Zollikon

Nachwuchstalente sorgen für feine Akustik

Anlässlich des 2. Internationalen Lied-Festivals am Zürichsee bewiesen vergangene Woche vier Masterstudenten ihr Talent. Dabei begeisterte das Quartett besonders mit der Interpretation der anspruchsvollen Liebesliederwalzer von Johannes Brahms.


Nach und nach füllte sich der Zolliker Gemeindesaal, bis auch die letzten Plätze besetzt waren. Gespannt wartete das Publikum auf den Auftritt des sogenannten «Nicht nur Brahms-Ensemble» – einem Quartett, das sich aus vier Master- und Nachdiplomstudenten der Zürcher Hochschule der Künste zusammensetzt. Das Quartett trat im Rahmen des 2. Internationalen Lied-Festivals am Zürichsee auf, das vom Verein Musik-Organisation Zürisee veranstaltet wurde.

«Geniale Akustik»

Die Darbietungen des Ensembles bildeten einen von fünf Konzertabenden des Festivals, bei dem zahlreiche bekannte Musiker die Gelegenheit hatten, ihr schöpferisches Können unter Beweis zu stellen. Die Gemeinden Thalwil, Zollikon, Pfäffikon und Rapperswil wurden dabei zu den Schauplätzen dieser Musik-Spektakel. «Es war unser Ziel, mit dem Festival möglichst viele unterschiedliche Dörfer zu beglücken», erzählt Vereinspräsident Rudolf Meier. In Zollikon hätten sie noch nie einen Anlass organisiert, doch der Gemeindesaal sei akustisch genial. «Hier kommen wir auf jeden Fall wieder einmal her», schwärmt der Stäfner. Eingestimmt wurde der Auftritt der vier Solisten Sara-Bigna Janett ­(Sopran), Madeleine Merz (Mezzosopran), Arndt Krueger (Tenor) und Yves Brühwiler (Bass) mit dem eher melancholischen Stück «An die Heimat Op. 64 Nr. 1» von ­Johannes Brahms. Dabei wurden die Sänger von ihrer Kollegin Paulina Maslanka und ihrem Dozenten Hans Adolfsen, der mit den Studenten das Konzertprogramm erarbeitet hatte, am Klavier begleitet. ­Danach präsentierte das Ensemble weitere Werke von Johannes Brahms gefolgt von heiteren und schwungvollen Liedern des italienischen Komponisten Gioacchino Rossini. Die Aufführung insgesamt war geprägt von einer musikalischen Vielfalt: So sangen die Solisten teilweise in einer sanften Art und Weise, dann wieder füllten ihre klangvollen und bemerkenswerten Stimmen den gesamten Gemeindesaal.

Grossartiges Finale

Als krönenden Abschluss präsentierte das Quartett die berühmten «Liebesliederwalzer Op. 52» von ­Johannes Brahms. Darauf war auch Rudolf Meier besonders stolz: «Dieses Stück ist eines der anspruchsvollsten und aufwendigsten Werke, das ich kenne. Eigentlich wollte ich die Liebesliederwalzer bereits beim ersten Lied-Festival 2015 im Programm anbieten. Doch rein vom Probenaufwand her wäre das finanziell nicht möglich gewesen.» Glücklicherweise beherrschte das eingespielte «Nicht-nur-Brahms-Ensemble» diesen Walzer-Liederzyklus bereits. «Als ich das von Hans Adolfsen erfahren habe, war ich hell begeistert. Dass das Quartett sich mit diesem Stück auskennt, beweist, mit was für talentierten und fortgeschrittenen Solisten wir es zu tun haben», lobt Rudolf Meier. Auch beim Publikum fanden die Liebeslieder positiven Anklang und die Solisten ernteten kräftigen Applaus. Einem Konzertbesucher, Peter Scollar aus Zollikon, dagegen gefiel der erste, melancholischere Teil der Aufführung etwas besser. «Als Opernliebhaber reise ich in der ganzen Schweiz herum, um mir Klassikkonzerte anzuhören. Besonders die Stimmen der beiden Sängerinnen haben mich beeindruckt.» Mit der Darbietung der vier jungen, talentierten Solisten erreichte der Verein zugleich zwei seiner Hauptziele: zu einen die immense Vielfalt der klassischen Musik unter die Leute zu bringen und zum anderen, die Förderung von Nachwuchstalenten. Dabei ist für den Vereinspräsidenten, der als Heilpädagoge im schulischen Bereich tätig ist, besonders das Letztere wichtig. «Es macht mir Spass, jungen Talenten eine Plattform zu bieten und in Einzelkonzerten auch einmal selber mit ihnen aufzutreten. Die jüngere Generation kann einem neue Impulse geben», so Rudolf Meier, der seit 2003 selbst als Solist auf der Bühne steht.

Da er auch schon in Duetten und Quartetten gesungen hat, war er beeindruckt davon, dass das Ensemble trotz der vier völlig unterschiedlichen Stimmfarben so gut miteinander harmonierte: «Ich bin sehr zufrieden mit dem Konzert und überwältigt von dem Können der Solisten. Dieser Abend hat mich darin bestärkt, auch weiterhin solche Anlässe im Rahmen des Vereins Musik Organisation Zürisee zu veranstalten.» (CvD)   

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