Zumikon

Mittig statt mittendrin

Zurzeit wird der Dorfplatz vor allem von den Wahlplakaten geprägt. Nach den Wahlen herrscht hier wieder gähnende Leere.(Bild:bms)

Ein neuer Pavillon auf dem Zumiker Dorfplatz mit Gelateria und Kebab-Stand könnte zu dessen Attraktivitätssteigerung beitragen.

So wie der Pavillon mit der Pizzeria mitten auf dem Zumiker Dorfplatz steht, so war er auch zentrales Thema der Informationsveranstaltung zur Umgestaltung des Platzes. Rund 200 Zumikerinnen und Zumiker waren in den Kirchgemeindesaal gekommen, um sich die verschiedenen Ideen dazu anzuhören. Es kristallisierte sich heraus, dass der Pavillon zwar mitten auf dem Platz steht – aber nicht mittig. Und gerade diese zentrale Positionierung wurde als eine Lösung zur Attraktivitätssteigerung präsentiert. Klar wurde auch: Das «Dorfcafé» soll bleiben und zum Treffpunkt werden. «Aktuell hat das gastronomische Angebot j», urteilte Thomas Epprecht, Liegenschaftenvorstand der Gemeinde. Zunächst erinnerte Gemeindepräsident Jürg Eberhard an die Anfänge des Dorfplatzes, der mit der unterirdischen Forchbahn in der Umgebung seinesgleichen sucht. «Zumikon wurde damals vom Bauerndorf zur Vorortsgemeinde», unterstrich er. Doch das ist 40 Jahre her und nun drängt der Sanierungsbedarf. «Wir könnten alles so erneuern, wie es ist», führte Jürg Eberhard aus, doch dann verschliesse man die Augen vor der Realität. Schon lange ist der Dorfplatz nicht mehr der Ort zum Einkaufen. Mit Migros und Coop am Waltikon habe sich das verschoben. «Und wir alle kaufen auch immer mehr online», so der Gemeindepräsident. Somit käme dem Dorfplatz eine neue Funktion zu. Er solle wieder das Herzstück des Dorfes werden – the place to be, um es neudeutsch zu formulieren.

«Grusiges» Parkhaus

Daher hatte der Gemeinderat drei Architektenteams beauftragt, Ideen zu entwickeln, und zwar nicht in Konkurrenz, sondern im offenen Austausch. Im Vorfeld hatte es auch ein Gespräch mit den Anliegern gegeben. Das Ergebnis war ernüchternd: Viele Geschäfte sind nicht gut sichtbar, die Beleuchtung ist schlecht, Ladenlokale stehen leer. «Und das Parkhaus mit seinem Treppenhaus an den Toiletten vorbei ist einfach ‹grusig›. Das passt doch nicht zu den schönen grossen Autos in Zumikon», formulierte es Architekt Pierre Feddersen. Die Anrainer wünschten sich dagegen einen Kiosk, einen ­Bäcker, überhaupt ein besseres gastronomisches Angebot. Und der Markt solle grösser und witterungsunabhängig sein. «Wir wussten also schnell, dass wir mit kosmetischen Massnahmen nicht weiterkommen», erinnerte sich Thomas Epprecht an die Gesprächsrunde. r stellte den Ideen-Steinbruch der drei Teams vor, mit dem eine Steuerungsgruppe nun weiterarbeitet. So könnte ein Ersatzneubau mittig auf dem Dorfplatz mit einem geschützten Aussenbereich zum zentralen Element werden. Schmale und eher dunkle Passagen gehörten damit der Vergangenheit an. Parallel könnte die Bushaltestelle über die Zufahrt der Metzgerei Schweizer Richtung Dorfplatz verlegt werden, um den Weg zwischen Bus und Bahn zu verkürzen. Der neue Pavillon könnte sich mit verschiedenen Angeboten in alle vier Richtungen öffnen. «Warum nicht eine tolle Gelateria und den besten Kebab von ganz Zürich?», fragte Pierre Feddersen die Interessierten. Er erläuterte auch die städtebaulichen Grundlagen des Projekts. So soll die Dorfstrasse für Fussgängerinnen und Velofahrer wieder sichtbarer werden. Zurzeit endet sie für den Langsamverkehr jeweils vor dem Tunnel. Eine funktionale Platzgliederung sei wichtig. Heisst: Es soll einen lebendigen, eher lauten Teil geben, aber auch einen ruhigen, in dem Skulpturen aufgestellt werden könnten und Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen.

«Mutige Geschichte»

Das alles betrifft den ersten Ring rund um den Dorfplatz, die direkten Anwohner. Doch die Architektenteams hatten auch den sogenannten zweiten Ring im Visier. Das sind neue Wohnprojekte wie unterhalb des Gemeinschafts­zentrums, auf dem Gelände der Feuerwehr und hinter dem Gemeindehaus. Mit den neu Zugezogenen käme automatisch wieder mehr Leben Richtung Dorfplatz, der eine mutige Geschichte mitbringt. In den frühen 80er Jahren entschieden die Zumiker nicht nur, kurzfristig den Steuerfuss anzuheben, um das Projekt stemmen zu können, sondern es wurde zudem temporär viel Fremdkapital aufgenommen. «Heute gilt es, dem geschaffenen Juwel Sorge zu tragen. Darum kann man nicht zaghaft ans Werk gehen», forderte Thomas Epprecht. (bms)

 

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