Zumikon

Der singende Bademeister

Eigentlich wollte Rico Graf für das Foto nicht in die Linse gucken, schliesslich predige er seinen Mitarbeitern immer, die Becken nicht aus den Augen zu lassen. (Bild: bms)

Rico Graf ist Ehrenpräsident des Zumiker Männerchors. Nur durch seinen Chef ist er überhaupt zum Singen gekommen.

Dass er sportlich ist, sieht man auf den ersten Blick. Rico Graf ist ein drahtiger Typ. Das Gesicht verrät so manche Stunde in den Bergen. Dass er musikalisch ist, sieht man natürlich nicht. Und Rico Graf dementiert das auch ­sofort. Er singe halt gerne im Chor. Jüngst ist er zum Ehrenpräsidenten des Zumiker Männerchors ernannt worden, nachdem er stolze 23 Jahre dessen Präsident gewesen war. «Die Ernennung ist zwar richtig, aber nicht wirklich wichtig», schmunzelt der 62-Jährige. Ob das auch Pflichten mit sich bringt, weiss er noch gar nicht. Der neue Präsident sei gerade dabei, «Jöbli» zu verteilen. «Mal sehen, was auf mich zukommt. Gefreut habe ich mich über die Auszeichnungaber natürlich schon», räumt Rico Graf ein.

Magere Zeiten

Lange Zeit habe Musik in seinem Leben gar keine Rolle gespielt. Wenn überhaupt, habe er mal in der Badewanne gesungen. «Aber ansonsten hatte ich dafür nichts übrig», erinnert er sich. Aber dann sei er von seinem Chef angesprochen worden, ob er nicht mal donnerstags mit in die Chorprobe kommen wolle. «Das war nicht wirklich eine Frage. Da konnte ich nicht ablehnen.» Und so kam er zum Männerchor Zumikon, der immerhin schon sein 125-jähriges Jubiläum feiern konnte. Dabei sah es bisweilen gar nicht so rosig aus für den Chor. «Zeitweise hatten wir keine 20 Männer an Bord», weiss Rico Graf noch. Eine Fusion mit einem anderen Chor stand an. «Die hat glücklicherweise nicht funktioniert», so der Ehrenpräsident im Rückblick. Mit der Dirigentin Ildiko Bende kam die Wende. Es wurde Stimmbildung angeboten und das Programm «Mann singt» aufgezogen. Auf die Schnelle meldeten sich zwölf neue Sänger an. Auch jetzt noch ist Nachwuchs willkommen. Es müsse keiner Angst haben, dass er öffentlich vorsingen müsse. Wer (noch) nicht so gut sei, werde gefördert und/oder gebeten, einfach etwas leiser zu singen. «Viel wichtiger als die Menge der Sänger ist die Ausgeglichenheit der Stimmlagen», erläutert Rico Graf weiter. «Alleine kann ich selber wirklich nicht gut singen. Aber im Chor fühlt man sich gestärkt und sicherer.»

Gerne erinnert er sich an grosse Konzerte mit Rolf Raggenbass und dessen Band oder an Auftritte gemeinsam mit der «Harmonie Zumikon». «Es ist spannender, mit anderen gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Auch für das Publikum.» Die Mischung macht es – das ist seine Devise. «Ich höre auch mal gerne Shantys. Aber ich würde nie in einen Shanty-Chor gehen, das wäre mir auf Dauer zu langweilig.» Es komme einfach auf die Situation an. «Wenn ich in einer SAC-Hütte in den Bergen bin, darf es auch mal ein Ländler sein», unterstreicht der Grossvater von vier Enkelkindern.

Die Mischung macht’s

Mit dieser Einstellung ist er bei Ildiko Bende bestens aufgehoben. Welche Bandbreite – von Klassik bis Rap – der Chor anbietet, zeigt sich auf seiner modernen Homepage. Auch Gospels gefallen Rico Graf gut. Aber selber singen? «Dabei muss man sich doch bewegen, tanzen. Das ist nichts für mich.» Obwohl natürlich die Bewegung zu ihm gehört – als Leiter der Badi Juch, in der er schon seit 1999 arbeitet. Als ehemaliger Triathlet sei aber gar nicht Schwimmen seine Leidenschaft gewesen, sondern das Laufen. Aber zurzeit kneife die Hüfte. Da ist das Wasser schon angenehmer. Wenn es auch im Mai – als die Badi öffnete – ziemlich kalt war. «Bei den Vorbereitungen zur Badi-Eröffnung mussten wir erst noch Schneereste zur Seite schieben», erinnert er sich. Den krassen Hitzesommer, den viele Medien zurzeit ankündigen, sieht er nicht unbedingt kommen, obwohl er grundsätzlich schon an einen Klimawandel glaubt. Vielmehr habe er subjektiv die Einstellung, dass sich die Jahreszeiten nach hinten verschöben. Dass der Sommer später komme, aber länger bleibe. «Aber es gab auch schon ganz heisse Frühlingstage und dann verlangen alle sofort, dass auch die Badi öffnet. Aber das ist wohl Teil unserer Gesellschaft, in der immer alles zur Verfügung stehen muss.»

Falls der neue Präsident Matthias Rüegg kein Ämtli für Rico Graf parat hat, hätte er Zeit, ein Musikinstrument zu lernen. Bei seinen vier Kindern hat er darauf geachtet, dass alle ein Instrument beherrschen. «Das gehört für mich zur Allgemeinbildung. Das sollte jeder in seinem Rucksack haben.» In seinem eigenen Rucksack fehlt es noch, aber die Zumiker Musikschule bietet ja auch Unterricht für Erwachsene an. (bms)

 

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