Zollikon

«Die Bergwelt ist der perfekte Kontrast zum Leben in der urbanen Zivilisation»

Früher tollte Andri Räber als Pfadfinder durch den Wald, heute zieht es ihn in die Berge. (Bild: zvg)

Die Bergwelt ist so etwas wie das Lebenselixier von Andri Räber: Im Sommer klettert der Zolliker gerne auf Gipfel – für seine Maturarbeit wählte er dazu den höchsten der Schweiz. Im Winter geniesst er den Schnee unter den Tourenskis und lässt sich in Lawinenkunde weiterbilden.

Wann immer möglich, verbringt Andri Räber seine Freizeit im Freien – am liebsten in den Bergen. «Ich bin jedes Mal von neuem erstaunt, wie klein der Mensch in dieser gewaltigen, wunderschönen Natur ist», erzählt der 25-jährige Zolliker, der das ganze Jahr über in den Ferien oder an Wochenenden mit dem Schweizer Alpenclub (SAC) auf Skitouren geht, mit Freunden Boulder- und Klettertouren unternimmt und gerne auch mal etwas anspruchsvollere Berg- und Hochtouren anpackt.

Dom-Besteigung als Maturarbeit

Es erstaunt daher nicht, dass er für seine Maturarbeit, die er Anfang Jahr an der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene eingereicht hat, die Bergwelt als Thema gewählt hat. Darin beschäftigt er sich mit der Geschichte des Bergsteigens, dem einst und heute verwendeten Material, der Höhenkrankheit und insbesondere mit dem körperlichen und mentalen Training. «Konkret unterzog ich mich einem Selbstversuch. Dazu wählte ich den höchsten Berg der Schweiz – den 4‘545 Meter hohen Dom – und analysierte an diesem Beispiel die körperliche und mentale Leistung für eine Hochtour», erzählt der junge Zolliker. Da er für sein Vorhaben auch Gletscher- und Kletterpartien meistern musste, absolvierte er sicherheitshalber ein Auffrischungswochenende beim SAC Bachtel, dessen Mitglied er seit drei Jahren ist, und verinnerlichte sich noch einmal die Handhabung von Steigeisen, Pickel und Seil. Im vergangenen Juli war es dann soweit: Am ersten Tag nahm er die 1›500 Höhenmeter bis zur Domhütte, die auf 2‘940 m ü. M. liegt, unter die Füsse, am darauffolgenden Tag weitere 1’605 Höhenmeter zusammen mit einem Bergführer bis zum Gipfel. „Für sportliche Menschen mit guter Grundkondition sind solche Hochtouren, die technisch wenig anspruchsvoll sind, gut machbar. Voraussetzung ist jedoch eine ausreichende Akklimatisation vor Ort», lautet sein Fazit. Welche Rolle die Akklimatisation spielt, hat er selbst erlebt: Auf der Höhe von 3›500 m ü. M. litt er an Schwindel und Übelkeit und lernte so die klassischen Symptome der sogenannten Höhenkrankheit kennen. «Die verschiedenen Studien von Spezialisten für Gebirgsmedizin bestätigten meine eigene Erfahrung: Egal wie sportlich oder fit man ist, das Risiko einer Höhenkrankheit gehen alle Bergsteiger ein, die sich zu wenig Zeit für die Akklimatisation nehmen und zu rasch aufsteigen», ist sich Andri Räber nun bewusst geworden. Auch er habe die Höhe unterschätzt und das Tempo beim Aufstieg etwas drosseln müssen. «Die Dom-Besteigung war ein wunderschönes Erlebnis. Bei Wiederholung der Tour würde ich jedoch einen Tag mehr für die Akklimatisation einrechnen», fügt er an. 

Schnee ist nicht gleich Schnee

Doch jetzt, mitten im Winter, freut er sich auf die nächsten Skitouren. Während der Sportferien wird er wieder mit dem SAC unterwegs sein und unter anderem den Piz Borel und Piz Badus ob Andermatt bezwingen. «Natürlich könnte ich mich einfach auf den Tourenleiter verlassen oder mich bei der Planung mit Tipps von Online-Skitourenplanern zufriedengeben. Doch ist es mir wichtig, das jeweils neueste Bulletin mit den aktuellen Wetter- und Schneeverhältnissen selbst zu verstehen und vor Ort Entscheidungen bei Schlüsselstellen treffen zu können. Die ganze Materie ist ja auch unglaublich spannend», betont Andri Räber. So war er kürzlich in St. Antönien an einem SAC-Lawinenkurs, übte mit Schaufel, Sondierstange und Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS) und büffelte Theorie. Was meinten denn die Experten zur aktuellen Lage, die einigen Orten reichlich Schnee beschert hat? «Wenig Schnee kann gefährlicher sein als viel Schnee», lernte Andri Räber. «Denn fällt beispielsweise immer wieder etwas Schnee auf die schon daliegenden Schneeschichten, so können die einzelnen Schichten rutschen, wenn sie noch nicht miteinander verbunden sind. Fällt aber viel Schnee auf einmal, setzt sich dieser in relativ kurzer Zeit und wird zur kompakten Schicht», erklärt er.

Bergfaszination eingeimpft

Der junge Natur- und Bergfan erzählt mit leuchtenden Augen von seinen Erlebnissen und Erfahrungen, und man könnte wohl stundenlang mit ihm fachsimpeln. Seine Faszination an der Bergwelt habe er wohl geerbt, meint er. Sein Vater stammt nämlich aus Arosa, und so hat Andri Räber als Kind fast alle seine Ferien dort verbracht. «Ich erinnere mich gut an unsere Zeit in der Ramozhütte oberhalb von Arosa. Diese Woche zusammen mit meinem Vater, Bruder, Götti und dessen Söhnen war stets fix in der Agenda.» Seine Mutter hat ihm die Freude an Skitouren weitergegeben. «Sie war immer  sehr ‚angefressen‘. Noch heute gehen wir ab und zu zusammen auf Tour.»

Doch nicht immer reicht die Zeit, um in die Berge zu fahren. Im April stehen nämlich die ersten Prüfungen an und Ende Juni wird Andri Räber die dreijährige Ausbildung mit der Erwachsenenmatura abschliessen. „Ich habe ein gutes Gefühl. Dank der motivierten Lehrer und Mitschüler fällt mir das Lernen heute einfacher. Wir älteren Schüler wissen eher, was wir erreichen möchten“, betont er, der nach der Sekundarschule die Lehre zum Hochbauzeichner absolvierte, ein Jahr Militärdienst leistete, danach ein Jahr im Beruf arbeitete. «Zeichnen und Entwerfen finde ich nach wie vor tolle Tätigkeiten. Doch irgendwann hatte ich den Wunsch, die Matura doch noch zu machen, um so alle Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung offen zu haben», erklärt Andri Räber. Wie diese Weiterentwicklung aussehen soll, weiss er schon: Wirtschaftsinformatik. «Wirtschaft hat mich schon immer interessiert. In Kombination mit Informatik ergibt das ein Gebiet mit aktuellen und zukunftsweisenden Fragestellungen», ist er überzeugt. Er freut sich auf den Sommer, um dann sein Studium an der Universität Zürich zu beginnen. Er freut sich aber auch deshalb auf den Sommer, weil er wieder die eine oder andere Berg- und Hochtour machen möchte. «Ein lediglich 3›000 Meter hoher Gipfel, der dafür anspruchsvolle Kletterpartien beinhaltet, wäre schon auch ein schönes Ziel.» (mpe)

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