«Die Leistung soll bewertet werden und nicht die Präsenzzeit»

Die Zollikerin Nanette Steiner hat mit ihrer Geschäftspartnerin Jill Altenburger Soblik die erste Schweizer Online-Jobbörse für qualifizierte Mütter auf die Beine gestellt. Letzen Donnerstag ging jobsfürmama.ch online. Vom Start sei sie fast schon etwas überrumpelt geworden, sagt die junge Mutter.

Frau Steiner, Sie sind selbst Mutter zweier Kinder. Wie schwierig war für Sie der Wiedereinstieg?

Sehr schwierig. Eigentlich hat er ja gar nicht geklappt. Ich hatte eine gute Stelle bei einem Weltkonzern mit viel Verantwortung. Als ich schwanger wurde und das Gespräch mit meinen Vorgesetzten suchte, hiess es ziemlich deutlich, dass ich nach dem Mutterschaftsurlaub 100 Prozent weiterarbeiten oder ganz aufhören müsse. Darüber war ich sehr traurig. Ich entschied mich für eine Pause, weil ich wusste, dass es als Schwangere praktisch unmöglich sein würde, eine neue Stelle zu finden. Danach gestaltete sich die Stellensuche noch schwieriger. Entweder fand ich nur Jobs, für die ich überqualifiziert war oder solche, die nicht flexibel genug waren, nicht familiengerecht.

Was heisst für Sie eine attraktive, familiengerechte Arbeit, wie muss ein Job aussehen, damit er für Mütter passt?

Für eine Stelle mit viel Verantwortung braucht es sicherlich ein Pensum von mindestens 50 Prozent. Auch muss eine gewisse Flexibilität gewährleistet sein. Eine Mutter muss ihre Arbeitsstelle am Abend zwar beizeiten verlassen können, um für ihre Kinder dazu sein, sie ist aber durchaus gewillt, ihre Arbeit später am Abend zu Hause weiterzuführen. Eine Arbeitskraft soll anhand ihrer Leistung, nicht anhand ihrer Präsenzzeit bewertet werden.

Ihre eigene Erfahrung hat Sie bewogen, zusammen mit Ihrer Geschäftspartnerin die erste Schweizer Online-Jobbörse für qualifizierte Mütter auf die Beine zu stellen. Warum glauben Sie, dass eine solche Stellenbörse notwendig ist?

In vielen Unternehmen mangelt es an Fachkräften, diese Lücke möchten wir mit jobsfürmama.ch schliessen. Heute verfügen mehr Frauen als Männer über einen Uni-Abschluss. Da ist es doch volkswirtschaftlich gesehen ebenso unsinnig, wenn diese Bildungsinvestitionen nicht zurückfliessen würden, wie es für Unternehmen schade ist, wenn sie diese Ressource „Mütter“ einfach brach liegen lassen.

Warum sind Ihrer Meinung nach Mütter für Unternehmen wertvoll?

Mütter werden von den meisten Unternehmen falsch eingeschätzt, sie gelten in erster Linie als ausfallgefährdet. Die Realität sieht aber anders aus.  Mütter arbeiten sehr effizient, sie wissen um ihre Deadline. Sie sind belastbar, teamfähig, verantwortungsbewusst und Organisationstalente, schliesslich managen sie erfolgreich ihre Familie wie ein Kleinunternehmen. Frauen, die Arbeit und Familie vereinen möchten, sind zudem meistens sehr motiviert und auch treue Mitarbeiter, denn mit einer Familie wechselt man nicht so rasch den Arbeitsplatz.

Warum richten Sie sich mit Ihren Angeboten vor allem an hoch qualifizierte Mütter?

Meine eigene Situation sowie auch das Feedback vieler anderer Mütter hat mir gezeigt, dass es vor allem für gut qualifizierte Mütter, die über eine Ausbildung und/oder einen Studienabschluss verfügen, an Teilzeitjobs, Projekt- oder Homeofficearbeit mangelt. Sie haben Mühe mit dem Wiedereinstieg, weil sie für viele angebotene Teilzeitstellen überqualifiziert sind.

Lesen Sie das ganze Interview mit Nanette Steiner im aktuellen «Zolliker Bote» vom 4. April 2014.

Link zur neuen Mamajobbörse: www.jobsfürmama.ch

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