Zollikon Zumikon

Wie ein Tanz um eine Mitte

Die Zumikerin Cornelia Duartes arbeitet mit ihrem Körper: erst als Balletttänzerin, jetzt als Shiatsu-Therapeutin.

Ganz gerade sitzt sie auf dem schmalen Stuhl. Nicht starr oder steif – einfach nur so, wie es sich jeder Physiotherapeut wünscht. Cornelia Duartes macht das ganz automatisch. Diese Haltung lernt man halt beim Ballett. Und der Tanz war jahrelang ihre Profession, ihre Leidenschaft. Mittlerweile «tanzt» sie beim Shiatsu um ihre Patienten und setzt ihren Körper dabei ein. Mit vier Jahren – nach einem ­Besuch einer Aufführung von «Der Nussknacker» – verkündete die kleine Cornelia das erste Mal: «Ich will Tänzerin werden.» Gemeinsam mit ihrem Vater, der im Zürcher Statistenverein war, war sie regelmässig im Opernhaus zu Gast. Sie schnupperte die Bühnenluft, war verzaubert von der Atmosphäre. Die Eltern nickten nur und rechneten wohl damit, dass bald ein anderer Berufswunsch wie Tierärztin oder Lehrerin dominieren würde. Weit gefehlt. Cornelia wiederholte immer und immer wieder, dass sie tanzen, tanzen, tanzen wolle. Zwei ewige Jahre musste sie warten, bis sie endlich in eine Rhythmik-Gruppe durfte. Immerhin. Weitere zwei Jahre später war es endlich so weit: Die Eltern meldeten die Tochter bei der Ballettschule am Opernhaus an. So konnte sie vom ersten Moment an bei Aufführungen mitwirken. Daneben wurde fleissig für die Schule gelernt. «Ich wusste, wenn ich plötzlich schlechte Noten nach Hause bringen würde, wäre das Ballett sofort gestrichen worden», erinnert sich die Zumikerin. Sie trainierte eisern, auch in der Pubertät – einer Zeit, in der viele Mädchen plötzlich andere Interessen bekommen.

Crashkurs im Haushalten

Und mit gerade mal 16 Jahren ging sie alleine nach Hamburg, um wirklich den Beruf der Tänzerin zu erlernen. Sie hatte eigentlich schon einen Ausbildungsplatz in Antwerpen, als sie im Mai vom Vortanzen in Norddeutschland erfuhr. Im Juni stellte sie sich spontan in Hamburg vor und bekam einen der heiss begehrten Plätze. Sie zog mit zwei anderen Tänzerinnen in eine WG und hatte keine Ahnung. «Ich war zuvor niemals selber einkaufen gewesen. Ich konnte nicht putzen, kochen. Ich konnte nicht waschen. Nichts», lacht sie rückblickend. Für zwei Wochen kam die Mutter mit in die Hansestadt und Cornelia bekam einen Crashkurs in Sachen Haushaltsführung. «Meine Eltern wussten genau, dass sie mir vertrauen konnten. Sonst hätten sie mich nicht gehen lassen. Meiner älteren Schwester hätten sie das nie zugetraut.» Es begann eine intensive, harte Zeit. «Ich liebte das Tanzen. Aber Tänzer werden oft schlecht behandelt. Das kratzt mit der Zeit am Selbstwert. Man muss einfach nur funktionieren. Wie eine Maschine. Und ich mit meinem Schweizer Minderwertigkeitskomplex habe oft gelitten.» Drei Jahre blieb sie bei der Compagnie, dann schaute sie sich mal rechts und links um. Sie nahm Gesangsunterricht, wurde mutiger. Und plötzlich landete sie beim ­Musical «Cats» und konnte mit dem Ensemble trainieren. Später folgte das «Phantom der Oper». «Ich entdeckte das Musical für mich. Es war eine intensive und schöne Zeit.» Acht Aufführungen galt es pro Woche abzuliefern. «Aber wir wurden respektiert. Uns wurde Selbstverantwortung zugesprochen. Das hat mir gut getan», weiss sie noch. Sie wurde noch mutiger, versuchte sich auch im Modern Dance. «Ich konnte plötzlich schöpfen aus allem, was ich hatte.» Dazu zählte auch eine besondere Leidenschaft, von der ihre Mittänzer ­besonders profitieren sollten. ­Cornelia Duartes fing an, sich für Fussmassage und Fussreflexzonentherapie zu interessieren. Sie «behandelte» immer häufiger die malträtierten Füsse ihrer Kollegen und Kolleginnen. Und sie war fasziniert von der Wirkung und der Arbeit am Menschen. Sie entdeckte, wie sie ihren Körper ganz anders wirkungsvoll einsetzen konnte. Doch die Füsse reichten ihr schnell nicht mehr. Der ganze Körper interessierte sie und so lernte sie Shiatsu kennen.

Wellness ist okay

Übersetzt heisst «Shiatsu» eigentlich nur «Fingerdruck» und meint doch viel mehr. Sie ertastet Blockaden, Verspannungen, spürt Kraftfelder auf. Sie tanzt um die Liege und erfühlt die Energie, die Meridiane durch ihre Fingerkuppen. Zu ihren Patienten zählen alle. Die Spanne reicht von 7 bis 97 Jahren. Die Probleme, die die Patienten zu ihr kommen lassen, sind vielfältig: Migräne, Angststörungen, Rückenschmerzen, Prüfungsangst. So begleitet sie unter anderem auch Teenager durch stressige Phasen. «Kinder und Jugendliche sind oft schon einem enormen Druck ausgesetzt. Bei mir lernen sie zunächst mal, dass sie einfach so sein dürfen, wie sie sind. Der Druck bleibt draussen.» Leider kämen viele Patienten sehr spät, wenn es schon fast nicht mehr auszuhalten sei. «Wellness ist okay. Zur Kosmetikerin zu gehen, ist absolut anerkannt. Aber sich mal eine Entspannung durch Shiatsu zu gönnen, klingt noch nach Manko. Als habe man ein Defizit.» Dabei wird die Shiatsu-Behandlung durch die Zusatzversicherung der Krankenkassen übernommen. Für Kosmetik gilt das nicht.

In ihren Sitzungen lehrt Cornelia Duartes Achtsamkeit. Die Wahrnehmung des Körpers, das Fliessen des Atems. Das Leben im Moment. Das musste sie selber für sich auch erst lernen. «Die Ausbildung war eigentlich ein Aufarbeiten», erinnert sie sich. Und sie weiss auch, dass sie zwar mitfühlen darf, aber nicht mitleiden. Besonders bei älteren Patienten fällt ihr das manchmal schwer. Das hat sie bei Besuchen in Seniorenheimen gemerkt. Dort behandelte sie Menschen, die ansonsten überhaupt nicht mehr berührt werden – wenn es nicht pflegerisch notwendig ist. Menschen, die keiner mehr in den Arm nimmt, drückt. Menschen, deren Hände nicht gehalten werden. «Und da geht es dann nicht mehr in erster Linie um das Lösen von Blockaden. Es geht einfach um die Berührung.» Sie wusste mit vier Jahren, was sie werden wollte, und erfüllte sich ihren Traum. Das klingt so grad­linig. Doch auch im Leben von ­Cornelia Duartes gab es Umwege. Aber immer führen die wieder zur Bühne. So ist sie jetzt wieder im Zürcher Statistenverein, steht bald wieder auf den Brettern, die ihre Welt ausmachen. «Ursprünglich wurde Shiatsu übrigens auch auf dem harten Boden ausgeübt.» Da schliesst der Kreis sich dann. (bms)

www.shiatsu-zumikon.ch

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