Zollikon

«Das Spirituelle und die Musik gehören zueinander»

Hans Ueli Schlaepfer in seinem Arbeits- und Übungsraum. Viele Ideen entstehen dort, wo der Musiker einst mit seiner Grossmutter musizierte. (Bild: mpe)

Im Rahmen der Kulturkirche Goldküste «jazz+more» musiziert der Zolliker Pianist Hans Ueli Schlaepfer zusammen mit seinem Trio und dem Saxo­phonisten Jonas Knecht heute Abend in der reformierten Kirche Küsnacht. Ein Gespräch über den bevorstehenden Auftritt.

Mit Hans Ueli Schlaepfer sprach Martina Peyer

Hans Ueli Schlaepfer, fühlt es sich anders an, in einer Kirche zu spielen als auf einer Konzertbühne?

Das Musizieren in einer Kirche führt zu anderen Herausforderungen, als wenn wir in einem Club oder auf einer Musicalbühne auftreten. Einerseits inhaltlich, andererseits hinsichtlich Kirchenakustik: In Zusammenarbeit mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer geht es darum, den passenden Ton respektive die passende Stimmung für den Anlass zu finden. Die musikalische Unterstützung sollte so gestaltet sein, dass Pfarrer und Musiker gegenseitig aufeinander eingehen und sich gegenseitig auch beeinflussen können. Dazu ist Jazz ein toller Partner. Denn diese Musikrichtung lässt uns die Freiheit zu improvisieren. Da der Wiederhall in einer Kirche gross ist und ein Klang entsprechend lange im Raum bleibt, achten wir bei der Wahl unserer Musikstücke darauf. Wir können sparsamer spielen als an anderen Orten, also mit weniger Schlägen oder mit weniger Tönen.

Pfarrerin Anne-Käthi Rüegg-­Schweizer widmet sich heute im Rahmen von «jazz+more» dem Thema «Krisen und Brüche im Leben». Wie muss ich mir die musikalische Begleitung dazu vorstellen?

Ich werde zusammen mit meinen Bandmitgliedern, dem Zolliker Bassisten Felix Kübler und dem Schlagzeuger Pascal Graf, sowie unserem Gast, dem Saxophonisten Jonas Knecht, auftreten. Unser Ziel ist es, Emotionen zu wecken. Wir spielen keine Programmmusik, welche den Worten der Pfarrerin folgt. Vielmehr möchten wir eine Stimmung erzeugen, welche die Predigt ergänzt oder mit ihr kontrastiert. Mit unserem Eingangsspiel zu Beginn der Veranstaltung holen wir die Menschen ab und lassen sie in der Kirche ankommen. Nach dem Teil, den wir gemeinsam mit der Pfarrerin gestalten, spielen wir ein rein musikalisches Set. Dazu greifen wir auf unser Repertoire zurück und werden mehrheitlich meine Kompositionen spielen. Dabei sind auch neue Stücke, die ich für diesen Anlass geschrieben habe. Da meiner Meinung nach der Klang eines Blasinstruments in die Kirche gehört, habe ich Jonas Knecht gebeten, uns mit seinem Altsaxophon zu unterstützen. Für die Auswahl der Stücke habe ich auf meine Intuition geachtet. Dank langjähriger Erfahrung bin ich stets voller Ideen, wie sich eine Stimmung erzeugen lässt.

Wie intensiv fallen die Proben aus?

Felix Kübler und Pascal Graf vom «Hans Ueli Schlaepfer Trio» sind treue musikalische Gefährten. Wir kennen uns von der «shake company», mit der wir seit vielen Jahren gemeinsam Musicals auf die Beine stellen. In mehreren Produktionen war und ist auch Jonas Knecht dabei. Unser Jazz-Trio gibt es seit vier Jahren. So treffen wir uns je nach Anlass ein bis mehrmals pro Monat. Kurz: Wir sind bereits ein sehr gut eingespieltes Team. Heute Nachmittag vor dem Gottesdienst proben wir zudem intensiv den Teil, den wir zusammen mit Pfarrerin Anne-­Käthi Rüegg-Schweizer gestalten.

Kirche ohne Musik ist kaum vorstellbar – weshalb?

Den liturgischen Gesang gibt es seit jeher. Die Musik spielte ja bereits in der Gregorianik eine bedeutende Rolle. Das Spirituelle und die Musik gehören zueinander. Denn Musik kann Stimmungen und Emotionen erzeugen, die Worte nicht auszulösen vermögen. Deshalb haben alle grossen Komponisten Messen für Kirchen geschrieben. Wenn man sakrale Feiern mit Konzerten vereinigt, wie dies beim Gottesdienstformat Kulturkirche der Fall ist, so können besondere Momente mit guter Stimmung entstehen. Menschen werden dann in doppelter Weise berührt: durch die Predigt im spirituellen Teil und durch tolle Musik während des Konzerts. Auch ich nutze solche Anlässe gerne, um mal wieder eine Kirche zu besuchen.

Und wie wichtig sind Auftritte in Kirchen für Sie als Künstler?

In der Kirche geniessen wir ein neues, anderes Publikum. Wie erwähnt, gestaltet sich dort unsere Musikerarbeit besonders spannend: Wie können wir ein Gebet musikalisch untermalen? Welches Musikstück lässt dem Gesagten der Pfarrerin Raum? Wie können wir zu ihren Worten den musikalischen Bogen spannen? Das gemeinsame Ausprobieren macht Spass.

An welchen weiteren Projekten und Auftritten arbeiten Sie zurzeit?

Seit vergangenem Herbst bin ich mit dem Musical «Supermarkt Ladies» von Dominik Flaschka und Roman Riklin im «Zelt» auf Tournee – wir haben bereits für das Musical «Ost Side Story» zusammengearbeitet. Unsere nächste Station ist Zürich Mitte April. Die Probenarbeit war anstrengend, aber mit den drei ­«Supermarktverkäuferinnen» Sandra Studer, Fabienne Louves und Gigi Moto unglaublich amüsant.

Was bedeutet Ihnen Musik?

Es fällt mir nicht einfach, diese Frage zu beantworten oder meine Gefühle rund um Musik in Worte zu fassen. Ich weiss aber: Wenn ich zusammen mit anderen Musikern spielen kann, geht es mir gut. Musik ist wie Kommunikation. «Fägt» sie, dann löst sie eine besondere Stimmung in mir aus. Wenn ich mit meiner Musik auch in anderen Menschen etwas auszulösen vermag, dann ist der Moment noch schöner. Und so wünsche ich mir für das heutige «jazz+more», dass es uns gelingt, die Zuhörer auf eine Reise mitzunehmen. In eine Welt, in der sie ihren Emotionen und ihren Gedanken nachgehen können.

 

Zur Person

Hans Ueli Schlaepfer (*1956) ist in Zollikon aufgewachsen. Hier wohnt er auch heute noch. Und zwar im Haus seiner Grossmutter, einer begeisterten Sängerin und Pianistin, mit der er als Kind täglich Klavier spielte.

In der Pfadi entdeckte er seine pädagogischen Fähigkeiten, weshalb er sich nach dem Gymnasium und Oberseminar zum Primarlehrer ausbilden liess. Nach einigen Jahren Unterrichtszeit folgten drei Jahre in Boston, wo er sich seinen Wunsch erfüllte und am «Berklee College of Music» ein Jazzklavierstudium absolvierte. Zurück in der Schweiz spielte er in verschiedenen Bands und arbeitete immer häufiger in Theater- und Musical-Produktionen mit. Unter anderem bei der «shake company», deren musikalischer Leiter er seit über 20 Jahren ist.

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