Zollikon

«Ein ersatzloser Abriss wurde nicht gefordert»

Der Zolliker Gemeinderat hat für das Schwimmbad Fohrbach verschiedene Zukunfts-Szenarien prüfen lassen. Ende März lud er Ortsparteien, RPK und interessierte Vereine zu einer Informationsveranstaltung, um die erarbeiten Varianten vorzustellen. Das Vernehmlassungsverfahren, während dem sich die Parteien zu den möglichen Optionen äussern konnten, ist abgeschlossen. Sicherheits- und Umweltvorsteher André Müller gibt Auskunft.

Interview: Melanie Marday-Wettstein

Seit der Gemeindeversammlung im Dezember, als der Projektierungskredit für die Schwimmbadsanierung von 1,5 Millionen Franken gestrichen wurde, gibt das Bad zu reden. Weshalb organisierte der Gemeinderat vor einigen Wochen eine Informationsveranstaltung für interessierte Kreise?

Es ging darum, die interessierten Kreise direkt über die verschiedenen denkbaren Varianten zu informieren und ihnen Gelegenheit zu geben, Fragen zu stellen. Die RPK, die Parteien und die Schwimmvereine wurden eingeladen, sich schriftlich bis Mitte Mai zu den Varianten zu äussern und auch neue Ideen einzubringen.

Der Gemeinderat hat nochmals sämtliche Varianten über die Zukunft des Fohrbach vertieft geprüft – vom Abriss der Anlage über den Rückbau bis hin zur umfassenden Sanierung. Mit welchem Ergebnis?

Grundsätzlich sind viele Varianten denkbar: der Neubau einer Schwimmanlage Fohrbach und eines Lehrschwimmbeckens, eine Sanierung und ein ersatzloser Abriss. Die Forderung, alle möglichen Varianten zu prüfen, ging auch aus den Voten an der Gemeindeversammlung vom vergangenen Dezember hervor. Der Gemeinderat hat sich noch für keine Variante entschieden. Die Ergebnisse der Vernehmlassung wurden ausgewertet und werden zuerst dem Gemeinderat und dann der Bevölkerung vorgestellt.

Gingen aus den Rückmeldungen für den Gemeinderat neue Erkenntnisse hervor?

Erfreulicherweise haben alle Eingeladenen sehr konstruktive Rückmeldungen gemacht und auch neue Ideen vorgebracht. Ein ersatzloser Abriss der Schwimmanlage wurde von keiner Partei und keinem Verein gefordert. Aufgrund der angespannten Finanzlage der Gemeinde bestehen aber unterschiedliche Ansichten über die Möglichkeiten für die Investitionen.

Alle Parteien sprechen sich also – mit unterschiedlichen Forderungen – für eine Sanierung aus. Wie ist denn die Haltung des Gemeinderats?

Der Gemeinderat wird nach der Vorstellung der Rückmeldungen beschliessen, welche Varianten weiterverfolgt werden sollen.

Eine neue Idee hat auch der erst kürzlich gegründete Verein Pro-Fohrbach geäussert: Er fordert die Prüfung einer Traglufthalle über dem 50-m-Feibadbecken. Diese Option ist in den vorgestellten Sanierungskonzepten nicht enthalten. Wird der Gemeinderat diese Idee als Erweiterung der Kapazitäten im Winter noch prüfen?

Ja, wir werden auch diese Idee prüfen und die Investitions- und Betriebskosten schätzen.

Und was nehmen Sie sonst aus den erhaltenen Rückmeldungen mit?

Der Dialog hat sich auf jeden Fall gelohnt und er soll aufgrund der Rückmeldungen mit allen interessierten Zollikerinnen und Zolliker weitergeführt werden.

Aus finanzpolitischer Sicht könne sich Zollikon keine der geprüften Varianten leisten, findet die RPK. Die Umbaukosten kämen gemäss den vorliegenden Sanierungsoptionen auf mindestens 32 Millionen Franken, wenn nur das Dringendste saniert wird, und auf 36 Millionen Franken, wenn Erhaltungsmassnahmen optimiert, der Gastrobereich erneuert und auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert wird. Ein Neubau würde gar 63 Millionen Franken kosten. Können Sie die Sicht der RPK nachvollziehen?

Die Haltung der RPK ist verständlich und wir werden nun in einem nächsten Schritt aufzeigen müssen, wie die verschiedenen Varianten finanziert werden können.

Es wurden auch einige Überlegungen gemacht, wie das Bad wirtschaftlicher betrieben werden könnte. Ist ein profitabler Betrieb des Schwimmbads überhaupt realistisch?

Wenn alle Investitionen eingerechnet werden, kann das Schwimmbad kaum profitabel betrieben werden. Ziel muss aber sein, dass mindestens der laufende Betrieb mit Personal- und Energiekosten aus den Einnahmen finanziert werden kann. Dazu wäre auch ein zentraler, eventuell verpachteter Gastrobetrieb, der auch von Gästen ausserhalb des Bades besucht werden kann, denkbar.

Finanzen hin oder her – die Sanierung der Anlage ist dringlich, wie Sie schon mehrfach festhielten. Bis wann ist der Betrieb, so wie er sich jetzt präsentiert, noch gewährleistet?

Die aktuelle Holzschnitzelheizung kann vom Kanton dank einer Ausnahmebewilligung bis Ende 2021 betrieben werden. Wenn klar ist, dass es zu einer Sanierung kommt, muss nach einer Übergangslösung gesucht werden. Andere Anlageteile, wie beispielsweise die abgehängte Decke im Hallenbad, müssten spätestens ab 2021 teilsaniert werden.

Welches sind die nächsten Schritte?

Am Montag, 8. Juli, wird eine Informationsveranstaltung für alle Interessierten um 20 Uhr im Gemeindesaal stattfinden. Dann werden die überarbeiteten Varianten erläutert und es besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

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