Zollikon

Hommage an Fritz Boscovits

Vor 100 Jahren zog Fritz Boscovits ins Haus «Im Felsengrund», das heutige Ortsmuseum. Knapp 50 Jahre arbeitete und lebte er hier. Sein Erbe sind zahlreiche Ölbilder, grafische Arbeiten und Karikaturen. Letztere zeichnete er für die satirische  Wochenzeitschrift «Nebelspalter». Am 11. März findet die Ausstellungseröffnung und Buchvernissage statt.

Der Künstler Fritz Boscovits (1871–1965) durchlief eine klassische Ausbildung: Studium an der Kunstgewerbeschule Zürich, Kunstakademie München und Weiterbildung in Florenz. Sein Kunstschaffen orientierte sich am Zeitgeist, er malte zunehmend mit kräftigen Farben satte Striche, wie die Ausstellung zeigt. Zudem wird der Kontext zu anderen Schweizer Künstlern, wie Gottardo Segantini, Sigismund Righini, Ferdinand Hodler und Adolf Meyer hergestellt. Für Gebrauchsgrafik, Werbekunst und Wandgemälde erhielt Fritz Boscovits immer wieder Aufträge, so wie die Serie grossformatiger, plakativer Gemälde, mit der sich die Neue Zürcher Zeitung an der Schweizerischen Landesausstellung in Bern  im Jahr 1914 präsentierte und die auch heute noch in den Räumen der NZZ-Redaktion hängen. Oder das Wandbild der Seejungfrau über dem Eingang vom Seebad Zollikon sowie die drei Fresken mit dem Titel «Frauen und Rehe» am naturwissenschaftlichen Institut der ETH Zürich. Im «Auftrag» seiner Kinder malte er einen Wandfries in deren Schlafzimmer, einem der heutigen Ausstellungsräume im Ortsmuseum Zollikon.

Einem grösseren Publikum bekannt wurde Fritz Boscovits als langjähriger Karikaturist unter dem Namen «Bosco» für die Satirezeitschrift Nebelspalter. Sein Vater hatte 1875 den Nebelspalter mitgegründet. 1889 zeichnete Fritz ­Boscovits Junior seine erste Karikatur und prägte mit mehr als 3000 Karikaturen die Zeitschrift während 72 Jahren mit. Es sei Zeit für die Aufarbeitung eines Stücks der Nebelspalter-Geschichte, dachte Regula Schmid. Als Urenkelin von Fritz Boscovits ist sie die Nachlassverwalterin und engagiert sich als Co-Kuratorin der Ausstellung im Ortsmuseum. Ihre Publikation «Bosco. Fritz Boscovits und der Nebelspalter», die pünktlich zur Ausstellung erscheint, dokumentiert, wie Bosco mal bissig, mal liebevoll die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse seiner Zeit von Kaiser Wilhelm bis zum Atomzeitalter darstellte. Das Spektrum seiner Karikaturen reicht von kunstvollen Jugendstil-Illustrationen bis zu knappen, mit sicherem Strich geführten Charakterisierungen von Menschen und Situationen. (e)

Ausstellungseröffnung und Buch­vernissage, Samstag, 11. März, 16 Uhr, Aula Schulhaus Oescher B, anschliessend Ortsmuseum Zollikon. Ausstellung geöffnet jeweils Dienstag, 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr.

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