Zollikon

Strom fürs Auto

Mit öffentlichen Stromtankstellen hoffen Energieversorger, die Elektromobilität weiter anzukurbeln. Seit kurzem befindet sich eine solche Ladestation auch mitten in Zollikon.

Lautlos kurven sie auf den Strassen herum: Elektrofahrzeuge und Hybride, die als die Autos der Zukunft gelten. In Zollikon, Küsnacht und Erlenbach – dem Versorgungsgebiet des Strom-, Gas- und Wasserlieferanten Werke am Zürichsee (WAZ) – fahren von den knapp 17›000 Personenwagen 400 mit alternativem Antrieb. Die meisten dieser Fahrer laden ihre Autos zu Hause auf. Aus Sicherheitsgründen nicht an der herkömmlichen Haushaltssteckdose, sondern häufig an einer Ladestation, die auf die Ladeleistung der Hausinstallation abgestimmt ist.

Seit rund einem Monat können Elektrofahrzeuge in Zollikon nun aber auch an einem öffentlichen Platz aufgeladen werden: In der Tiefgarage neben dem Dorfplatz befinden sich im Erdgeschoss zwei Parkplätze mit entsprechender Stromtankstelle. Hinter dieser steht die WAZ, die selber mehrere Elektroautos besitzt. «Wir sind dabei, in unserem Versorgungsgebiet öffentliche Ladestationen zu realisieren», sagt Rolf de Pietro, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Die erste Stromtankstelle ging anfangs Juni in Küsnacht beim Hotel Sonne in Betrieb, nun folgte Zollikon. Auch für Erlenbach wird ein geeigneter Platz gesucht. Diesen zu finden ist gemäss Rolf de Pietro aber nicht einfach. Optimalerweise handle es sich um einen Umschlagplatz, wie es in der Zolliker Tiefgarage inmitten des Dorfzentrums der Fall ist. «Die Leute können während des Tankens einkaufen oder sonst im Dorf verweilen», was ideal sei, dauert das Aufladen des Elektrofahrzeugs an der Schnellladestation doch je nach Modell rund eine Stunde.

Lösung mit intelligenten Stromnetzen

Rolf de Pietro hofft, dass der Elektromobilität mit den öffentlichen Stromtankstellen weiterer Schub gegeben wird. Zusammen mit den Werken am Zürichsee haben rund ein Dutzend Energieversorger den Verein energy4drive gegründet, der die Förderung und Koordination der Nutzung von Stromtankstellen zum Ziel hat. Per Smartphone lassen sich die Ladestationen finden, freischalten, laden und bezahlen. An der Zolliker Stromtankstelle können aber auch Nichtmitglieder ihre Elektroautos aufladen. «Sie bezahlen einfach etwas mehr», erklärt der Geschäftsführer der Werke am Zürichsee. An der öffentlichen Ladestation zahlen Elektroautofahrer 29 Rappen pro Kilowattstunde Naturstrom. Bezahlt wird per Kreditkarte oder Smartphone. Zum Vergleich: In den eigenen Wänden bezahlt man dafür 20 Rappen.

An der Goldküste mit seinen vielen einkommensstarken und vermögenden Bewohnern sieht Rolf de Pietro grosses Potential für die Elektromobilität. «Viele können sich hier mehr als ein Auto leisten», und gerade als Einkaufsauto für Kurzstrecken eigne sich ein Elektrofahrzeug bestens.  Auch wenn er sich über mehr Elektroautos freuen würde, ganz unproblematisch sind sie für die Stromnetze nicht: «Unsere Netze sind nicht gebaut für solch grosse Leistungen.» Aus diesem Grund würden die Energieversorger in der Schweiz unter Hochdruck am intelligenten Stromnetz arbeiten, bei dem sich Angebot von und Nachfrage nach Strom besser ausgleichen lassen. «Wir brauchen zwingend Lösungen, um die Lasten optimal verteilen zu können», sagt Rolf de Pietro und erinnert an früher, wo die Stromnetze häufig über Mittag überlastet waren und Waschmaschinen während dieser Zeit nicht laufen durften.

Energie vom Dach nimmt zu

Etwas Zeit dürfte den Energieversorgern aber noch bleiben. 2016 wurden schweizweit 3525 neue Elektroautos zugelassen, was weniger als ein Prozent aller neu zugelassenen Wagen bedeutet. Bei den Hybridfahrzeugen sah es mit knapp 10 600 Fahrzeugen etwas besser aus.

Zunehmen dürfte die Nachfrage nach Elektro- und Hybridautos ab 2020, wenn mit dem neuen C02-Emmissionsgesetz ein neuer Grenzwert für alle Neuwagen gilt. Energieversorger wie die Werke am Zürichsee rechnen bis dann aber auch damit, dass die Zahl der Solarstromanlagen und der Batteriespeicher deutlich zugenommen haben wird, was eine Entlastung des Stromnetzes mit sich bringt. «Das Potential der bebaubaren Dachflächen in unserem Versorgungsgebiet ist sehr gross», und die Preise für Photovoltaikanlagen seien immer noch rückläufig, sagt Rolf de Pietro. Gerade in Zollikon sei noch viel Luft nach oben, liege die Gemeinde doch mit 40 Watt installierter Photovoltaikleistung pro Einwohner doch deutlich hinter Küsnacht (100 Watt pro Einwohner) und Erlenbach (80) zurück. (mmw)

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