Zollikon

Trambetrieb im Zollikerberg?

Basel hat, was der Quartier­verein Zollikerberg sich wünscht: eine Bahn, die teilweise im Trambetrieb fährt. Der Verein fordert diese Alternative auch für die Forchbahn, um die vom Bund vorgesehenen Bahnschranken zu verhindern.


Die Forchbahn soll nicht nur in der Stadt, sondern auch zwischen Spital Zollikerberg und Rosengarten als Tram fahren. Dies forderte der Quartierverein Zollikerberg bereits vor zwei Jahren, als bekannt wurde, dass das Bundesamt für Verkehr BAV aufgrund des Eisenbahngesetzes den Ersatz der beiden Lichtsignalanlagen bei den Übergängen Binzstrasse und Trichtenhauserstrasse durch Schranken verlangt. Heute ist der Quartierverein mehr denn je überzeugt, dass seine geforderte Alternative zur Verhinderung der Bahnschranken die richtige ist. Und das hat einen Grund: die Waldenburgerbahn im Kanton Basel-Landschaft. «Im Rahmen unserer Nachforschungen sind wir bei der Waldenburgerbahn zwischen Liestal und Waldenburg auf praktisch identische Situationen von mit Lichtsignalen gesicherten Übergängen gestossen», sagt Quartiervereinspräsident Fritz Wolf. Die Basler Bahn ist eine Schweizer Schmalspurbahn mit einer Spurbreite von 750mm, die eine 13 Kilometer lange Strecke im Eisenbahnbetrieb mit Geschwindigkeiten bis 75 Kilometer pro Stunde fährt – «mit ähnlichen Fahrzeugen wie die Forchbahn», wie Fritz Wolf sofort festhält. An zwei Stellen, eine davon in Bad Bubendorf, fährt die Waldenburgerbahn aber nicht wie üblich gemäss Eisenbahngesetz, sondern gemäss der Schweizerischen Fahrdienstvorschriften für Strassenbahn: Die Bahn fährt im Trambetrieb mit 40 Kilometer pro Stunde über den Übergang unmittelbar bei der Station, der mit Lichtsignalen gesichert ist. «Auch hier wären bei der nachträglichen Erstellung von Bahnschranken aufwendige Strassenumbauten mit verlängerten Abbiegerstrecken erforderlich gewesen», sagt Fritz Wolf, «deshalb wurde der Betrieb mit einer Lichtsignalanlage vom BAV zugelassen und beibehalten.» Und was in Bubendorf möglich ist, soll es auch in Zollikerberg sein. Betriebsleiter Martin Weber von der Baselland Transport BLT bestätigt auf Anfrage, dass die Bahn an zwei Stellen mit reduzierter Geschwindigkeit über Übergänge fährt, die nicht mit Bahnschranken gesichert werden mussten. Auch erzählt er, dass die Waldenburgerbahn bald umfassende Änderungen erfährt: Die 13 Kilometer lange Bahnlinie werde wie die Forchbahn auf eine Meter-Spur erweitert, was viele begleitende Arbeiten mit sich bringe. «Zum jetzigen Zeitpunkt sind aber bei diesen beiden Übergängen keine Bahnschranken vorgesehen», hält er fest.

Auswirkungen auf den Fahrplan?

Der Quartierverein reichte beim Bekanntwerden der beiden zusätzlichen Halbbarrieren für die Forchbahn auf Zolliker Gebiet beim BAV Einsprache ein, genauso wie die Gemeinde Zollikon. «Die Bahnschranken sind eine überrissene Lösung mit Kosten von mehreren Millionen Franken», ärgert sich Fritz Wolf damals wie heute, «durch sie würde sich die bereits bestehende Quartiertrennung vergrössern, die Rückstaus bei den Kreuzungen wären länger, der Schleichverkehr in den Quartierstrassen würde zunehmen und auch der Notfallzugang zum Spital Zollikerberg wäre längere Zeit blockiert.» Gemäss Aussagen des Quartiervereinspräsidenten wären von der geforderten Alternative als Trambetrieb nur die Schnellzüge der Forchbahn betroffen, was 32 von insgesamt 164 Zügen seien: «Die Normalzüge mit Halt an allen Stationen fahren wegen der kurzen Distanzen zwischen den Stationen sowieso mit reduzierter Geschwindigkeit über die beiden Übergänge. Zusätzlich würden auch die Fahrpläne der beiden Buslinien 910 und 91 auf der Forchstrasse behindert Der Zeitverlust der Schnellzüge von circa 15 Sekunden auf diesem kurzen Streckenabschnitt ist nicht relevant für die Stabilität des Fahrplans der Forchbahn», findet Fritz Wolf. Anders sieht dies Markus Amrein, Bereichsleiter Infrastruktur der Forchbahn AG. Gerade die Anschlusszeiten an den Esslinger Bus seien relativ knapp. In der Vergangenheit habe die Forchbahn viele Entschlüsse gefällt für ein System, das die Anschlüsse in Zürich Stadelhofen und in Esslingen gewährleistet. «Mit dem geforderten Trambetrieb in Zollikerberg könnte der aktuelle Fahrplan nicht eingehalten werden». Um den Fahrplan stabil zu halten, könnten zwar mehr Züge eingesetzt werden, dagegen sprächen gemäss Markus Amrein aber die Kosten, die überall anfallen würden – auch auf Seiten der Fahrgäste.

Verkehrsproblematik nicht gelöst

Nach den Einsprachen forderte das Bundesamt für Verkehr die Forchbahn auf, zu den von der Gemeinde Zollikon vorgebrachten Einwänden Stellung zu nehmen, was diese tat. «Die Studie der Forchbahn berücksichtigt nur die Interessen der Forchbahn und zeigt keinen Lösungsansatz, wie der gesamte Verkehr in Zollikerberg siedlungsverträglich gestaltet werden könnte», teilte die Gemeinde Zollikon im Herbst vergangenen Jahres mit. Ebenso wenig zeige die Studie auf, wie die Blaulichtorganisationen ihre Aufgaben künftig mit Bahnschranken erfüllen könnten (wir berichteten). «Das Verkehrsproblem im Zollikerberg ist nicht gelöst», sagt Gemeinderat Martin Hirs, der in seiner Funktion als Bauvorstand auch im Verwaltungsrat der Forchbahn AG Einsitz hat. Die Einspurstrecken auf der Trichtenhauser- und der Forchstrasse müssten verlängert und die Strassen dadurch verbreitert werden, erklärt er.
«Entsprechende Enteignungen der Grundeigentümer wären die Folgen. Das ist nicht siedlungsverträglich und dagegen wehren wir uns.» Sinnvoll fände er, wenn das BAV die bisherige Situation ohne Bahnschranken befristet weiter bewilligen würde mit der Auflage, dass die Forchbahn, der Kanton und die Gemeinde ein Konzept erarbeiteten, welches die Verkehrsproblematik nachhaltig löse. Damit könnte beispielsweise die unterirdische Führung der Forchbahn wieder diskutiert werden. Doch dies ist alles Zukunftsmusik. Im Moment liegen das überarbeitete Konzept und die Stellungnahme der Gemeinde wieder beim BAV. (mmw)

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