Zollikon Zumikon

«Früher war ein Bademeister Polizist, heute sind wir eher Beobachter»

Die Zollikerin Monika Schlageter schaut in den Küsnachter Seebadis Strandbad und Kusenbad nach dem Rechten. Die Bademeisterin über gute Präventionsarbeit, warum für sie der Sommer immer so warm und schön sein dürfte und weshalb der Spassfaktor heute grösser geschrieben wird.

Monika Schlageter, ein aussergewöhnlich heisser und langer Sommer neigt sich dem Ende zu. Ihre persönliche Bilanz?

Es war ein traumhafter Sommer. Für mich dürften wir gerne jedes Jahr solch lange, warme Sommer haben. Für mich ist dies einfacher, als wenn das Wetter ständig wechselt und die Temperaturen schwanken. Die Leute sind zufriedener, alle kommen auf ihre Kosten.

Dann hat das schöne Wetter für Sie keine Schattenseiten?

Natürlich bleibt auch einiges liegen, wenn es konstant so schön ist. Die Reparaturen der Anlagen bleiben etwas auf der Strecke, der Rasen hat stark gelitten und musste besonders häufig bewässert werden und die Überstunden häufen sich. Aber mir gefällt es so. Ich mag es, wenn es läuft, wenn wir konstant hohe Besucherzahlen haben.

Kam es in diesem Sommer zu einem Zwischenfall?

Kleinere Zwischenfälle gab es, zum Glück aber keine gravierenden.

Wie oft müssen Sie Leute retten?

Zu Wassereinsätzen kommt es sehr selten. Wir schauen, dass wir gute Präventionsarbeit leisten können. Unsere grösste Sorge gilt natürlich den Kindern. Hierbei sprechen wir die Eltern direkt an, machen sie darauf aufmerksam, dass Kinder mit Schwimmhilfen nur zusammen mit einer Begleitung aufs Floss dürfen. Und zwar pro Person jeweils nur ein Kind mit Schwimmhilfe. Das ist vielen nicht immer klar. Diese Massnahmen helfen, Unfälle zu vermeiden.

War das früher anders?

Und wie! Als ich in Zollikon – notabene beim Bademeister! – schwimmen gelernt habe, durfte kein einziges Kind ins Wasser ohne seine Erlaubnis. Mit der Rettungsstange lief er jeweils auf den Stegen hin und her und beobachtete uns beim Schwimmen, gab uns hie und da mit seiner Stange Sicherheit, indem er sie uns vor die Nase hielt. Erst nach seinem OK durfte aufs Floss geschwommen werden, zuvor ging keiner und ganz bestimmt nicht mit Schwimmhilfen los. Wir hatten wirklich grossen Respekt davor. Und wenn wir dann die Erlaubnis bekamen, wir also aufs Floss schwimmen durften, dann gab es von ihm mit grossem Stolz überreicht ein Schoggistängeli. Ja, das waren wirklich andere Zeiten (lacht).
Heute ist es sicherlich so, dass der Spassfaktor grösser geschrieben wird. Das hat auch damit zu tun, dass wir Bademeister besser ausgebildet sind. Früher war ein Bademeister mehr ein Polizist, heute sind wir eher im Hintergrund, wir sind Beobachter, die ihre Autorität nicht an die grosse Glocke hängen müssen, sondern im Stillen wirken.

Den Bademeisterjob stellt man sich traumhaft vor. Welcher Aspekt Ihres Berufes wird von den Leuten unterschätzt?

Die Verantwortung, die wir haben, ist vielen nicht klar. Die Leute haben oftmals das Gefühl, dass sie in Eigenverantwortung handeln, der See ja öffentlich ist und sie quasi tun und lassen können, was sie wollen. Hier in Küsnacht ist dies beispielsweise dann immer wieder ein Thema, wenn das Restaurant zwar noch geöffnet ist, es aber keinen Bademeister mehr hat und somit das Baden nicht mehr erlaubt ist. Dann müssen wir uns jeweils erklären und die Leute darauf hinweisen, dass sie nun einen öffentlichen Platz aufsuchen müssen, wenn sie nochmals ins Wasser wollen. In den Badis können wir dies nicht mehr erlauben, weil wir noch immer die Verantwortung tragen – auch wenn keine Bademeister mehr vor Ort sind.

Welche Eigenschaften muss ein Bademeister mitbringen?

Ganz sicher die vier «M»: Man muss Menschen mögen! Natürlich muss man auch körperlich fit sein, die Schwimmtests müssen regelmässig absolviert werden. Bei uns machen wir dies einmal jährlich, vom Verband aus wäre es alle zwei Jahre vorgeschrieben. Auch ein handwerkliches Geschick kommt einem Bademeister zugute, fallen doch immer wieder kleinere bis grössere Reparaturarbeiten an.

Ein Bademeister muss also mehr als nur ein guter Schwimmer sein.

Ja, ein Bademeister ist wohl Gärtner, Hausmeister, Notarzt und auch Streitschlichter in einem.

Kommt es oft zu Streitereien unter den Badegästen?

Wenn, dann wird meistens um Liegestühle und -plätze gestritten. Das kann schon mal vorkommen und dann braucht es ab und zu auch ein Eingreifen von uns, damit sich die Lage wieder entspannt.

Sie haben täglich mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun. Was fällt Ihnen dabei auf?

Heutzutage schon die Ablenkung durch das Handy. Ein Kind im Wasser zu beaufsichtigen, wenn man gleichzeitig am Handy ist, ist sicherlich schwierig und ich empfinde es als nicht ganz unproblematisch. Ansonsten aber denke ich nicht, dass es früher irgendwie besser war oder sich gross etwas geändert hat im Umgang miteinander. Viele Leute sind sehr freundlich und gut gelaunt.

Als Zollikerin schauen Sie in Küsnacht nach dem Rechten. Vermissen Sie die Seebadi Zollikon nicht?

Na ja, als ich in der Seebadi Zolli­kon arbeitete, gab es für mich nur diese eine Badi, sie war für mich klar die schönste. In Zollikon bin ich aufgewachsen, ganz in der Nähe der Seebadi, hier habe ich, wie bereits erwähnt, schwimmen gelernt, die Badi gehörte ganz klar zu meinen Lieblingsorten. Mittlerweile fühle ich mich in Küsnacht aber ebenfalls sehr heimisch, gerade das familiäre Kusenbad gefällt mir sehr gut, aber auch im grösseren Strandbad fühle ich mich wohl.

Im Gegensatz zu Zollikon verfügt Küsnacht über kein öffentliches Hallenbad. Wie verbringen Sie die Wintermonate?

Ich baue meine Überstunden ab (lacht). In Küsnacht gäbe es die Kunsteisbahn als alternativen Arbeitsort, doch halte ich mir den Winter gerne offen, ich gehe gerne reisen und verbringe Zeit auf meinem Bauernhof im Zürcher Unterland, wo es auch immer viel zu tun gibt.

Sie sind 50 Jahre alt. Wie lange denken Sie, dass Sie den Job als Bademeisterin noch ausführen können?

Ich hoffe doch bis zu meiner Pensionierung. Vor 30 Jahren, als ich als Bademeisterin angefangen habe, dachte ich noch, ich würde dies nur einen Sommer lang machen. Nun bin ich immer noch hier und mein Job gefällt mir nach wie vor unheimlich gut. Ich gebe mir auch grosse Mühe, fit zu bleiben, und merke, dass ich dies aufgrund der körperlichen Arbeit auch bin. Ich bin also ganz optimistisch, dass ich auch die nächsten 10 bis 15 Jahre meine Arbeit gut ausführen kann. Etwas anderes kann ich mir auch gar nicht vorstellen, dazu liebe ich meinen Beruf viel zu sehr! (Interview: mmw)

 

Monika Schlageter, 50, ist gelernte Malerin und seit 30 Jahren Bademeisterin. Angefangen hatte sie ihre Karriere in der Seebadi in ihrer Heimatgemeinde Zollikon, wo sie 13 Jahre lang wirkte und heute noch wohnt. In Zollikon arbeitete sie 12 Jahre im gleichen Frauenteam, bevor sie einen Auslandaufenthalt in die Vereinigten Staaten machte. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie nochmals in Zollikon sowie in der Stadt, 2007 wechselte sie nach Küsnacht.

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