Zumikon

Nicht umsonst, aber vergebens

Die Gemeindeversammlung beschliesst zu später Stunde, dass der Bus weiterhin die gewohnte Route fahren soll. Eine ebenso konservative Haltung nahm sie gegenüber verschiedenen anderen Vor­lagen ein: Investitionen für den Dorfplatz wurden aus dem Voranschlag 2017 gestrichen.

Stefan Bühler wird am vergangenen Montag nur schwer in den Schlaf gekommen sein. Wie viele Stunden hatte der Vorsteher des Tiefbauamtes in das Projekt «Neue Buslinie 919» gesteckt? Und das, um hinterher von der Gemeindeversammlung den Beschluss zu erhalten: Alles bleibt, wie es ist.

Insgesamt 19 Varianten hatte das Tiefbauamt geprüft. Ein Beratungsbüro war mit ins Boot geholt worden. Nicht umsonst, aber vergebens. Fahrplanzeiten waren getestet worden. Es gab Überlegungen, den Bus bis zum Chapf oder über die Alte Forchstrasse fahren zu lassen. Auf insgesamt vier machbare Vorschläge war die Liste schliesslich zusammengestrichen worden. Die 207 Stimmberechtigten, die von den ursprünglich anwesenden 221 Zumikern zu später Stunde noch übrig waren, stimmten für den Ist-Zustand. Zuvor war ihnen nämlich aufgefallen, dass es eigentlich gar keinen Handlungsbedarf gebe. Erst ab 2024 müssen Bushaltestellen behindertengerecht sein. Ergo wurde nach einer langen Diskussion befunden: Es ist doch gut so, wie es ist.

In Eigenregie wäre machbar gewesen

Doch dieses Ei hat sich der Gemeinderat selber ins Nest gelegt. Es hätte gar nicht zu einer Abstimmung über die Buslinie kommen müssen. Als das Zumiker Stimmvolk seinerzeit für den Umbau des Alten Gemeindehauses zum «Zumi-Treff» votierte, beinhaltete der Beschluss auch den Neubau der Bushaltestelle. Der Bus sollte gegen den Uhrzeigersinn um das Haus herumfahren, um seitlich zu halten. Somit hätte es eine Freifläche vor dem Haus gegeben, die hätte bespielt werden können. Doch die anvisierten Kosten überstiegen die Annahme. Allerdings nicht so weit, als dass der Gemeinderat diese nicht in Eigenregie hätte genehmigen können. Ohne weitere Diskussion, ohne weitere Planungskosten hätte der Beschluss des Souveräns umgesetzt werden können. Doch der Gemeinderat wollte sich absichern und kann nun alle Pläne ins Altpapier geben.

Und da landen auch einige Vorschläge des Gemeinderats für Investitionen. Mehr als eine Million Franken strich das Zumiker Stimmvolk aus dem Budget. Die Bürger folgten somit den Streichungsvorschlägen der Rechnungsprüfungskommission, die Präsident Christoph Born der Versammlung darlegte. Somit wird der Vorplatz des Gemeindehauses nicht saniert (100 000 Franken), eine Umnutzung der Räume im Gemeindehaus zur Erleichterung der Polizeiarbeit ist vom Tisch (210 000 Franken), es gibt keine langfristigen Planungen zur Neugestaltung des Bistros (247 000 Franken) und gestrichen ist auch eine Ausstiegszone am Schulhaus Farlifang (70 000 Franken). Bei der Juch-Turnhalle zeigte sich die Versammlung grosszügiger. Der Antrag von Gérard ­Olivary (SVP), die veranschlagten 260 000 Franken für die Sanierung zu streichen, wurde abgelehnt. ­Dafür waren die Bilder vom Ist-­Zustand, die Liegenschaftenvorsteher Thomas Epprecht vorlegte, zu eindrücklich.

Die RPK hatte zuvor bemängelt, dass es grundsätzlich an einem Konzept für den Dorfplatz fehle. Dem widersprach Gemeindepräsident Jürg Eberhard vehement und führte die Beweise: In den kommenden Jahren würden grosse Sanierungsarbeiten auf Zumikon zukommen. Ob Gemeindehaus, Bistro, Gemeinschaftszentrum oder Tiefgarage – allerorten müsse investiert werden. Um diese Kosten zu verteilen, seien bereits für 2017 Investitionskredite beantragt worden. «Wenn wir das jetzt alles verschieben, wird es zu einem Investitionsstau kommen», unterstrich er. Er plädierte für eine zukunftsweisende Finanzpolitik, die schon heute in Angriff nehmen soll, was in den nächsten Jahren Gegenwart sein wird. Mit Blick auf das Bistro – dem Filetstück am Dorfplatz – hätte das bedeutet, dass konkrete Pläne hätten erstellt werden können. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt: Wenn der Pachtvertrag 2019 ausläuft, könnte man es ersetzen, umbauen, erweitern. Mit dem Entscheid gegen den Kredit wird die Zukunft warten müssen.

Nochmals über die Bücher

Auf Antrag aus der Bevölkerung wurden auch 600’000 Franken zur Neugestaltung des Gemeinschaftszentrums gestrichen. Die beiden Kirchgemeinden, die Miteigen­tümer des Zentrums sind, seien in die Planung nicht einbezogen worden, mahnte ein Votant und sagte weiter, dass es seitens des Verwalters keine Aufforderung für eine Budgetierung der Eigentümer-­Gemeinschaft gegeben habe. In der Folge wurde auch diese Position aus dem Gemeindebudget gestrichen.

Den Steuerfuss für 2017 mit weiterhin 85 Prozent segnete das Stimmvolk ab. Nun will der Gemeinderat einen Finanzplan für die nächsten Jahre erarbeiten, der im Frühjahr vorgestellt werden soll. (bms)

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