Zumikon

Nein für die Jungen und Alten

Trotz engagierter Argumentation seitens Gemeinderat und Eltern lehnten die Zumiker an der Gemeindeversammlung die Aula ab. Auch der Nachtragskredit für das Pflegezentrum Forch fiel durch.

Es ging ums Geld am vergangenen Dienstag an der Gemeindeversammlung Zumikon: Geld für eine neue Aula, das Pflegezentrum Forch und das Hallenbad Juch. Schulpflegepräsident Andreas Hugi legte sich sofort für die geplante Aula ins Zeug: «Das Geschäft ist umstritten. Das weiss ich. Ich gebe aber mein Bestes.» Er unterlegte seine Argumente mit aussagekräftigen Bildern: die Enge auf der Bühne im Farlifang, die Weite des leeren Schwimmbeckens. Wichtig sei ein Mehrzweckraum innerhalb der Schule, betonte er. «2,8 Millionen Franken sind viel Geld. Das ist uns bewusst. Und trotzdem sieht der Gemeinderat dies als notwendig an.» Zudem sei die Investition abgesichert. Es gebe nicht plötzliche Mehrkosten von 25 Prozent. Die als hoch erscheinenden Kosten entstünden auch durch die hohen Auflagen, die für Schulgebäude gelten. Zudem solle durch Hebebühnen-Elemente der Nachteil der niedrigen Decke in einen Vorteil verwandelt werden.

Keine eigene Aula für die Schule

Nüchtern konterte Christoph Born von der Rechnungsprüfungskommission. Bereits 2015 habe die RPK den Eindruck gehabt, dass mit dem damals beantragten und genehmigten Lift die Vorarbeit für die neue Aula geschaffen werden sollte. Er erinnerte auch an die Zahlen, die Finanzvorsteherin Barbara Messmer im Juni für den Gemeindehaushalt vorlegte. Die Nachricht damals: Die Liquidität der Gemeinde ist bei Null, Steuererhöhungen sind unvermeidbar. «In dieser Situation ist eine solche Investition nicht tragbar», unterstrich er. Zudem könne der aktuelle Bedarf durch den Gemeinde- und den Kirchgemeindesaal gedeckt werden. «Es kann ja sein, dass der Kredit schon im Finanzplan steht, doch der wird vom Gemeinderat erstellt. Das heisst noch lange nicht, dass das Geld auch ausgegeben werden muss. Das entscheidet die Gemeindeversammlung», erläuterte der Präsident der RPK
Unter den 117 Stimmbürgern im Saal sassen nur wenige junge Eltern. Aus ihren Reihen aber kam die Forderung nach einer Aula. «Theater spielen ist genauso wichtig wie Mathe und Deutsch», so eine Mutter. Unterstützung erhielt sie von der FDP: Eine gute Infrastruktur – und dazu zähle die Aula – sei wichtig für die Zukunft der Gemeinde. «Ja», sagte Marc Wachter von der SVP, «aber den Schülern soll schlicht etwas beigebracht werden und dafür braucht es keine teure Aula für Broadway-Produktionen à la Amerika.» So ausgewogen die Diskussion, so knapp dann auch das Ergebnis: Mit 65 Nein-Stimmen gegenüber 49 Stimmen dafür wurde der Kredit abgelehnt.

Fast einstimmig für das Juch

Nahtlos ging es monetär weiter: Auch für das Hallenbad wird mehr Geld gebraucht. Aber «lediglich» 57 584 Franken. «Es bereitet mir eine grosse Genugtuung, Ihnen heute diese Rechnung präsentieren zu können», so Liegenschaften-Vorsteher Thomas Epprecht. «Ausser den Betriebskosten wird Sie dieses Hallenbad nichts mehr kosten», stellte er in Aussicht. Und er stellte bei Annahme ein weiteres «Zückerli» in Aussicht: Nach der Genehmigung der Bauabrechnung könne beim Zürcher Kantonalverband für Sport ein zugesicherter Beitrag von 270 000 Franken eingefordert werden. Da auch die RPK dieser Rechnung nichts entgegenstellen wollten oder konnten, wurde der Antrag ohne Diskussion mit einer Gegenstimme angenommen.

Die Zumiker blieben beim Thema Nachtragskredit: Für den Umbau und die Sanierung des Pflegezentrums Forch wollte der Gemeinderat weitere 1 989 339 Franken bewilligt haben. Damit würde der Zumiker Beitrag an der Einrichtung bei knapp 13 Millionen Franken liegen. Doch Christian Dietsche sprach am Dienstag nicht nur als Vorsteher der Abteilung Gesellschaft zu den Bürgern. Er plädierte auch als Vize-Präsident der Zollinger Stiftung für das Haus. «Wir haben uns seinerzeit verpflichtet, uns mit 40 Prozent zu beteiligen. Und wir sollten unser Wort halten», forderte er. Und er erinnerte: Hauptursache für die Überschreitung des Kredits sei gewesen, dass ein Umbau bei laufendem Betrieb entgegen erster Planungen nicht möglich gewesen war. Ergo mussten Provisorien für die Bewohner her. Und wenn die RPK fordere, dass es viel früher schon einen Baustopp hätte geben müssen, frage er sich: Was hätten wir mit den alten Menschen machen sollen? «Natürlich freue ich mich auch nicht, dass wir den Kredit beantragen müssen, aber ich weiss, das Geld wird sinnvoll eingesetzt», schloss Christian Dietsche.

Knappes Nein zu Pflegezentrum

Das sah Christoph Born anders. Der grösste Teil der Mehrkosten sei auf Planungsfehler zurückzuführen, so sein Vorwurf. Das habe die RPK früh klar gemacht. Als Ergebnis sei sie dann auf Distanz gehalten worden. Doch die RPK empfahl nicht nur, den Antrag abzulehnen. Sie ging noch weiter: Sie empfahl dem Gemeinderat, den gesamten Prozess analysieren zu lassen, damit ein solcher Fehler nicht mehr vorkomme. Dabei stand mittlerweile noch eine andere Zahl im Raum: Christian Dietsche hatte eingeräumt, dass zurzeit lediglich 16 Zumiker im Pflegezentrum Forch leben. Grund dafür sei auch, so der Vorsteher, dass es dank der Spitex mittlerweile möglich sei, so lange wie möglich im eigenen Heim zu bleiben. Kurz: Der Bedarf an Pflegeplätzen sei gesunken. Vielleicht war diese Zahl ein Grund dafür, dass 58 Bürger den Antrag ablehnten, 55 Zumiker stimmten dafür. Im Anschluss informierte Gemeindepräsident Jürg Eberhard noch über die aktuellen Entscheidungen zum Thema Fluglärm. So sei nun raumplanerisch die Einführung von Südstarts geradeaus bei Nebel und Bise gegeben. Erschreckend sei, dass 70 Prozent aller Südstarts bei Nebel und Bise über Zumikon gingen. Das wären im Jahr 2030 immerhin geschätzte 13 000 Flugzeuge jährlich. «Die Gemeinde wird auch in den nächsten Schritten alle juristischen Möglichkeiten ausloten», unterstrich Jürg Eberhard. Dazu wird die Gemeinde wieder vorgefertigte Entwürfe zur Verfügung stellen. «Machen Sie mit. Jede Einwendung zählt», schloss der Gemeindepräsident.(bms)

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