemeinde sich auf irgendeine Art beteiligen könnte.. Durch das Coworking kann die lokale Wirtschaft gestärkt werden, indem nicht nur ein flexibles und kreativitätsförderndes, sondern auch bezahlbares Arbeitsumfeld zur Verfügung gestellt wird.»

Engagement anfachen

Gemeindepräsident Jürg Eberhard wendet jedoch ein: «Wir können die Räumlichkeiten vorerst nur befristet bis zur Sanierung des Gemeinschaftszentrums zur Verfügung stellen.» Der Gemeinderat hat aber von Anfang an betont, nicht Initiant der Idee werden zu wollen. Vielmehr sollte eine Idee angeschoben werden, die engagierte Bürger und Bürgerinnen braucht. Um dieses Engagement noch anzufachen, arbeitet Petar Mitev aktuell an einem Businessplan. «Ich habe so etwas schon für grosse und kleine Firmen gemacht, doch die Bedürfnisse einer Gemeinde sehen ganz anders aus als die eines Unternehmens.» Er sieht nicht, dass Banker oder Berater das Angebot eines «Coworking Space» nutzen, sondern setzt mehr auf den kreativen Bereich. «Durch einen Freund kenne ich so ein Projekt in Berlin. Dort herrscht eine positive Grundstimmung. Es werden Vorträge, Diskussionen und kulturelle Veranstaltungen parallel angeboten. Das würde ich mir für Zumikon auch wünschen.» Er bemängelt grundsätzlich fehlende Unterstützung für die einheimische Wirtschaft. «Kultur, Kinderbetreuung oder Sport wird ja auch subventioniert.» Eine, die den selbstständigen Unternehmensberater unterstützt, ist Kaja Clauss Hensler. Durch die Juristin ist Zollikon schon einen Schritt weiter als Zumikon: Die Küsnachterin eröffnet im Juni ein Coworking-Office mit rund 14 Arbeitsplätzen, zwei Besprechungsräumen und einem separaten Raum für ein Start-up. Die sorgfältig gewählte Einrichtung soll ein angenehmes Arbeitsklima verbreiten, dazu gibt es eine moderne Infrastruktur. Ebenso gibt es Parkplätze vor dem Haus und Mütter, die kurzfristig eine Lücke in der Kinderbetreuung haben, können einen Hütedienst in Anspruch nehmen. «Ich habe selber drei Kinder und kenne den Spagat zwischen Arbeit und Kids genau», unterstreicht Kaja Clauss Hensler.

Hütedienst und Parkplätze

Sie hatte gerade ihre Stellung gekündigt und war auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit, als sie auf den Trend der Coworking-Offices stiess und sofort begeistert war. Sie besuchte unterschiedliche Offices in Zürich, war am Info-Abend in Zumikon und mietete schliesslich die Räume an der Rietstrasse 50. Aktuell werden diese umgebaut und renoviert. «Durch die vielen Fenster ist es sehr freundlich und hell», freut sich Kaja Clauss Hensler. Wer demnächst dort sitzt und arbeitet, ist für sie nicht entscheidend. Sie wünsche sich aber eine gesunde Durchmischung, weil fremde Bereiche oft auch eine Bereicherung seien. Sie kennt selber die Problematik des Homeoffice. Man lässt sich ablenken, ist isoliert. «Manche ziehen sich nicht richtig an, sondern sitzen im Trainer vor ihrem PC und am Telefon. Doch wer vernünftig gekleidet ist, hat auch eine andere Ausstrahlung.» Nicht beirren lässt sie sich davon, dass vor knapp drei Jahren nur eine Strasse weiter ein Coworking-Office schliessen musste. Mittelständler Heinz Eberle-Fröhlich hatte an der Dachslerenstrasse ein grosses Büro eingerichtet, und zwar vom feinsten: Mit Beamer, einem Bildschirm für Video-Konferenzen, Laserdrucker, Küche, WLAN, Parkplätzen und einer Ladestation für Elektroautos direkt vor der Tür. Allein, die Nachfrage blieb aus. Nach einem Jahr wurde das Büro geschlossen. «Vielleicht waren wir zu nahe an der Stadt und deshalb nicht interessant genug. Vielleicht war aber auch die Zeit noch nicht reif dafür», urteilt der Unternehmer heute. (bms)

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