Zumikon

«Oldtimer-Rallyes haben mein Leben verändert»

Auch im Winter fährt Hans Burkhardt Rallyes. (Bild: zvg)

Irgendwann nach einem aktiven Arbeitsleben folgt eine ruhige, weniger aktive Lebensphase. Nicht so bei Hans Burkhardt, der mit einer Oldtimer-Rallye-Teilnahme von Peking nach Paris eine grosse Lebensveränderung vornahm. Der Buchbinder und Unternehmer erzählt von der Erfindung des Fotobuches aus Digitalbildern und von seiner Rallye-Leidenschaft.

Hans Burkhardt empfängt seine Besucher im Industriezentrum von Mönchaltorf, wo ein Zweckbau nach dem anderen Narben in die Oberländer Landschaft reisst. Doch sitzt man hier anders, als in solchen Gebäuden üblich. Ganz anders. Umgeben von schönsten, ja wunderschönsten, das Auge und die Seele erwärmenden Büchern unterschiedlichster Art. An der Wand hängt ein bemerkenswert gestaltetes Poster mit der Schlagzeile «Ja, wir glauben an das Buch» – das ist das Credo der Bubu-­Buchbinderei und die Passion des Unternehmers für die schönen Dinge im Leben. Patron Hans Burkhardt hat seine Buchbinderei, die 1941 von seinem Vater in Zürich gegründet wurde, bereits seinen Kinder übergeben, heute amtet er noch als VR-Präsident. Das Poster an der Wand wurde von seiner Tochter als Grafik-Masterarbeit geschaffen. Der Vater lächelt stolz.

Hans Burkhardt hat eine einnehmende und starke Persönlichkeit. Seine Autorität ist aufrichtig und von Lebenserfahrung geprägt, schliesslich war er ja auch einmal Panzergrenadier-Offizier – eine Person, die sofort vertrauenswürdig wirkt. Er redet flüssig, lacht oft und nimmt seine verdienten Meriten, ganz alte Schule, unter ihrem Wert zurück. Wenn überall im Land wieder die «Fotobuchitis» als Geschenkidee für die gesamte Verwandtschaft grassiert wie kürzlich über die Weihnachtstage, dann darf man sich ruhig an Hans Burkhardt, seine Bubu und vor allem an seine «Bookfactory» erinnern und seine Leistung würdigen.

Miterfinder eines Grosserfolges

Der Zumiker Hans Burkhardt hat nämlich vor etwa 15 Jahren festgestellt, dass Kunden trotz ihren neu auf dem Computer gelagerten Digitalbildern am traditionellen Fotobuch hängen. So bot der Pionier mit der «Bookfactory» als Erster jedem Hobbyfotografen die Möglichkeit, zu einem günstigen Preis mit einer Gratissoftware und eigenen Digitalbildern ein persönliches Fotobuch selbst zu gestalten – ein Verkaufsschlager und Marketinghit der ­Sonderklasse! Seine damaligen Kunden, unter ihnen Photocolor oder Fotolabo Club, sind inzwischen seine Konkurrenten geworden und sein KMU, welches 120 Leute beschäftigt, muss direkt an die Endkonsumenten gelangen. Dies macht seine Firma aber inzwischen so überzeugend, dass rund 40 Prozent des Umsatzes aus dem Bereich «Fotobuch» stammen. Der Rest kommt von anderen Büchern – «ab einer Auflage von einem Stück», ein weiterer Grundsatz – etwa für die Promotion von Markenartikeln, Kunst oder Architektur. «Ich glaube an das Überleben des Buches», gibt sich Hans Burkhardt überzeugt und fügt an: «Es ist die Haptik, das Fühlen und die Beständigkeit des Buches, welche der flüchtigen Elektronik überlegen sind.» Hans Burkhardt verschliesst sich der modernen Elektronik nicht, sieht aber für seinen Betrieb – einer der letzten seiner Art in der Schweiz mit der Königsdisziplin «Hardcover» und Kleinstauflagen für Qualitätsbücher – optimistisch in die Zukunft. Denn dafür hat er seinen Betrieb gerüstet und diversifiziert. So verwaltet die Bubu auch riesige Archive mit physischen Akten von Spitälern, Banken und anderen Institutionen für die Nachwelt.

2007, die Wende in seinem Leben

Die vielen Kundenkontakte während seines reichhaltigen Lebens – zwischen 1990 und 2012 war er auch Gemeinderat in Zumikon – führten Hans Burkhardt zu einem Rallye-Piloten und einer Oldtimer-­Reise von Peking nach Paris. Er wollte den Fahrer, diesen «Spinner», unbedingt kennenlernen. Er wollte wissen, was den antreibt. Da er schon als kleiner Bub ein Faible für schöne Karossen hatte, und hier insbesondere für diejenige des MG A, interessierte ihn diese Rallye schon deswegen. Doch was sind das für Leute? Was gibt es für Herausforderungen? Alle Fragen waren sofort da und die Antworten sollten folgen. Zum 100-jährigen Jubiläum der Rallye Peking-Paris, die 1907 erstmals ausgetragen wurde, sollte nämlich ein Memorial stattfinden und der Fahrer suchte noch einen Beifahrer. Hans Burkhardt erzählt, dass die Rallye 1907 im Pariser «Le Matin» ausgeschrieben worden war und sich 25 Personen mit Fahrzeugen angemeldet hätten. Am Start in Peking erschienen dann allerdings nur fünf Fahrzeuge, von denen vier das Ziel in Paris erreichten.

Soweit zur Geschichte, aber die Rallye 2007 zur Erinnerung an diese Premiere stand unter einem ganz anderen Stern. Erstens erwies sich – «zum Glück, muss man feststellen», wie Hans Burkhardt einfügt – der Fahrer als komplett anderer Mensch als er selber: «Wir haben uns richtig gut ergänzt und auch sehr schätzen gelernt.» Schliesslich müsse man, wenn man in der Einsamkeit der Mongolei ­gefangen ist, auch Tisch und Bett teilen und auf den ewig langen Strecken auch hin und wieder ein Wort der Unterhaltung pflegen können. Was reizt einen Frührentner an ­einer solchen Strapaze? «Es ist die Konfrontation mit noch nie da gewesenen Situationen, die es zu meistern gilt. Es war die Herausforderung, die ich so noch nie hatte, sie reizte mich und reizt mich noch immer». Und dann natürlich all die Erinnerungen an die unglaublichen Momente, die Kameradschaft, die zusammenschweisst.

Meuterei in der Wüste Gobi

Während seiner Erzählungen erinnert sich Hans Burkhardt an einen solchen Moment, als alle Teilnehmer irgendwo in der Wüste Gobi drei, vier Tage nach dem Start in Peking gegen ihren Reiseleiter meuterten. Dieser sei bezüglich Kommunikation überfordert gewesen und von der bunten Truppe kurzerhand in die sprichwörtliche Wüste geschickt worden. Sogar das Schweizer Fernsehen hatte darüber berichtet. Durch die Meuterei in der Wüste kam Hans Burkhardt zur unerwarteten Ehre des «Präsidententitels» – und leitete fortan den weiteren Verlauf der Rallye von der Mongolei nach Paris. Er, der zwar nicht an den Fahrzeugen schraubt, die Menschen dafür umso mehr liebt, arbeitet gerne im Team und ist sicher auch gerne Primus inter Pares unter den vielen Alphatieren und ausgesprochenen Rallye-Individualisten. Hier leistete ihm seine Vergangenheit als Offizier gute Dienste. «Keiner von denen liess sich je etwas sagen, jeder wusste alles besser», blickt er zurück und stellt dennoch fest, dass doch alles wunderbar geklappt hat.

Und dann kam Paris. Die Bilder, die Strapazen, die Erlebnisse, Ein­drücke und Freundschaften, die Peking–Paris mit dem Oldtimer bei ihm hinterlassen haben, sollten nicht mehr weichen. «Ab diesem Zeitpunkt hat sich mein Leben definitiv geändert», blättert er in seinem verschwenderisch schön gestalteten Erinnerungsbuch, zu dem er das meiste Fotomaterial beigetragen hat. Für jede Rallye, sei es ans Schwarze Meer oder ans Nordkap, gibt es ein solches Buch – seine Augen strahlen. Seiner Frau zuliebe geht er aber nicht mehr zwei Monate oder länger weg, seine zukünftigen Rallyes führen nach Vietnam oder Kambodscha, höchstens vier Wochen im Jahr. Und immer als Beifahrer und Navigator, mit dem «Tripmaster», dem Messgerät im Rallye-Fahrzeug, in Reichweite. «Natürlich», fügt er an, «bei Langstrecken-Rallyes, wo Durchschnittsgeschwindigkeiten, Kontrollprüfungen und Ähnliches keine Rolle spielen, löse ich auch hin und wieder gerne den Fahrer ab.»  (leh)

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