Zumikon

Eltern lösen den «Juxit» aus

Die Lehrpersonen vom Juch sprechen sich zwar generell für das AdL aus, doch für Zumikon sei das Modell nicht geeignet. Mütter und Väter sind unzufrieden mit Klima, mit Konflikt-Management und Förderung. Die Info-Veranstaltung zum Schulsystemwechsel brachte interessante Einsichten.

Sie war mit Spannung erwartet worden, die Info-Veranstaltung der Schule, übergross war das Interesse am Dienstag im Kirchgemeindesaal. „Es macht einfach Spass, in Zumikon Veranstaltungen zum Thema Schule anzubieten“, kommentierte Schulleiter Philipp Apafi schmunzelnd das grosse Forum. Die Erkenntnis des Abends: Hauptsächlicher Auslöser für den Wechsel auf Jahrgangsklassen sind die Eltern. Das zeigten zwei unterschiedliche und unabhängige Evaluationen. Zunächst waren anonym die Mitarbeitenden, sprich die Lehrpersonen, befragt worden. Eine grosse Mehrheit von ihnen sprach sich zwar für das AdL-Lernen aus, gab aber gleichzeitig an, dass dieses Modell weder für Zumikon, noch für die Zumiker Eltern geeignet sei. Zum pädagogischen Aspekt: Lediglich vier Prozent der Mitarbeitenden glaubten, dass das altersdurchmischte Lernen zu einer besseren Unterrichtsqualität führt.

Eine andere Evaluation sprach eine noch deutlichere Sprache. Von der kantonalen Fachstelle waren auch die Eltern befragt worden. Das Resultat: Sie sind unzufrieden, und zwar deutlich unzufriedener als im kantonalen Umfeld. Nur 44 Prozent glauben, dass mit Konflikten der Schüler gut umgegangen würde. «Das ist noch nicht einmal die Hälfte. Damit können wir auch nicht zufrieden sein», unterstrich Philipp Apafi, der gemeinsam mit Andreas Hugi, Präsident der Schulpflege, straff und kompetent durch den Abend führte. Die Aussagen der Eltern, die seit Dienstag auch auf der Webseite der Schule zu finden sind, waren teilweise erschreckend: Es herrsche kein gutes Klima an der Schule, ein Grossteil der Eltern glaubt nicht, dass ihr Kind gut gefördert würde. Zudem verlaufe der Unterricht nichts störungsfrei. Gerade diesen Punkt relativierte Philipp Apafi aber. Im Vergleich zu seiner vorherigen Schule empfinde er den Unterricht im Juch als sehr ruhig. Zudem habe er sich die Bewertungen von anderen Goldküsten-Gemeinden angesehen. Auch dort sei die Elternzufriedenheit extrem niedrig gewesen. Aber die Schul-Schelte ging weiter. Die Erhebung zeigte, dass die Eltern sich nicht ernst genommen fühlen und die Kinder nicht lernten, sich selbst einzuschätzen. «Gerade für die Lehrpersonen hätte ich mir wirklich ein besseres Ergebnis gewünscht», unterstrich der Schulleiter.

Mehrjahrgangsklassen besser unterstützt

Im Rückblick erläuterten er und Andreas Hugi allgemein die Grundlagen der Entscheidungsfindung für den «Juxit», den Ausstieg der Juch-Schule aus dem AdL. Man habe sich schon früh drei Modelle angesehen, neben dem AdL auch das System mit zwei Jahrgängen pro Klasse und eben dem Jahrgangsmodell. Das Modell mit zwei Jahrgängen sei schnell vom Tisch gewesen, weil es mit den aktuellen Schülerzahlen nicht aufgegangen wäre. Leider geht das nun gewählte Modell mit Jahrgangsklassen auch nicht ganz auf. Neben zwölf Klassen – jeweils zwei Parallelklassen – wird es zwei Mehrjahrgangsklassen geben. «Das ist aber für kleine Schulen wie unsere überhaupt keine Seltenheit», betonte Andreas Hugi. Ein Vorteil sei auch, dass diese Mehrjahrgangsklassen vom Kanton finanziell besser unterstützt werden. Natürlich war eine der Fragen im abschliessenden Forum, wie die Klasseneinteilung funktioniere. «Wie sonst eigentlich auch», so die Antwort vom Podium. Es wird nach Anzahl Mädchen und Buben geschaut, nach Sozialverhalten, nach Sprachkompetenz. Diese Aufteilung liegt allein bei der Schulleitung. Diese führt schon jetzt Personalgespräche mit den Lehrpersonen, und Philipp Apafi betonte, dass viele Mitarbeitende trotz des Wechsels bleiben wollten und parallel ein Personalführungskonzept entwickelt werde, um gute Leute zu holen und auch zu halten. „Zumikon wird ein attraktiver Arbeitsort sein“, betonte er. Bis Ende März 2017 haben die Lehrpersonen Zeit, sich endgültig zu entscheiden. Die Klassenbildung findet dann im Mai statt, die Bekanntgabe erfolgt im Juni.

Ein Wort, das aber auch den Info-Abend prägte, war „Vertrauen“. Sowohl Andreas Hugi, als auch Philipp Apafi warben darum. „Wir werden das Rad nicht einfach zurückdrehen. Wir werden unsere Schule weiterentwickeln“, versprach Andreas Hugi.

Genau dieses Vertrauen sieht Alessandro Monti verloren. Er hatte im Vorfeld vergeblich versucht, eine Informationsreihe zum Thema zu organisieren und hatte keine Unterstützung bekommen. Mit einem Statement versuchte er nochmals, diese Entscheidung in Frage zu stellen. Zeitgleich ist beim Bezirksrat ein Rekurs gegen den Modell-Wechsel eingegangen, der nun geprüft wird. «Wir haben dazu bereits Stellung bezogen und werden das nicht weiter kommentieren», so Andreas Hugi. Dieser Rekurs werde ihm aber keine Sorgenfalten machen.

Bei einem anschliessenden Apéro hatten die rund 200 Eltern die Gelegenheit, mit der Schulpflege ins Gespräch zu kommen und sich auch untereinander über die Erkenntnisse auszutauschen.

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