Zumikon

«Der Dorfplatz lässt niemanden kalt»

Gemeinderat Thomas Epprecht, Vorsteher Sicherheit und Liegenschaften. (Bild: zvg)

Vergangene Woche stellte der Zumiker Gemeinderat mögliche Pläne zur Sanierung des Zumiker Dorfplatzes vor (wir berichteten). Als Vorsteher des Ressorts Liegenschaften ist Thomas Epprecht stark involviert. Im Interview blickt er zurück auf die Veranstaltung, sagt, was ihn überrascht hat und welches die nächsten Schritte sind.

Herr Epprecht, waren Sie überrascht über die grosse Resonanz seitens der Zumiker Bevölkerung?

Jein. Dass mehr Leute gekommen waren, als üblicherweise an eine Gemeindeversammlung kommen, war schon etwas überraschend, aber super! Und dies obwohl wegen eines regionalen Anlasses viele Gewerbetreibende fehlten, die sonst zu den Interessiertesten und Aktivsten im Dorf gehören. Trotzdem mussten wir in letzter Minute noch mehr Stühle herbeischaffen. Keine Überraschung war, dass der Dorfplatz kaum jemanden kalt lässt. Immer wieder werde ich von Zumikerinnen und Zumikern angesprochen, wurden Ideen und Anliegen und der Wunsch nach mehr Informationen an mich herangetragen. Der Anlass selber scheint mir rundum gelungen. Die Besucher waren neugierig und diskutierten die Ideen der Architekten angeregt. Die Stimmung war offen, Neues scheint möglich. Wer den Anlass verpasst hat, kann die Pläne der Architekten im Foyer des Gemeindehauses noch bis Ende März anschauen. Und auf dem Internet haben wir alle Informationen aufgeschaltet.

Welcher Vorschlag seitens der Architektenteams hat Sie am meisten überrascht?

Überrascht haben mich zwei Dinge: Der Vorschlag eines Teams, man könnte den Individualverkehr auf dem Dorfplatz in begrenztem Mass wieder zulassen, war überraschend. Mit einer einseitigen Zufahrt zu wenigen Kurzparkplätzen vor dem Optiker- und Blumengeschäft am westlichen Dorfplatzrand möchten diese Planer kopieren, was vor dem Volg gut funktioniert und zur Belebung beiträgt. Die angeregte Diskussion am Orientierungsanlass zeigte aber, dass dieser Vorschlag noch viel zu reden geben wird. Entschieden ist nichts. Die andere Überraschung war, dass alle Planerteams unisono zum Schluss kamen, ein mehrstöckiger Ersatzneubau für das «Dorfkafi» auf dem Dorfplatz selber wäre städtebaulich keine gute Idee. Wir wollten dies prüfen lassen, weil diese Lösung über eine Public-private-Partnership neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet hätte.

Zu den zehn Handlungsgrundsätzen zählt, dass unverstellte Ausblicke unter anderem auf die Weite der Landschaft zu berücksichtigen sind. Soll damit einer gemässigten Umgestaltung Rechnung getragen werden?

Dieser Handlungsgrundsatz geht auf die Erkenntnis zurück, die ich gerade genannt habe. Wenn Sie auf dem Dorfplatz stehen, soll der Blick auf die Kirche und den Horizont nicht verstellt werden. Die Gebäude sollen nicht in den Himmel wachsen.

Rund um den Dorfplatz gibt es unterschiedliche Eigentumsverhältnisse: die Gemeinde, Geschäfte, Privatleute. Ist es schwierig, die unterschiedlichen Bedürfnisse zu berücksichtigen?

Es ist anspruchsvoll, schliesslich geht es um Geld und um zum Teil unterschiedliche Interessen. Darum haben wir sowohl beim Gemeinschaftszentrum wie bei der Tiefgarage frühzeitig Arbeitsgruppen eingesetzt. Beim Gemeinschaftszentrum sind die reformierte und die katholische Kirche unsere Partner. Beide haben Ideen, wie das Innere des Gebäudes umgestaltet und an die heutigen Bedürfnisse angepasst werden könnte. Jetzt, vor der Sanierung, ist der richtige Zeitpunkt, diese Ideen von Fachleuten prüfen zu lassen. Bei der Tiefgarage gehen die Ideen unter den Miteigentümern von einer Pinselrenovation bis zur grundsätzlichen Aufwertung. Bautechnisch sanieren müssen wir auf jeden Fall. Persönlich finde ich, dass die Belebung des Dorfplatzes nur gelingt, wenn man gerne dahin kommt. Und für Autofahrerinnen und Autofahrer, die hier einkaufen, beginnt der Dorfplatz eben schon in der Tiefgarage.

Der Pächter des «Italia 2000», das zurzeit das gastronomische Angebot darstellt, zeigte sich anlässlich der Diskussion sehr enttäuscht. Können Sie das verstehen?

Absolut, aus zwei Gründen: Zum einen können wir dem «Italia 2000» wegen der bevorstehenden Sanierung nur einen befristeten Mietvertrag anbieten. Die ungewisse Zukunft muss für Gastwirt Remo Saliji belastend sein. Zum anderen beanstandete er an der Veranstaltung ja bekanntlich, dass wir in unserer Kommunikation stets vom «Dorf­kafi» und nicht vom «Italia 2000» reden. Es ist ja aber eigentlich klar und konnte inzwischen auch mit ihm geklärt werden, dass es im Zusammenhang mit der Planung immer um das Gebäude und nicht um seinen Betrieb geht, schon gar nicht um die Qualität des gastronomischen Angebots. Im Gegenteil: Ich esse dort sehr gerne eine Pizza.

Könnte man das «Dorfkafi» – oder eben das «Italia 2000» – nicht einfach stehen lassen?

Das könnte man grundsätzlich, ja, aber grundsanieren müsste man das Gebäude trotzdem. Das heutige Gebäude hat gegenüber dem Dorfplatz auf drei Seiten abweisende Fassaden. Dadurch ist auf dem Platz viel Fläche unbelebt und unattraktiv und geht deshalb verloren. Das gemeinsame Ziel aller Bemühungen um den Dorfplatz ist aber Belebung. Wenn man das Gebäude in die Mitte des Platzes rückt, dorthin, wo die Abgänge in die Forchbahn und die Tiefgarage sind, kann man die Fassaden auf allen vier Seiten für das Publikum öffnen und es hat immer noch genug «Platz» darum herum. Ein Neubau gibt auch die Chance, etwas Schönes zu gestalten, sodass allein schon das Gebäude zu einem Anziehungspunkt wird. Mehr geschützte Sonnenplätze für den Aussenbereich der Gastronomie, ein grosses Dach, unter dem Veranstaltungen oder der Markt stattfinden können etc., ich kann mir das gut vorstellen.

Wie würden Sie sich persönlich den Dorfplatz wünschen?

Lebendig, anziehend, schön. Als Ort, an den man gerne hinkommt, wo man sich mit Freunden trifft, wo man flaniert und einkauft. Dazu gehört eine gute Gastronomie, auf jeden Fall. Aber auch ein Gassenverkauf des neuen Aldi könnte ­Publikum anziehen, vor allem junge Leute. Wenn die lange Fassade des neuen Aldi nicht wie beim Coop einfach zugeklebt ist, sondern sich zum Platz hin öffnet und zum Beispiel einen Kiosk oder einen Shop-in-Shop für italienische «Gelati» integriert, würde der Platz enorm gewinnen. Da bleiben wir dran.

Es wurden ja schon Erneuerungen vorgenommen: Der Spielplatz wurde neu gestaltet, die WC-Anlagen erneuert und es gibt mobile Sitzelemente. Gab es dazu Reaktionen?

Der neue Spielplatz war mein «Gesellenstück» in meiner ersten Amtszeit. Noch heute freue ich mich, wenn ich beim Vorbeigehen sehe, wie er lebt, wie es wuselt und wie die Kinder mit Vergnügen spielen. Manchmal sind es kleine Dinge, die wichtig sind: Als Vater heute erwachsener Kinder wusste ich, dass man manchmal mit viel Geduld lange wartet, und dass deshalb Rückenlehnen an den neuen Bänken wichtig waren. Die mobilen Stühle auf dem Platz entsprechen einem vielfach geäusserten Wunsch. Seitdem es sie gibt, ist auch der Brunnen zum Spielplatz geworden, und man hört die Kinder im Sommer hier vergnügt planschen. Was noch fehlt, ist Schatten. Daran werden wir bei der Platzerneuerung denken.

Wie sieht die Arbeit der Steuerungsgruppe nun konkret aus?

Der Gemeinderat hat die Ergebnisse der Testplanung in zehn Handlungsgrundsätze übersetzt. Diese sind für das weitere Vorgehen wegweisend. Als Nächstes soll von Fachleuten ein Masterplan erstellt werden, der konkrete gestalterische und städtebauliche Vorgaben macht, bevor es dann an die eigentliche Planung eines Vorprojekts geht. Schritt für Schritt. Die Aufgabe der Steuerungsgruppe besteht darin, den weiteren Planungsprozess politisch und fachlich zu steuern und zu begleiten. Während die konkrete Arbeit also von Fachleuten geleistet wird, sorgt die Steuerungsgruppe für die Einhaltung der gemeinderätlichen Strategie und gibt Impulse. (Interview: bms)

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