Zollikon

Glücksbringer und Retter in Personalunion

Als Kaminfeger fürchtet man weder schwarze Katzen noch Spinnen am Morgen: Rolf Bänziger ist seit 23 Jahren in Zollikon unterwegs.

Heute ist also mal wieder so ein Unglückstag, ein Freitag, der Dreizehnte. Nicht wenige Menschen fürchten diese Tage, an denen angeblich böse Dinge passieren sollen. Diese Personen erschaudern auch vor schwarzen Katzen, die allerdings nicht einfach so rumliegen dürfen, sondern von rechts nach links den Weg kreuzen müssen. Weitere Boten von schlimmen Ereignissen: zerbrochene Spiegel oder die Spinne am Morgen. Wie muss es sich da anfühlen, fleischgewordener Glücksbringer zu sein? Rolf Bänziger lacht. Der Zolliker ist Kaminfeger und somit eben ein Vorbote von Glück. «Es gibt schon noch Leute, die mal eben an meiner schwarzen Jacke reiben oder auch speziell an einem Knopf. Aber das stört mich überhaupt nicht», erklärt er.

Schon im ersten Lehrjahr hat er in der Berufsschule gelernt, woher dieser Aberglaube kommt – der einst gar keiner war. Vor langer Zeit wurden die Kamine aus grünen Weidenzweigen gewunden und mit Lehm verschmiert. Doch in den Kamin kam nicht nur feinstes Brennholz. Es wurde alles Mögliche verfeuert. Russ lagerte sich im Kaminrohr ab und fing im schlimmsten Fall Feuer. Es wurde nicht nur aus Holz gebaut, es wurde auch eng bebaut. «Und da war dann bei einem Feuer schnell mal ein halber Stadtteil weg», führt Rolf Bänziger aus. Wohl dem also, der sich einen Kaminfeger leisten konnte. Und noch etwas macht den Kaminfeger so besonders. Eigentlich war es in London beispielsweise nur den Herren der obersten Schicht gestattet, einen Zylinder auf dem Kopf zu tragen. Um die Arbeit des Fegers aber wertzuschätzen, durfte auch er sich so einen prachtvollen Hut aufsetzen.

«Ich riskiere mein Leben nicht»

«Und wenn heute irgendwo ein Kaminfeger gemalt oder dargestellt wird, hat er immer einen Zylinder auf», erzählt der 38-Jährige. Er selber hat natürlich auch einen und ebenso eine schöne Uniform. Doch die ist für besondere Anlässe, wenn Spalier gestanden werden muss zum Beispiel. Für den Alltag ist sie unpraktisch. Wer jetzt glaubt, dass auch die Seilkugel lediglich zur geschichtsträchtigen Symbolik zählt, der irrt. «Die brauchen wir schon noch, wenn auch selten», erklärt der Fachmann. Auf Steildächer allerdings geht er nicht mehr. «Ich bin Familienvater, da riskiere ich mein Leben nicht.»

Ein grosser Teil der Aufgaben besteht darin, die Gas- und Ölkessel zu reinigen und auch die sechs bis sieben Holzkessel, die es in Zollikon gibt. Der grösste von ihnen beheizt das Fohrbach. Direkt aus dem Wald kommen die Schnitzel, die auch noch feucht verbrannt werden können. Dafür seien immer zwei Fahrzeuge unterwegs: Häcksler und Mulde fahren los und schreddern vor Ort. Der Energiebedarf des Schwimmbads ist enorm. Jetzt im Winter leuchtet das ein. Noch grösser aber ist er paradoxerweise im Sommer. «Da müssen alle Aussenbecken beheizt werden. Das ist viel intensiver als nur das kleine Wellnessbecken und die Innenanlagen», weiss Rolf Bänziger.

Und so wie der Kaminfeger früher begrüsst wurde, damit die Feuerwehr nicht ausrücken musste, so geht Rolf Bänziger auf Nummer sicher: Er ist die Personalunion und auch in der Zolliker Feuerwehr. Da ist er seit Anfang Jahr Oberleutnant des ersten Zuges und stellvertretender Kommandant. Es ist ein sehr zeitintensives Hobby. Es gibt die Sitzungen, die Übungen, Besprechungen und natürlich das Unplanbare. «Zählen darf ich die Stunden nicht. Aber das ist eben mein Hobby. Mein einziges.» Das Töff-Fahren hat er aufgehört, als die Tochter zur Welt kam. «Ich kann mich nicht am Samstag auf den Töff setzen und stundenlang unterwegs sein. Dafür bin ich schliesslich nicht Vater geworden.»

Warme Füsse gegen das Frieren

Daran, dass Rolf Bänziger einerseits Kaminfeger, andererseits auch Feuerwehrmann geworden ist, ist eigentlich sein Chef – Werner Oberholzer – schuld. Als Rolf in der zweiten Oberstufe gefragt wurde, was er denn mal werden wolle, hatte er keine rechte Ahnung. Es gab Beziehungen zu Oberholzer, also ging Rolf Bänziger mit seinen 15 Jahren dorthin – und blieb. Es verwundert wohl kaum, dass auch Werner Oberholzer bei der Zolliker Feuerwehr war.

Glaubt ein Kaminfeger selber eigentlich an den Aberglauben mit der Katze oder dem Spiegel? «Natürlich nicht», lacht er. «Ich bin schliesslich der Kaminfeger. Mir kann das doch nichts anhaben.» Und als dieser kann er wirklich ein bisschen Glück bringen oder zumindest eine etwas tiefere Heizkostenabrechnung. Er zeigt auf das gekippte Fenster im Aufenthaltsraum des Unternehmens. «Das ist ein schlechtes Beispiel. So zu lüften, bringt überhaupt nichts. Einmal alle Fenster richtig auf, die frische Luft reinlassen und dann alles wieder zu», ist sein Rat. Auch würde es schon einiges ausmachen, die Raumtemperatur um nur ein Grad zu senken. «Dabei ist das Wärmeempfinden extrem unterschiedlich. Gerade ältere Menschen, die sich weniger bewegen, frieren schneller. Aber für normal aktive Menschen müssten 22 Grad in den Wohnräumen reichen.» Dazu sei eine Fussbodenheizung von Vorteil. Sind die Füsse warm, friert der Körper weniger. Dazu könne man auch sehr viel Energie sparen, wenn man duschen und nicht andauernd die ganze Badewanne mit heissem Wasser füllen würde.

Also, auch wenn heute Freitag, der Dreizehnte ist, sollte man sich nicht zuhause einschliessen und hoffen, dass der Tag bald vorbei ist. Vielleicht trifft man ja draussen irgendwo einen Kaminfeger und kann mal kurz am Ärmel reiben. Wenn es vielleicht auch nicht hilft – schaden kann es auch nicht. (bms)

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