Zumikon

«Bibliotheken sind Treffpunkte»

Reiseführer sind beliebte Ausleihobjekte: Leiterin Yvonne Rüegg in «ihrer» Bibliothek. (Bild: mmw)

Ende Mai feiert die Bibliothek Zumikon ihren 60. Geburtstag. Ein Gespräch mit Bibliotheksleiterin Yvonne Rüegg über die Gemeinde- und Schulbibliothek von heute und darüber, wie sich auch der Beruf der Bibliothekarin verändert hat.

Mit Yvonne Rüegg sprach Melanie Marday-Wettstein

Frau Rüegg, die Bibliothek Zumikon feiert dieses Jahr ihren 60. Geburtstag. Welche Wünsche haben Sie als Bibliothekarin?

(lacht) Ich würde mir wünschen, dass unsere Bibliothek auf einer Ebene wäre und nicht zweistöckig, wie sie sich heute präsentiert. Dies würde unsere Arbeit erleichtern und wäre sicherlich auch für unsere Kunden angenehmer. Aber auch so sind wir sehr glücklich und zufrieden mit unserer «Bibi».

Wie feiert die Bibliothek ihren runden Geburtstag?

Mit einem speziellen Kinderanlass und einem eigentlichen Jubiläumsanlass. An letzterem werden der Gemeinde- und der Schulpflegepräsident sowie zwei weitere Zumiker selbst gewählte Bücher vorstellen und die Musikschule sorgt für das musikalische Rahmenprogramm, das auf die jeweiligen Bücher abgestimmt ist (mehr zu den Anlässen siehe Box, Anm. der Redaktion). Verraten, welche Buchdeckel aufgeschlagen werden, wollen wir im Vorfeld nicht. Man darf sich also überraschen lassen. Sehr erfreut war ich über die spontane Zusage aller Beteiligten.

Vor 60 Jahren gab es noch kein Internet und somit auch keine Online-Ausleihe. Was hat sich sonst noch alles verändert?

Die grösste Veränderung waren die digitalen Medien. Seit 2013 sind wir bei der digitalen Bibliothek Ostschweiz dabei und bieten die «Onleihe» an. Dies war sicherlich ein grosser Einschnitt. Die neuen Medien sind für mich aber klar eine Bereicherung und keine Konkurrenz.

Dann sind die digitalen Ausleihen also nicht auf Kosten der physischen Medien?

Genau. Die digitalen Ausleihen sind zwar steigend, aber nicht unbedingt auf Kosten der Bücher. E-Books sind für mich deswegen eine Bereicherung und optimale Ergänzung, weil sie mit auf Reisen genommen werden können und auch eine Erleichterung bieten für jene, die Mühe mit den Augen und somit mit dem Lesen haben. Nach wie vor gibt es aber viele, die gerne ein richtiges Buch zur Hand nehmen.

Das physische Buch also für daheim, E-Books vor allem für die Ferien?

Natürlich haben wir auch Kunden, die nur noch auf dem E-Reader lesen. Aber ja, ich denke, viele handhaben es genau so.

Der Trend der Digitalisierung mag beim Medium Buch nicht ganz so umwälzend sein wie bei Musik oder Film, dennoch hat er in den Bibliotheken zu einem Umdenken geführt, oder nicht?

Nicht unbedingt. Grundsätzlich ist die Bibliothek noch immer, was sie schon immer war: ein Treffpunkt. Ich würde sogar sagen, dass wir heute sogar noch mehr Treffpunkt sind als früher. Grosseltern mit ihren Enkeln kommen zu uns, um ein paar Spiele auszuprobieren oder gemeinsam erste Bücher anzuschauen. Wir treffen Schüler an, die zum Lernen hierherkommen, und solche, die ein wenig Verweilen wollen, etwas Schmökern und wieder gehen, ohne dass Medien ausgeliehen werden. Verändert hat sich, dass heute nicht mehr nur geflüstert werden darf bei uns – natürlich ist es eher ruhig hier, aber mucksmäuschenstill muss es nicht sein.

Täuscht der Eindruck, dass heute mehr Veranstaltungen in den Bibliotheken stattfinden?

Nein, dies ist korrekt. Veranstaltungen für alle Altersstufen liegen uns am Herzen. Durch sie ermöglichen wir unseren Kunden und potenziellen Kunden einen neuen Zugang zur Bibliothek. Es ist uns wichtig, eine breite Palette anbieten zu können: von den Versli für die Kleinen über die Leseförderung für Kinder und Lesungen für das gesamte Publikum bis hin zu speziellen Buchvorstellungen für Senioren.

Wie wählen Sie und Ihr Team die Bücher aus?

Natürlich informieren wir uns in den Medien, lesen Rezensionen, schauen und hören Kultursendungen und gehen auf Buchmessen, um auf dem Laufenden zu sein, welche Themen und Titel im Gespräch sind. Wir nehmen aber auch Kundenwünsche entgegen. Uns ist es wichtig, dass unsere Kunden bei uns finden, was sie suchen, und dass wir ein breites Spektrum anbieten können, von der einfachen Kost bis hin zur hochstehenden, eher schweren Literatur. Genauso, wie wir stets neue Bücher anschaffen, sortieren wir auch ältere aus.

Wie hat sich der Beruf der Bibliothekarin verändert?

Heute sind wir viel mehr Beraterinnen als früher. Weil das Katalogisieren, wie wir es früher kannten, heute immer mehr wegfällt, respektive sich verändert, haben wir viel mehr Zeit für unsere Kunden. Wir beraten sie und organisieren Anlässe für sie.

Demzufolge kennen Sie Ihre Kundinnen wohl auch sehr gut.

Einige wirklich sehr gut, denn natürlich ergeben sich immer auch Gespräche über die Bücher hinaus. Unser fünfköpfiges Team besteht zudem aus langjährigen Bibliothekarinnen, fast alle von uns sind auch in der näheren Umgebung zuhause. Über die Jahre haben wir so einen treuen Kundenstamm aufbauen können und pflegen tiefe Kundenbeziehungen. Man kennt uns im Dorf (lacht).

Wie gut halten die Kunden die Fristen ein, die ausgeliehenen Medien termingerecht zu retournieren?

Wir haben eine sehr disziplinierte Kundschaft, die sich gut an die Ausleihfristen hält. Natürlich kommt es hin und wieder vor, dass jemand vergisst, seine Medien zurückzubringen. Uns ist es wichtig, dass man gerne zu uns in die Bibliothek kommt, wir sind eine Dienstleistung und wollen, dass man sich bei uns wohl fühlt.

Verraten Sie uns zum Schluss Ihr Lieblingsbuch?

«Das Huhn, das vom Fliegen träumte» von Sun-Mi Hwang ist eines meiner Lieblingsbücher. Es ist ein ganz besonderes Büchlein mit vielen wunderschönen Illustrationen, das einen dazu motiviert, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Es geht um Träume und Freiheit, Freundschaften und Liebe, und die Frage der Zugehörigkeit.

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