Zollikon

Pflegeheim am See steht bald leer

Im letzten Jahr gaben sie in Zollikon laut zu reden, im Moment ist es ziemlich still um sie: das Altersheim Beugi und das Pflegeheim am See. Letzteres soll nun ganz stillgelegt werden.

Lange Zeit waren sie die Gesprächsthemen in Zollikon: Das Altersheim Beugi im Dorfzentrum und jenes am See. Für das Beugi wurde vor genau einem Jahr ein Entscheid gefällt, als der Souverän die von Jürg Widmer lancierte Einzelinitiative an der Urne annahm und das bisherige Projekt des Gemeinderates auf dem Beugi-Areal mit Wohnungen, Grossverteiler und Tiefgarage stoppte. Die Mehrheit der Zolliker sprach sich für die Initiative aus, die Wohnungen von den Zolliker Baugenossenschaften auf dem Areal vorsieht und auf einen unterirdischen Grossverteiler verzichtet.

Ein Urteil gefällt wurde auch in Bezug auf das Pflegeheim am See, um das es ebenso ein jahrelanges Tauziehen gab wie um die Überbauung des Zolliker Dorfzentrums. Der Gemeinderat wollte das ehemalige Pflegeheim am See an den Meistbietenden verkaufen. Nach dem knappen Ausgang der Gemeindeversammlung, die der Veräusserung mit nur einer Stimme Unterschied zustimmte, reichten jedoch zwei Mitglieder der SP Zollikon Rekurs ein. Sie pochten auf Einhaltung des Legats von 1920, als der wohlhabende Zolliker Heinrich Ernst das Grundstück seiner Wohngemeinde überlassen hatte mit der Auflage, dieses als «Heim für alte Leute» zu verwenden. Die Streitigkeiten gingen bis vor Bundesgericht, welches entschied, dass das ehemalige Pflegeheim am See nicht wie geplant verkauft werden dürfe, sondern der Erlös dem ursprünglichen Zweck gemäss verwendet werden müsse.

Flüchtlinge noch bis Ende August in Zollikon

In der Folge vermietete die Gemeinde die Liegenschaft an der Seestrasse 109 dem Kantonalen Sozialamt, das sie während zweier Jahre als MNA-Zentrum für unbegleitete asylsuchende Jugendliche und seit letztem Sommer als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien nutzte. Ende August werden die 50 in Zollikon untergebrachten Resettlement-Flüchtlinge, die besonderen Schutz brauchen, weil sie physisch und psychisch besonders geschwächt sind, die Gemeinde nun aber verlassen. Dies teilt der Zolliker Gemeinderat in seinem jüngsten Verhandlungsbericht mit. Der Mietvertrag laufe per Ende August aus. «Mitte März hat die Amtsstelle uns mitgeteilt, dass sie kein Interesse an der Weiterführung des Mietverhältnisses habe», erklärt Zollikons Gemeindeschreiber ad interim Peter Imhof auf Anfrage. Wo das Kantonale Sozialamt die Flüchtlinge unterbringt, entzieht sich der Kenntnis der Gemeinde. Genaue Auskunft über den künftigen Aufenthaltsort der Resettlement-Flüchtlinge ist aufgrund von Ferienabwesenheiten zurzeit auch beim Kantonalen Sozialamt nicht zu erhalten. Im Moment könne nur so viel gesagt werden, dass das Mietverhältnis in Zollikon von Anfang an klar bis Sommer 2019 befristet gewesen sei. In der vorübergehenden Unterkunft in Zollikon wurden die Familien mit ihren Kindern mit den Verhältnissen der Schweiz vertraut gemacht, mit dem Ziel, dass sie möglichst bald Fuss fassen und auf ihren künftigen Wohnort vorbereitet werden können.

Im Sommer soll kommuniziert werden

Der Gemeinderat legt die Liegenschaft an der Seestrasse 109 nach dem Auszug der Flüchtlinge still, wie er in seiner Mitteilung bekanntgibt. Das Dach der Liegenschaft, die für eine Nutzung als Alters- und Pflegeheim zugelassen ist, sei undicht. Ausserdem entsprächen Brand- und Lärmschutz nicht den gesetzlichen Vorschriften. «Aufgrund der zu erwartenden Kosten und der sehr geringen Chance auf Weitervermietung wird die Liegenschaft stillgelegt», erklärt die Behörde. Die Aufwendungen dafür würden 10’000 Franken betragen. Peter Imhof sagt, die Gemeinde habe die rechtliche Situation bezüglich des ehemaligen Pflegeheims am See eingehend geprüft. Noch diesen Sommer wolle der Gemeinderat über eine Roadmap entscheiden und darlegen, wie er das weitere Vorgehen sieht. Die gleichen Überlegungen gälten auch für die Zentrumsplanung: Auch hier wird der Gemeinderat gemäss Peter Imhof nächstens über das weitere Vorgehen entscheiden und zügig die nächsten Schritte einleiten. (mmw)

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