Zollikon Zumikon

«Nicht ohne unseren Helmut!»

Theoretisch wohnen Katja Steiner und Christian Temperli ja in einem schmucken kleinen Hexenhäuschen mit Charme – so das Originalzitat aus dem damaligen Wohnungsinserat – in der Nähe des Zumiker Golfplatzes. Wäre da nicht Helmut. Helmut schenkt ihnen nochmals ein wenig Wohnraum – und ganz viel Freiheit.

Wie geputzt und gestriegelt steht Helmut vor dem hübschen Häuschen nahe dem Waldrand. Hätten Autos ein Gesicht, Helmuts würde einem sofort bezaubern mit seinem Lachen. Anders lässt sich der süsse Kerl nicht beschreiben, der zwar bereits älter als seine beiden Besitzer ist, aber erst seit drei Jahren zur Familie gehört. Das Hochdach des VW-Campers ist ausgefahren, die Seitentüre aufgeschoben, so, als würde er einen herzlich willkommen heissen und bitten einzutreten. Klar, Helmut ist ein Auto, aber für Katja Steiner und Christian Temperli ist er eben viel mehr als Blech auf vier Rädern. Helmut, mit Jahrgang 1983, ist mobiler Wohnraum und treuer Reisebegleiter, ein wahrgewordener Traum, der ihnen viel Freiheit und noch mehr Freude schenkt. 

Geträumt hatten die jungen Zumiker zwar eigentlich nicht von ihm. Oder zumindest nicht lange. Mit einem breiten Lachen schauen sie drei Jahre zurück auf damals, als sie ziemlich spontan, wie sie erzählen, auf Helmut gestossen sind: «Wir waren an einer Ferienmesse mit Norwegen als Reiseziel im Kopf», erzählt Katja Steiner. Dabei hätten sie einen Gutschein gewonnen, mit dem sie einen VW-Bus vergünstigt haben mieten können. Die 28-Jährige unterbricht, schmunzelt, übergibt ihrem Freund das Wort. «Den Bus hatten wir dann tatsächlich gemietet und auch bereits bezahlt», fährt dieser fort, nur angetreten hätten sie ihre Reise im nigelnagelneuen VW-Bus nie. «Plötzlich fanden wir, ein älterer VW-Bus hätte mehr Charme», versucht Christian Temperli verschmitzt zu erklären, was dann geschah. Denn so spontan der Gedanke kam, so schnell war Helmut gekauft. Ein paar Klicks im Netz und sie hatten ihren neuen Freund entdeckt – entdeckt und gekauft, es sei halt einfach Liebe auf den ersten Blick und Klick gewesen.

Auf Reisen und im Netz

Helmut, wie sie ihren Zuwachs tauften, hatte bereits 230'000 Kilometer auf den Rädern und benötigte ein paar Investitionen wie einen neuen Kühler und eine neue Öl- und Wasserpumpe. Das Dachzelt musste ausgewechselt werden und auch im Innern – alles original Westfalia-Ausrüstung, wie die beiden nicht ohne Stolz erzählen – haben sie sich ans Werk gemacht, haben frisch gestrichen und rausgeputzt. Heute präsentiert sich Helmut mit einem Solarpanel auf dem Dach und eigenem Instagram-Account 178 Beiträge gibt es bis anhin vom Volkswagen, der auf Reisen geht. 1404 Abonnenten folgen ihm.

In der Schweiz ist Helmut schon viel herumgekommen, aber natürlich waren sie mit ihm dann auch in Norwegen und ebenso Marokko haben die drei schon zusammen bereist. «Noch nie hat Helmut uns im Stich gelassen», erzählt Katja Steiner, «weder im Atlasgebirge noch sonst wo liess er uns stehen.» Fast schon etwas reuig gibt sie zu, dieses Jahr auch noch in Kuba gewesen zu sein – für einmal aber ohne ihren treuen Begleiter. Das sei ihnen tatsächlich etwas schwergefallen, denn wenn immer möglich würden sie nun ihre Ferien zusammen mit Helmut verbringen. Es sei auch Ehrensache, in ihm zu schlafen – auch wenn der Platz beschränkt und bei plötzlichen Wetterkapriolen nicht immer nur gemütlich sei. «Doch so gut wie in Helmut schlafen wir nirgends», halten die beiden sofort fest.

Die Familie des jungen Paares ist aber nicht nur um Helmut gewachsen, sondern um eine ganze VW-Community, und die Verwandtschaft von Helmut ist ebenfalls in den sozialen Medien vertreten.  Besonders toll daran sei, dass sie so immer wieder Tipps erhielten, welche Reisen mit einem 78-PS-Gefährt empfehlenswert seien oder wo es besonders schöne Campingplätze gebe. Ihr aktueller Lieblingsort ist ein Campingplatz in Levanto nahe der Cinque Terre.  Die beiden sind aber nicht immer nur zu dritt unterwegs. Auch zusammen mit Katja Steiners Eltern haben sie schon Ferien verbracht. Diese begleiteten sie aber wohlverstanden in ihrem inzwischen eigenen, wenn auch einem neuen, VW-Bus: Die Tochter hat ihre Eltern mit ihrem Virus längst infiziert.

Dass sich Volkswagencamper-Fahrer auf der Strasse gegenseitig grüssen, sei übrigens selbstverständlich. Helmut würde wohl am liebsten gleich loshupen vor Freude – traurig ist im Moment nur seine Crew, muss sich der Vierräder doch bald in den Winterschlaf zurückziehen. (mmw)


Helmut auf Instagram: @helmut.auf.reisen

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