Zollikon

1,8 Kilometer am letzten Samstag – 1 Kilometer jeden Tag

Mit seinen 82 Jahren war ­Werner Bolli der älteste Teilnehmer der Zolliker Jubiläumsseeüberquerung. Noch ist ungewiss, ob die Veranstaltung auch ein 51. Mal stattfinden wird.

In gerade mal 23 Minuten und 11 Sekunden hat der schnellste Schwimmer am vergangenen Samstagmorgen die 1,8 Kilometer lange Strecke vom Mönchhof in Kilchberg in die Zolliker Seebadi anlässlich der 50. Zolliker Seeüberquerung SeeQ absolviert. «Eine super Zeit», sagt Marco Pilloud, der bis im Frühjahr dem Schwimmklub Zollikon als Präsident vorstand und seit 15 Jahren Hauptverantwortlicher der Zolliker Seeüberquerung ist.

Nächstes Jahr wird er die Leitung in neue Hände übergeben – sofern es überhaupt zu einer weiteren Austragung der Zolliker Seeüberquerung kommt. «Genügend Helferinnen und Helfer zu finden, ist jedes Mal eine grosse Herausforderung», benennt Marco Pilloud eine der Schwierigkeiten. Hundert Freiwillige stünden bei jeder Veranstaltung ehrenamtlich im Einsatz, viele davon unterstützten die Seeüberquerung mit privaten Booten. «Ohne sie ist es schlicht nicht machbar», weiss der ehemalige Profischwimmer. Es sind aber auch die Kosten, die dem Schwimmklub Zollikon, dem Organisator der «SeeQ», zurzeit schlaflose Nächte bereiten. Infrastruktur, Bewilligung, Ärzte, Transport – die Kosten für die Veranstaltung sind hoch. Jährlich entsteht gemäss ­Marco Pilloud ein Defizit von 3000 bis 5000 Franken. Ob der Verein die Kosten auch in Zukunft tragen könne, werde in den nächsten Tagen entschieden werden. Marco Pilloud hofft, dass eine Lösung gefunden wird, nächstes Jahr würde er sich dann unters Teilnehmerfeld mischen, wie er verrät. 

Ältester Teilnehmer ist 82

Bereits dieses Jahr am Start war der Zumiker Werner Bolli. Er war der älteste Teilnehmer der insgesamt 199 Schwimmerinnen und Schwimmer, die sich am frühen Samstagmorgen ins 21 Grad warme – oder kalte – Wasser begeben hatten. Der sportliche 82-Jährige hat schon etliche Zolliker Seeüberquerungen absolviert und weiss noch genau, wie es war, als er beim Start jeweils Kopfnüsse kassiert hatte. Jeden Tag legt er einen Kilometer schwimmend im Fohrbach zurück – der Zumiker ist überzeugt, dass er seine Gesundheit dem Wasser zu verdanken hat. Nach der Zolliker Seeüberquerung unterhielt er sich mit dieser Zeitung über seine Erfahrungen. 

Herr Bolli, Gratulation zu Ihrer Leistung! Sie haben die 50. Zolliker SeeQ in 46,58 Minuten absolviert und in Ihrer Kategorie den 3. Rang erreicht. Wie haben Sie die Veranstaltung erlebt?

Es war einmal mehr ein absolut toller Event, den Verantwortlichen gebührt ein grosses Dankeschön. Leider aber kann ich mit meiner Leistung nicht ganz zufrieden sein, habe ich doch eine Minute länger gebraucht als letztes Jahr. Ich habe anscheinend einfach nicht mehr den gleichen Schnauf wie früher (lacht).

Die Wassertemperatur betrug 21 Grad, das Wetter am Samstagmorgen war beinahe herbstlich: neblig und feucht. Mussten Sie sich überwinden, in den Zürichsee zu steigen?

Überhaupt nicht! Ich fand die Wassertemperatur sehr angenehm. Es gab Seeüberquerungen, bei denen ich Melkfett einreiben musste, weil es so kalt war. Aber jetzt war es richtig angenehm warm – trotz der herbstlichen Vorboten am Samstagmorgen. Besonders toll fand ich auch, dass die Frauen wie bereits letztes Jahr zehn Minuten vor uns Männer starten konnten – in den Jahren zuvor hatte ich nämlich jeweils etliche Kopfnüsse beim Start kassiert, weil das Gedränge immer sehr dicht war und alle miteinander losschwammen.

Was bleibt Ihnen sonst besonders in Erinnerung von all den Seeüberquerungen, die Sie absolviert haben?

Einmal mussten wir Schwimmer wegen eines Kursschiffes gestoppt werden, daran erinnere ich mich noch sehr gut. Wer wie ich kraulend unterwegs ist, schaut ja kaum nach links und rechts, das könnte also wirklich gefährlich werden. Das ist übrigens auch der Grund, warum die Seeüberquerungen heute früher angesetzt werden am Morgen: Damit wir den Kursschiffen nicht in die Quere kommen. 

Wie oft waren Sie dieses Jahr schon im Zürichsee schwimmen?

Noch nie. Die Seeüberquerung war meine Premiere in diesem Jahr. Ich schwimme aber täglich einen Kilometer im Fohrbach. 

Das Schwimmen im Pool kann aber nicht unbedingt mit dem Schwimmen im See verglichen werden. Haben Ihnen die Wellen und die Strömung keine Mühe bereitet? 

Ganz und gar nicht. Ich bin ein richtiger Wassermensch, das Wasser ist mein Element. Schon als Kind war ich im Rhein schwimmen, ich erinnere mich sogar noch daran, wie mein Grossvater mich als kleiner Knirps an einem Band mitgenommen hat, damit wir zusammen den Fluss hinuntertreiben konnten. Später habe ich das Brevet im Rettungstauchen gemacht und viele Tauchgänge im Zürichsee absolviert.

Verdanken Sie Ihre gute Fitness dem Schwimmen?

Bis vor drei Jahren bin ich auch regelmässig aufs Mountainbike gestiegen und auch der Hund meiner Tochter hat mich lange fit gehalten. Aber Schwimmen war für mich stets meine liebste Sportart, sie hält mich fit und munter. Nach dem Schwimmen treffen sich meine Freunde und ich jeweils in der «Frohen Aussicht» in Zumikon zum geselligen Zusammensitzen – auch das hält natürlich fit und jung (lacht).

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