Der, der niemals zu lachen vergisst

Lachen ist Colin Crawshaws Markenzeichen: Und sollte er dies einmal vergessen, so erinnern ihn seine Unterarme daran. (Bild: mmw)

 

Vom Friedensengel zum frechen Äffchen: Der Zolliker Colin Crawshaw unterhält am Sonntag an der Gewerbeausstellung Zolligala als Sam Smiler Kinder und Eltern mit seinen «Cheeky Monkeys». Vor Jahren machte er sich als Friedensengel einen Namen, als er für ein gewaltfreies Zürich demonstrierte.

Andrew Bond, «Marius und die Jagdkapelle», «Schwiizergoofe» – beim Stichwort Kindermusik kommen den meisten in der Schweiz am ehesten diese drei Namen in den Sinn. Sie sind wohl die bekanntesten, nicht aber die einzigen Künstlerinnen und Künstler, die sich auf Kinderlieder fokussiert haben. Einer von ihnen ist auch der in Zollikon grossgewordene Colin Crawshaw, der übermorgen Sonntag seine Show «Cheeky Monkeys» anlässlich der Gewerbeausstellung Zolligala auf der Piazzabühne im Gewerbezentrum zeigt und seine CD tauft.  Cheeky Monkeys – freche Äffchen. Der 39-Jährige sieht einen strahlend an, lacht. «Das ist doch, was wir alle immer wieder sein sollten, frech und ein wenig ausgeflippt.» Er denkt zurück an seine eigene Kindheit, an die vielen Streiche, die er mit seinen zwei Brüdern gespielt hat, an den Zolliker Dorfpolizisten Hermann Briel, von dem sie sich häufig versteckt, an die vielen «Lüüti»- und Telefonspiele, die sie gemacht haben, an die unbeschwerten Tage im Zolliker Jugi. «Heute würden wir wohl alle als ADHS-Kinder abgestempelt werden», sagt der Vater einer neunjährigen Tochter – als Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung. Er sagt es nicht wertend, er stellt es einfach in den Raum. Kritische, negative Worte sind nicht seines, deutet er welche an, übertrumpft er sie mit dem, was er am liebsten und oft macht: Er lacht. «Don’t forget», steht denn auch auf dem einen seiner Unterarme eintätowiert, «to smile» auf dem anderen. «Vergesst nicht zu lachen» ist nicht nur Colin Crawshaws Lebensmotto, es ist sein Markenzeichen: Als Sam Smiler ist er der Hauptdarsteller seiner «Cheeky Monkeys».

Der Lebenskünstler, der nichts brauchte

Heute ist Colin Crawshaw also Sam Smiler, der Kinder und Eltern unterhält und zum Lachen bringt. Vor 16 Jahren war er der «Friedensengel», der sich am 1. Mai auf die Zürcher Bahnhofstrasse zwischen Polizei und vermummte Jugendliche setzte, um für ein «Züri ohne Gewalt» zu demonstrieren. So stand es auf dem Transparent, das er in die Höhe hielt. Für sein gewaltfreies Demonstrieren bezeichnete ihn der «Blick» in der Folge als «Friedensengel», vom Fernsehsender TeleZüri wurde er als Zürcher des Monats gewählt und das höchste Lob bekam er von der damaligen Polizeivorsteherin Esther Maurer, als sie sagte, dass es Colin Crawshaw und ein paar anderen Friedensaktivisten zu verdanken sei, dass es nicht zur Konfrontation zwischen Polizei und Demonstranten gekommen sei. Sie hoffe, die Bürger würden sich vermehrt in die Spirale der Gewalt einmischen, so wie es Colin Crawshaw tat. Es war die Zeit, als der junge Zolliker, der in England geboren wurde und mit sieben Jahren nach Zollikon kam, als Lebenskünstler unterwegs war. Er besitze nichts und brauche nicht viel, sagte er dem Tages-Anzeiger, der ihm ein Jahr nach seinem Einsatz als gewaltfrei demonstrierender Friedensengel einen Artikel widmete. Darin zu erfahren war auch sein neuster Traum, sein «Hippie-Traum», den er mit seinem VW-Bus verwirklichen wollte: Losfahren ohne Ziel, irgendwo, vielleicht in einem Bergdorf, sesshaft werden.

Das Diplom, das in der Schweiz viel wert ist

Sesshaft geworden ist Colin Crawshaw mittlerweile, auch wenn vielleicht auch etwas anders als damals geplant. «Irgendwann war die Zeit des Lebenskünstlers vorbei», formuliert er es, der mit 35 Jahren seine erste Ausbildung als Fachmann Betreuung in einer zweisprachigen Kinderkrippe absolvierte und heute Teilzeit in einem Hort in Oerlikon arbeitet. «In der Schweiz ist ein Diplom viel wert», sagt er. Als Lebenskünstler hingegen erhalte man kaum Wertschätzung. «Dafür kriegt man nur ein Schmunzeln. Dieses will ich zwar auch erhalten– jedoch nur als Clown.» Als Clown – oder eben als Sam ­Smiler – steht er heute zusammen mit Freund Johan, der für die musikalische Begleitung zuständig ist, immer wieder auf der Bühne und bringt Kindern mit Musik, Spielen und Tänzen spielerisch Englisch bei. Das Projekt zu den frechen Äffchen entstand als Abschlussarbeit seiner Ausbildung. «Mir war es wichtig, eine Arbeit zu schreiben, die nachhaltig ist und einen pädagogisch wertvollen Ansatz hat.» Als gebürtiger Engländer, der ohne ein Wort Deutsch zu sprechen nach Zollikon kam und die Sprache erst in der Oberstufe richtig lernte, hat die Zweisprachigkeit in seinem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt. «Für die Integration ist eine Sprache natürlich sehr wichtig und in der Zürichsee-Region ist die Zweisprachigkeit auch einfach ein klares Bedürfnis vieler Eltern.» Auch aus fachlicher Sicht als Pädagoge könne er dieses Bedürfnis nur unterstützen, denn Kinder lernten eine neue Sprache spielerisch. Der Traum des Familienfestivals auf der Allmend
Ob es sein heutiger Traum sei, als Kinderunterhalter seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können? Wieder schenkt Colin Crawshaw einem sein Lachen. «Mein Traumberuf ist es, davon leben zu können, ich selber zu sein.» Hierzu sei er auf dem richtigen Weg. Die Frohnatur, als der man ihm häufig begegnet, sei er vielleicht nicht jeden Tag, doch er gebe sich stets Mühe, eine solche zu sein. «Jeden Tag können wir entscheiden, ob es ein guter Tag wird oder nicht.» Und er sei überzeugt, dass man in jedem Tag etwas Gutes sehen kann, wenn man es denn nur wolle. Denn das Leben bestehe aus Entscheidungen und jeden Tag könne man eine solche treffen.
Einen Traum hat der Kinderliederautor dann aber doch noch: Er träumt von einem Familienfestival auf der Zolliker Allmend, das sowohl Kindern als Erwachsenen etwas bietet. «Davon gibt es in der Schweiz viel zu wenige», findet Colin Crawshaw. Genauso wie es zu wenige bekannte Kindermusikkünstler gebe. Das zu ändern, daran ist er nicht nur mit seinen frechen Äffchen dran, sondern auch als Blogschreiber auf kitalieder.ch – dem Schweizer Kindermusikblog, der sich für vielfältige Kindermusik starkmacht. «Mit Musik ist das Leben leichter, denn Musik macht Spass», davon ist Colin Crawshaw überzeugt. Und wer Spass hat, der lacht. Genauso wie Sam Smiler. (mmw)

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