Zumikon

Weihnachten aus Kinderaugen

Jede Familie hat ihre eigenen Weihnachts-Rituale. Aber wenn das Christkind vorbeikommt, ist nie jemand zu Hause. Zu Besuch beim Zumiker Mutter- Kind-Treff.


Weihnachten ist auch einfach schwer zu verstehen für Kinder. Da wird der Geburtstag von Jesus gefeiert – aber einen Kuchen mit Kerzen gibt es nicht. Und wieso hängt der dann auch noch gleichzeitig am Kreuz? Da kann doch etwas nicht stimmen. Und doch nehmen die meisten Mädchen und Buben das gelassen hin – denn es gibt Geschenke. Das ist DAS Thema, wenn es um das Fest der Liebe geht. Na ja, gebacken wird auch. «Das macht das Mami», erläutert der fünfjährige Noe. Immerhin helfe er aber manchmal beim Aus­stechen. «Das muss dann aber ­reichen», unterstreicht er. Juri ­daneben zieht die Augenbrauen hoch. Er hat gerade erst zusammen mit Papi einen feinen Zitronenkuchen gebacken. Das ist ja wohl eine ganz andere Nummer. Ausserdem wünscht er sich zu Weihnachten einen Polizei-Helikopter. «Den bringt der Weihnachtsmann, wenn wir nicht zu Hause sind», weiss der Zumiker Bub. «Ausserdem gibt es einen schönen Weihnachtsbaum.» Und das «schön» klingt nach vier ö mindestens. Ob es besondere Rituale zu Weihnachten gebe? Mama Selina lacht. «Wir sind eine Grossfamilie. Da gibt es tausend Rituale.» Und es gibt ein neues Ritual seit vergangenem Jahr. Seitdem feiert die Familie auch im kleinen Kreis – mit drei Kindern ist der ja gar nicht mehr so klein. Und wenn gerade nicht gefeiert wird, ist Mama Selina unterwegs. Sie ist Sängerin und Chorleiterin und gerade zu Weihnachten sehr begehrt.

«Kapla. Viel Kapla»

Auf die Frage, was denn wohl Weihnachten sei, muss Marino (3) lange überlegen. Er überbrückt die Gesprächspause, indem er laut feststellt: «Ich überlege!» Und dann fällt ihm etwas ein. Er will Kapla. Viel Kapla. Und einen Christbaum gebe es auch immer. «Bei uns kommt der Christbaum aus Mamas Schatztruhe», stellt ­Lilya fest. Die Vierjährige schaut sehr ernst dabei. Ein Christbaum, der aus einer Truhe wächst? Das tönt interessant. Die Mama lacht. «Aber das stimmt. Der ganze Schmuck für den Weihnachtsbaum ist in einer grossen Truhe und wenn die geöffnet wird, funkeln die schönen Kugeln wirklich wie ein Schatz. Und ein bisschen wertvoll sind sie ja auch.» Ursprünglich kommt die Familie aus dem Iran. «Aber natürlich feiern wir auch das christliche Fest. Ausserdem liebe ich die schönen Weihnachtsmärkte in der Umgebung.» Auf den schön geschmückten Baum freut sich auch Jasmin (5) schon. Am 25. Dezember geht es zu Papis Familie und da schmücken alle zusammen den Baum. Ist das erledigt, müssen die Kinder mal kurz raus, und wenn sie wieder reindürfen, brennen alle Kerzen und wie von Wunderhand liegen dort auch Geschenke. «Das ist seit Jahren schon so und immer wieder schön», findet Jasmins Mama. Die hat an Weihnachten schon reichlich gefeiert und freut sich auf die backfreie Zeit. Beide Töchter haben nämlich in der Adventszeit Geburtstag.

«Weihnachten ist cool»

Sehr auskunftsfreudig zeigt sich Leonie (5 Jahre). «Also zu Weihnachten kommt der Samichlaus. Dem kann man Sprüche aufsagen und bekommt dann Nüsse und so etwas. Man kann ihm auch etwas schenken», erzählt sie fröhlich. Und im besten Falle bekomme man selber auch etwas. Sie wünscht sich auf jeden Fall eine Schildkröte. «Eine Schildkröte im Wasser», ergänzt sie. Man staunt. Wasserschildkröten sind nicht die geläufigsten Wünsche. Aber Leonie ist noch nicht fertig. «Die soll auch leuchten – und sie kann sich in einen Fisch verwandeln.» Offenbar müssen die Eltern doch nicht in ein Zoofachgeschäft, sondern eher in die Spielzeugabteilung. Freundin Leyla steht daneben und verkündet, dass sie sich einen Puppenwagen wünscht. «Habe ich schon lange», kommentiert das Lilya im Vorübergehen. Doch Leyla lässt sich die gute Laune nicht verderben. «Weihnachten ist cool», findet auch Kourosh. Er weiss sogar, wo der Weihnachtsmann wohnt. Also bis gestern zumindest war er sich sicher, dass der am Nordpol lebt. Aber grad waren sie mit dem Chindsgi im Wald. Beim Weihnachtsmann. Und auch, wenn die Mädchen und Jungen bei Weihnachten zuerst an Geschenke denken: Wenn die Kerzen dann flackern, alles nach Tanne oder Zimtsternen duftet, werden sie auch merken, dass es mit dieser Zeit etwas ganz Besonderes auf sich haben muss – etwas, das noch grösser ist als ein Puppenwagen und sogar grösser als ein Polizei-Helikopter. (bms)

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