Zumikon

Literatur ohne Rollkragenpulli

Krimi-Autorin Esther Pauchard stellte in Zumikon ihre «Tödliche Praxis» vor und amüsierte mit Anekdoten aus ihrem Leben als Literatin.

Eigentlich ist Esther Pauchard Psychiaterin. Sie lebt in Bern, hat zwei Töchter, ihr Mann ist Hausarzt. Und: Sie liest gerne Krimis. Als sie vor einigen Jahren so richtig unzufrieden mit ihrer aktuellen Lektüre war und über das Buch herzog, riet ihr jemand: «Mach es doch besser.» Und das tat sie. Die Schweizerin setzte sich hin, schrieb drauf los und drei Monate später war ihr erster Krimi fertig. Hauptprotagonistin war Kassandra Bergen. Sie war Psychiaterin, hatte zwei Töchter und einen Mann, der Hausarzt war. Kein Wunder, dass sich die Autorin nachsagen lassen musste, dass es da aber grosse Schnittmengen gebe. «Das fand ich gar nicht. Kassandra Bergen war nämlich total zickig. Und das bin ich überhaupt nicht», unterstrich sie bei ihrer Lesung vergangene Woche in der Bibliothek Zumikon. Dort stellte sie ihr neues Werk «Tödliche Praxis» vor. Überraschend: Kassandra Bergen gibt es nicht mehr. Nun steht Melissa Braun im Mittelpunkt. Die ist jünger als ihre Vorgängerin, weniger forsch und auch nicht mehr Ärztin, sondern «nur noch» medizinische Angestellte. In drei kurzen Episoden aus ihrem neuen Buch stellte Esther Pauchard ihren Roman vor. In kurzen Sätzen schilderte sie, wie Melissa Braun ihren Chef tot auffindet, wie sie selber in den Fokus der Ermittlungen gerät und später selber die Recherche aufnimmt. Das war mässig spannend. Vielleicht waren die Episoden einfach nicht gut ausgewählt. Was den Abend aber zu einem Erlebnis der heiteren Art machte, war die Autorin selber. Mit trockenem Witz erzählte sie von ihrer Arbeit, selbstironisch und amüsant reflektierte sie sich und ihr Leben. Sie, die mit einer körperlichen Einschränkung lebt, entdeckte Karate für sich. «Und plötzlich registrierte ich völlig irritiert einen Bauchmuskel an mir», erinnert sie sich. Sie erzählt von Lesungen, auf denen sie nach dem sympathischen Mann von Kassandra Bergen gefragt wurde und ob sie nicht vielleicht ein Foto von dem dabei habe. «Ich habe mir spontan vorgenommen, ihm im nächsten Buch ein paar Hämorrhoiden anzudichten.» Sie berichtet von ihren Schreibanfängen, als sie jede frei Minute, die ihr die sechs Monate alte Tochter seinerzeit liess, am Schreibtisch sass und niemals damit gerechnet hatte, ihr Buch wirklich irgendwann gedruckt zu sehen.  Mit lebendiger Mimik und viel Gestik erzählte sie von der Recherche zu dem neuen Buch. «Man darf plötzlich die Nase in die Arbeit völlig fremder Menschen stecken und das ist einfach nur spannend.» Esther Pauchard ist trotz der Erfolge ihrer Kriminalromane keine abgehobene Schriftstellerin. «Ich finde, dass Bücher unterhalten dürfen, und ich muss auch keinen schwarzen Rollkragenpullover tragen», unterstrich sie in der Zumiker Bibliothek. So arbeitet sie auch weiter in einer Suchtfachklinik und in der eigenen Praxis. Und auch weiterhin literarisch. Melissa Braun hat eine Zukunft, aber auch Kassandra Bergen ist nicht ad acta gelegt worden. So kündigte Esther Pauchard an, dass es ein Treffen der unterschiedlichen Frauen geben wird. 2018 erscheint schon das nächste Buch. (bms)

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