Zollikon Zumikon

«Ich bin durch und durch liberal»

Folgt auf die abtretende Zolliker Kantonsrätin Katharina Kull-Benz wiederum eine Zollikerin? Corinne Hoss-Blatter möchte den Sitz für die FDP verteidigen. Die Schulpräsidentin rangiert auf dem vierten Listenplatz hinter den drei Bisherigen, die erneut kandidieren. Corinne Hoss-Blatter über ihre Motivation für den Kantonsrat und weshalb sie nie von ihrer Linie abweichen würde.

Mit Corinne Hoss-Blatter sprach Melanie Marday-Wettstein

Corinne Hoss-Blatter, Sie sollen auf dem vierten Listenplatz den Sitz im Kantonsrat für die zurücktretende Katharina Kull-Benz verteidigen. Wie hoch schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Der Bezirk Meilen wird einen Kantonsratssitz verlieren, also von 13 auf 12 Sitze zurückgehen, darum ist die Verteidigung des vierten Sitzes der FDP eine Herausforderung. Aber ich mag Herausforderungen und darum rechne ich mir eine Chance aus. Aber eine Wahl ist immer eine Wahl, man kann sie gewinnen oder verlieren. Die Bürgerinnen und Bürger werden entscheiden und ich bin gespannt auf das Ergebnis.

Würden Sie gewählt, würde eine Frau eine Frau ersetzen, eine Zollikerin eine Zollikerin und eine amtierende Schulpräsidentin eine ehemalige, denn Katharina Kull-Benz war ebenfalls Schulpräsidentin in Zollikon, bevor sie in den Kantonsrat gewählt wurde. Würden Sie sich auch mit den gleichen Anliegen im Kantonsrat einbringen wie die ehemalige Gemeindepräsidentin?

Katharina Kull-Benz und ich sind beide liberal und vertreten den Freisinn. Uns beiden ist die Bildungspolitik sehr wichtig. Das sind grosse Gemeinsamkeiten. Auch haben wir in den letzten vier Jahren im Gemeinderat sehr gut zusammengearbeitet. Ob ich aber im Kantonsrat gleich politisieren werde wie sie, kann ich Ihnen im Vorfeld nicht beantworten, wir sind eigenständige Persönlichkeiten.

Dann anders gefragt: Was zeichnet Sie aus?

Neben dem Liberalen zeichnet mich mein Pragmatismus aus. Zu meinen Stärken gehört sicherlich die Kommunikation, ich suche den Dialog mit anderen und bin ein lösungsorientierter Mensch. Auch empfinde ich mich als integrierende Persönlichkeit. Ich gehe gerne auf Leute zu und fühle mich wohl in Gesellschaft. Als Historikerin habe ich grosses Interesse an der Politik, die mir bereits als Kind in die Wiege gelegt wurde, ist doch mein Vater langjährigstes Mitglied des Zürcher Freisinns.

Warum möchten Sie in den Kantonsrat?

Seit mehr als vier Jahren bin ich nun in der Zolliker Exekutive. Dabei habe ich erfahren, wie viel der Kanton den Gemeinden explizit vorschreibt – ich denke da an Vorgaben im Bereich der Schule oder der Gesundheit –, die Finanzierung aller Aufgaben aber ist Sache der Gemeinde. Ich habe also realisiert, dass in der kantonalen Legislative Personen sitzen sollten, die die dort beschlossenen Vorgaben danach auf Gemeindeebene umsetzen müssen. Nur so ist die Bürgernähe gewährleistet und eine gewisse Bodenhaftung gegeben.

In Zollikon kennt man Sie als Schulpräsidentin, Sie sind aber auch im Liquidationsgeschäft Ihres Mannes tätig, sind Historikerin und Erwachsenenbildnerin. Bringen Sie für das Amt genügend Zeit mit?

Selbstverständlich, sonst würde ich mich nicht dafür zur Wahl stellen. Ich unterrichte seit meiner Wahl zur Schulpräsidentin und Gemeinderätin im Sommer 2014 nicht mehr – dies zwar schweren Herzens, aber im Wissen, dass nicht alles möglich ist. Mein Engagement im Familienunternehmen würde bei einer Wahl in den Kantonsrat natürlich abnehmen, dies ist aber meinem Mann und mir bewusst. Wir haben einerseits hervorragende Mitarbeitende, die viel von meiner Arbeit übernehmen können, und andererseits kann unsere Tochter, die im Herbst ihr Studium beginnt, ebenfalls ihren Beitrag leisten.

Was versprechen Sie sich von der Doppelfunktion Gemeinderätin und Kantonsrätin?

Wie bereits gesagt bin ich der Meinung, dass es wichtig ist, dass wir aus der Gemeinde-Exekutive in der kantonalen Legislative Einfluss nehmen können. Vice versa ist es für den Gemeinderat interessant, eine Verbindung ins Kantonsparlament zu haben.

In welche Kommission hätten Sie am liebsten Einsitz?

Ich glaube nicht, dass es ein Wunschkonzert sein wird, sollte ich gewählt werden. Das Anciennitätsprinzip geht vor. Als Schulpräsidentin in Zollikon und Schulkommissionspräsidentin der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene bin ich natürlich der Bildungspolitik schon sehr verbunden, die KBIK (Kommission für Bildung und Kultur) läge da sehr nahe. Interessant wäre aber auch die KEVU (Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt), denn mit dem Gesundheitscluster Lengg kommen auf den Bezirk und vor allem auf die Gemeinden Zollikon und Zumikon schwerwiegende und herausfordernde Verkehrssituationen zu, die es optimal zu lösen gilt.

Dem Bezirk Meilen stehen dieses Jahr aufgrund seines Bevölkerungsanteils eben nicht wie bisher 13, sondern neu nur noch 12 Sitze zu. Der Wettbewerb verschärft sich. Was bedeutet dies für Ihren Wahlkampf?

Wie anfangs erwähnt, ist mir diese Situation natürlich sehr bewusst. Ich betreibe einen intensiven Wahlkampf, aber mir ist wichtig, dass ich jederzeit mich selber bleiben kann. Ich bin durch und durch liberal, ich werde nie von meiner Linie abweichen, nur um von der einen oder anderen Seite noch Stimmen zu erhalten.

Zürich geht es gut – hat demnach der bisherige Kantonsrat alles richtig gemacht?

(lacht) Gut, alles richtig geht nie. Es gäbe das eine oder andere, was ich anders sehe. Aber grundsätzlich denke ich schon, dass die Mitglieder des Kantonsrats eine engagierte und gute Arbeit machen.

Was würden Sie denn anders machen?

Gerne gebe ich ein Beispiel. Ich finde die vor einem knappen Jahr im Kantonsrat beschlossenen Jokertage für Gymischüler einen völligen Unsinn. Mit den Jokertagen entsteht für die Schulen ein administrativer Mehraufwand, der unnötig ist. Zudem werden Jokertage auf Gymi-Ebene nicht mehr für Familienausflüge genützt, sondern um gemeinsam mit den Freunden etwas zu unternehmen – da fehlt dann nicht ein einzelnes Kind in der Klasse, sondern die halbe Klasse ist abwesend.

Und was sagen Sie zur Kräfteverteilung des Parlaments, finden Sie nicht, dass der Kantonsrat zu bürgerlich ist?

Nein, zu bürgerlich ist der Kantonsrat nicht. Die Stadt Zürich wird rot-grün regiert, da ist es wichtig, dass der Kanton ein bürgerliches Gegengewicht gibt.

Wie wichtig sind Ihnen unterschiedliche Meinungen?

Sehr wichtig, denn gute, mehrheitsfähige Kompromisse sind nur dann möglich, wenn alle Seiten beleuchtet werden und auch vertreten sind. In der Auseinandersetzung mit anderen Ansichten werden die besten Lösungen gefunden, davon bin ich überzeugt. In meinen Augen würde auch Zollikon eine breitere Vertretung der Parteien im Gemeinderat guttun, aber es liess sich bei den letzten Wahlen niemand aus den Mitte-links-Parteien aufstellen.

 

Die in Zollikon geborene und aufgewachsene Corinne Hoss ist hier seit 2014 Schulpräsidentin und Gemeinderätin, davor engagierte sie sich acht Jahre in der Schulpflege. Seit zwei Jahren ist sie auch Schulkommissionspräsidentin der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene. Als Schulpräsidentin, Lehrerin und Mutter fühlt sich die 54-Jährige der Bildungspolitik auf allen Ebenen verbunden und setzt sich für einen starken Bildungs- und Forschungsstandort Zürich ein. Mit ihrem Mann arbeitet die FDP-Frau im familieneigenen KMU. «Als Unternehmerin weiss ich um die Wichtigkeit einer starken Wirtschaft», sagt sie. «Ich bin überzeugt, dass weniger ­Regeln für Unternehmen mehr Chancen bieten».

 

 

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