Zollikon Zumikon

Abschied von Marc Raggenbass und Barbara Messmer

Der Zolliker Marc Raggenbass und die Zumikerin Barbara Messmer werden in der neuen Legislatur, die am 1. Juli begonnen hat, nicht mehr in der Exekutive ihrer Gemeinde vertreten sein. Noch einmal schauen die abgetretenen Gemeinderäte zurück auf ihr Engagement in der Lokalpolitik und erzählen von Erfolgen und Ärgernissen während ihrer Amtszeit.

Interviews: Birgit Müller-Schlieper

«Zwischen zwei Welten»

Marc Raggenbass, was hat Sie persönlich so an der politischen Arbeit gereizt, dass Sie sich engagiert haben?

Seit meinem Zuzug nach Zollikon 1992 habe ich mich hier politisch engagiert, zuerst im Vorstand der FDP, dann in der Schulpflege und schliesslich als Präsident der FDP Zollikon. Das Engagement im Gemeinderat war insofern eine logische Konsequenz, um einmal die Seite zu wechseln und direkten Einfluss auf das Geschehen in der Gemeinde nehmen zu können.

Die Arbeit in einer Gemeindeexekutive hat gegenüber politischen Ämtern auf kantonaler und eidgenössischer Ebene den grossen Vorteil der sachlichen und örtlichen Nähe. Ursache und Wirkung eines Sachentscheides sind unmittelbarer, Erfolg und Misserfolg liegen aber auch näher beieinander. Diese Nähe und Unmittelbarkeit haben mich immer fasziniert und motiviert.

Was war im Rückblick Ihr grösster Erfolg in der kommunalen Arbeit?

Ein Schwerpunkt dieser Legislatur war für mich der erfolgreiche Bezug des Neubaus Wohn- und Pflegezentrum Blumenrain im Herbst 2016. Seither hat sich der Betrieb gut weiterentwickelt. Die hohe Auslastung der Pflegebetten zeigt, dass unser WPZ bis weit über die Zolliker Grenzen hinaus einen guten Ruf geniesst. Ein weiterer Meilenstein der letzten vier Jahre war die Neuausrichtung des Jugi-Betriebs und die damit ­verbundene Genehmigung eines wiederkehrenden Betriebskredits durch die Gemeindeversammlung. Die Übernahme der Gesamtverantwortung für den Jugi-Betrieb durch die Gemeinde und die Delegation der operativen Führung an eine professionelle Firma hat sich bewährt. Schliesslich durfte ich als Präsident des Stiftungsrates der Personal­vorsorgeeinrichtung der Gemeinde die Sanierung der Kasse weiter vorantreiben. Heute steht die Vorsorgeeinrichtung auf einer soliden finanziellen Grundlage.

Was macht Ihre Gemeinde besonders aus?

Die Zolliker Bevölkerung bewegt sich zwischen zwei Welten: auf der einen Seite die kleinräumige politische Gemeinde mit Gemeindeversammlung, mit einem aktiven Vereinsleben und dem persönlichen Engagement vieler Freiwilliger und viel Herzblut für das «Dörfliche». Auf der anderen Seite ist Zollikon Teil von «The Greater Zurich Area» und wenige Kilometer entfernt vom Krypto- und Bitcoin-Valley. Weltoffenheit und der liberale Geist begleiten die Zolliker. Diese Dichotomie, dieses Doppelleben, prägt auch die Politik und ihre Entscheidungen.

Über wen oder was haben Sie sich in den vergangenen vier Jahren am meisten geärgert?

Ärgerlich ist die schwammige Kompetenzzuordnung zwischen dem einzelnen Mitglied des Gemeinderates als Ressortvorsteher und der hierarchischen Unterstellung von dessen Abteilungsleiter innerhalb der Verwaltung. Niemand kann zwei Herren dienen. Dieses konfliktträchtige Dreiecksverhältnis wird in der Organisationsverordnung festgeschrieben, wo steht, dass die einzelnen Mitglieder des Gemeinderates in ihrem eigenen Ressort politisch/strategisch und finanziell verantwortlich und teilweise auch operativ tätig sind. Diese Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung ist ursächlich für viele unproduktive Diskussionen und führt schliesslich zu Kompetenzstreitigkeiten und ineffizienten Prozessen. Es ist zu wünschen, dass hier in der nächsten Legislatur Klarheit geschaffen wird und die Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen Politik und Verwaltung besser definiert werden, damit auch der Bürger weiss, wem welche Kompetenzen übertragen sind.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Zukunft?

Eine der grossen Herausforderungen für die Zukunft ist die Weiterentwicklung des Milizsystems, damit wir es erhalten können. Dabei steht die Frage im Zentrum: Welche Organisation und welche Strukturen geben wir uns, damit sieben Exekutivmitglieder effektiv und effizient eine Stadt (mit über 10 000 Einwohnern ist Zollikon rechtlich eine Stadt) regieren können. Heute versuchen wir mit Infrastrukturen und Prozessen von gestern, die Probleme von morgen zu meistern. Dabei gibt es zwei Tendenzen: Die Exekutive beschränkt sich auf strategische Aufgaben und das politische Controlling und überlässt bewusst die operative Tätigkeit alleine einer professionellen Verwaltung. Oder aber die Strukturen werden konsequent und unter der politischen Führung des verantwortlichen Gemeinderates dezentralisiert, die Abteilungen werden zu Kompetenzzentren umfunktioniert und die Gemeinderatskanzlei beschränkt sich auf die Koordination der Prozesse und übernimmt funktionsübergreifende Aufgaben. Aus politischer Sicht ist der zweiten Lösung meines Erachtens klar der Vorzug zu geben.

Was machen Sie nun in der gewonnenen Freizeit?

Ich werde in Zukunft wieder mehr Zeit mit meiner Frau verbringen können und zusätzliche Energie für mein berufliches Engagement als Rechtsanwalt haben.

 

«Bemühungen wurden honoriert»

Barbara Messmer, was hat Sie persönlich so an der politischen Arbeit gereizt, dass Sie sich engagiert haben?

An der politischen Arbeit hat mich gereizt, an unserem Milizsystem aktiv teilzunehmen. Als sich abgezeichnet hat, dass ich die Finanzen übernehmen darf, habe ich mich doppelt gefreut.

Was war im Rückblick Ihr grösster Erfolg in der kommunalen Arbeit?

Jeder Erfolg ist immer ein Teamerfolg. Zum Beispiel, als wir nach mehreren Monaten intensiver Arbeit und unter Einbezug professioneller Begleitung dem Souverän einen fundierten Finanzplan sowie eine detaillierte Immobilienstudie präsentiert haben.

Was macht Ihre Gemeinde besonders aus?

Zumikon bietet viel Lebensqualität. Die Gemeinde ist eingebettet in eine wunderbare Natur und umringt von viel Wald, liegt nur wenige Minuten vom Zentrum von Zürich entfernt und auch zum Flughafen ist es nicht weit. Zudem bietet das Dorf ein breites Spektrum an Freizeitaktivitäten für Jung und Alt und die Nahversorgung ist hervorragend.

Über wen oder was haben Sie sich in den vergangenen vier Jahren am meisten geärgert? Was hat Sie am meisten gefreut?

Wie in jedem Amt gibt es immer wieder Situationen, die weniger angenehm sind und gelöst werden müssen. Das ist uns im Gemeinderat meistens gelungen. Gefreut hat mich der grosse Andrang am letzten Zumifäscht, welches nur alle zehn Jahre stattfindet. In meinem Bereich hat mich besonders gefreut, dass unsere Bemühungen, die Ausgaben in den Griff zu kriegen, von den Parteien, der Bevölkerung und auch von unserer RPK honoriert werden. Wir konnten 2017 einen tollen Jahresabschluss mit einem Ertragsüberschuss erzielen.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Zukunft?

Wir werden eine gute Balance finden müssen zwischen einer gesunden Finanzlage auf der einen Seite und einem zielgruppenspezifischen Angebot der Gemeinde auf der anderen Seite. Die anstehenden Erneuerungsinvestitionen bei den Immobilien werden für die Gemeinde eine grosse Herausforderung.

Was machen Sie nun in der gewonnenen Freizeit?

Ich werde die gewonnene Zeit für aktuelle und neue Projekte nutzen.

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