Zollikon

«Die Mannschaft hat wieder Freude und Biss»

Im Interview spricht Christian Stengele, der Trainer der 1. Mannschaft des Sportclubs Zollikon, über seine Ziele in der kommenden 3.-Liga-Saison und erklärt, weshalb er bei seinen Fussballspielern zuletzt die Leidenschaft vermisst hat.

Mit Christian Stengele sprach Dennis Bühler

Christian Stengele, übermorgen Sonntag beginnt die neue Saison mit dem Heimspiel gegen den FC Meilen. Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?

Der SC Zollikon spielt seit sieben Jahren in der 3. Liga. Seither konnten wir mehrere Saisons vorne mitspielen. Weil der Verein auch in den kommenden Jahren mindestens in der 3. Liga auflaufen möchte, ist das Heranführen junger Spieler an die 1. Mannschaft meine wichtigste Aufgabe. Ein Generationenwechsel naht – auf ihn gilt es sich vorzubereiten.

Was heisst dies für die kommende Saison?

Wir werden zwar auch in der kommenden Saison versuchen, so lange wie möglich vorne mitzuspielen – doch nicht um jeden Preis. Unsere 3.-
Liga-Gruppe ist stark, wir freuen uns auf interessante Spiele wie etwa das Derby gegen Küsnacht und hoffen auf lautstarke Unterstützung.

Wie sind Sie zufrieden mit der zurückliegenden Saison 2017/18?

Das sehr knappe Verpassen des Aufstiegs zum Ende der vorletzten Saison setzte uns zu, die Enttäuschung war riesig. Entsprechend verlief die letztjährige Sommervorbereitung: Die Luft war draussen. Die Trainingspräsenz war miserabel, wir verloren unseren Rhythmus. Hinzu kam, dass auch während der Saison immer wieder etliche Leistungsträger abwesend waren. Dafür konnten sich die jungen Spieler gut entwickeln und kamen regelmässig zum Einsatz. Mein Fazit: Vielleicht hat es mal so eine Saison gebraucht, damit wir wieder hungriger werden.

Immerhin: Im Frühling konnte sich Ihr Team vom 7. auf den 5. Tabellenrang steigern.

Das ist so – die Rückrunde war nicht so schlecht. Allerdings spielten wir auch ohne Druck, da es für uns ohnehin nur noch um die «goldene Ananas» ging … Es wäre toll, wenn wir nun schon zum Meisterschaftsbeginn auf Augenhöhe mit den anderen Mannschaften wären.

Wie sind Sie mit der Vorbereitung zufrieden?

Wir haben uns dazu entschlossen, keine Trainingspause einzulegen, damit die Grundfitness nicht verloren geht. Dies dürfte uns in den kommenden Wochen zugute kommen. Höhepunkt der Vorbereitung war ein Trainingsweekend in Bergün, in dessen Rahmen wir auch ein Testspiel gegen den FC Celerina bestritten. Ich habe das Gefühl, die Mannschaft ist wieder näher zusammengerückt, und ich spüre, dass sie wieder Freude und Biss hat.

Sie starten nun in Ihre fünfte Saison als «Eis»-Trainer. Wo sehen Sie für Ihr Team noch Entwicklungspotenzial?

Spielerisch gehörten wir in allen vier Saisons zu den stärksten zwei, drei Mannschaften der Liga. In der letzten Saison haben wir allerdings an Tempo verloren – wir agierten oft zu passiv und mit zu wenig Leidenschaft. Wir müssen auch wieder schneller die Räume in der Tiefe suchen.

Wie erklären Sie sich diesen Rückschritt?

Die Trainingspräsenz war mangelhaft. Zudem mussten wir die meisten Trainingseinheiten auf lediglich einer Platzhälfte durchführen, dabei kam das Spiel in die Breite und in die Tiefe zu kurz. Da müssen wir ansetzen.

Sie haben erwähnt, dass die Mannschaft zuletzt den Biss vermissen liess. Weshalb war dies so?

Die Mannschaft hat eine Art Pause gebraucht. Ich glaube, dass uns das vergangene Jahr gut getan hat: Die Leidenschaft ist in den letzten Wochen zurückgekommen. Viele meiner Spieler sind nun im besten Fussballalter. Wenn sie den Biss und ihre Qualität in die Saison mitbringen, werden wir viel Spass haben.

Eine 3.-Liga-Mannschaft zu trainieren, ist wenig lukrativ: Ihr Aufwand ist gross, Sie erhalten dafür aber nur eine bessere Spesenpauschale. Hand aufs Herz: Weshalb tun Sie sich das seit bald einem halben Jahrzehnt an?

Die Mannschaft ist mir ans Herz gewachsen und die Entwicklung der jungen Spieler bereitet mir sehr viel Freude. Fussball ist ein Teil meines Lebens, das ist Leidenschaft und hat mit Geld nichts zu tun. Zudem hat die Mannschaft noch immer sehr viel Potenzial: Die Spieler müssen nur noch etwas mehr an sich glauben. Da ist wirklich Qualität vorhanden, und es macht unheimlich Spass eine solche Mannschaft zu trainieren.

Dann planen Sie keine Karriere im Regionalfussball?

Ausschliessen will ich das nicht: Mich würde es durchaus reizen, mal ein Zweitligateam zu betreuen – nur schon, weil dort die Strukturen professioneller sind und es sich die Spieler weniger leisten könnten, während der Saison in die Ferien zu verreisen (schmunzelt). Zollikon ist meine erste Trainerstation und ich muss noch ganz viel lernen, um überhaupt jemals eine 2.-Liga-Mannschaft trainieren zu können. Egal in welcher Liga, letztlich gilt: Die Aufgabe muss mir Spass machen. Ich möchte hinter der Sache stehen können, dann spielt es keine Rolle, ob ich Junioren oder Aktive in der 3. oder 2. Liga trainiere.

Ziehen Sie einen baldigen Vereinswechsel in Betracht?

Nein. Ich weiss, was ich beim SC Zollikon habe: Als ich vor zehn Jahren beim FC Seefeld in der 1. Liga spielte, stellten sich mir jeden Sommer etliche neue Mitspieler vor. Ich schätze sehr, dass es beim SCZ anders zu- und hergeht. Auf dem Riet ist etwas herangewachsen, wir sind eine echte Familie geworden. Ich fühle mich hier sehr wohl.

 

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