Zollikon

Feuerwehrdepot statt Fernsehstudio

Das morgige «Wort zum Sonntag» des Zolliker Pfarrers Simon Gebs entstand für einmal nicht in Leutschenbach, sondern im Zolliker Feuerwehrdepot.

Montagmorgen kurz nach halb 10 Uhr. Im Innern des Depots der Feuerwehr Zollikon an der Bergstrasse geht der Alarm los. «Einsatz für die Feuerwehr Zollikon», ertönt es aus einem kleinen Lautsprecher. Doch es sind nicht die Feuerwehrmänner und -frauen, die einrücken, sondern ein Dreierteam des Schweizer Fernsehens, das bereits seit einer halben Stunde voll im Einsatz ist. Materialwart Markus Schneider hat den Alarm als Simulation ausgelöst. Auch er ist an diesem Morgen vor Ort und steht der Redaktorin, dem Kameramann und dem Tontechniker helfend zur Seite. Ausgerückt sind sie alle wegen Simon Gebs, dem Zolliker Pfarrer gilt die ganze Aufmerksamkeit.

In Zollikon war es lange Zeit kein ungewöhnliches Bild, wenn der Pfarrer im Depot an der Bergstrassse ein- und ausging. 17 Jahre lang stand Simon Gebs im Dienst der Feuerwehr, zuletzt als stellvertretender Kommandant. Nun kehrt er für einen Morgen ins Zolliker ­Depot zurück. Nicht für die Feuerwehr des Kantons Zürich, deren Care-Team er heute noch leitet und für die er als Notfallseelsorger Pikettdienst leistet, sondern als Sprecher der Fernsehsendung «Wort zum Sonntag».

Im Oktober vergangenen Jahres wurde Simon Gebs’ erster Beitrag ausgestrahlt, jetzt steht mit der Aufzeichnung aus dem Feuerwehrdepot wieder eine Première an. Alle fünf Theologinnen und Theologen, die zum konfessionsübergreifenden Moderationsteam gehören, das während zwei Jahren alternierend am Samstagabend auf Sendung ist, dürfen einen externen Dreh auswählen – wenn sie dies denn auch wollen und eine passende Idee dazu haben. «Wir würden gerne mehr solcher Drehs machen», verrät SRF-Redaktorin Christine Stark, die das «Wort zum Sonntag» betreut. Die Kosten und der Aufwand würden dies aber verunmöglichen. Im Studio in Leutschenbach nehme die Aufzeichnung der vierminütigen Sendung rund anderthalb Stunden in Anspruch, ausserhalb des Studios müsse alleine für den Dreh drei Stunden eingerechnet werden, hinzu komme das Schneiden des Films sowie die Vertonung, was nochmals rund einen halben Tag in Anspruch nehme, wie ­Christine Stark erklärt.

Ein Profi vor der Kamera

Für Simon Gebs war schnell klar, dass er einen Beitrag ausserhalb des Fernsehstudios aufnehmen möchte. «Das Milizsystem wollte ich schon immer mal thematisieren», sagt er, der nicht weit suchen musste, bis er die passende Organisation und somit die Lokalität für das Thema und den Dreh gefunden hatte. «Soll ich die Kanzelstimme anwenden oder besser die Stubenstimme?» Simon Gebs berät sich mit Christine Stark, während Kameramann Tom Kubiak die letzten Einstellungen und Lichtverhältnisse überprüft und den Pfarrer zur richtigen Stelle beordert: «Noch ein bisschen weiter nach rechts, den Kopf halbschräg zu mir und dann ist es perfekt», lautet seine Anweisung, kurz bevor er den Aufnahmeknopf drückt und nur noch Simon Gebs’ Stimme zu hören ist und nicht nur der Tontechniker gebannt seinen Ausführungen lauscht. Zweieinhalb Stunden lang wiederholen sich diese Szenarien, werden die Drehorte innerhalb des Feuerwehrdepots gewechselt und hat ­Simon Gebs seine Ansprache unterteilt in verschiedene Blöcke auswendig vorzutragen. Versprecher gibt es selten, der Zolliker Pfarrer trägt seine Gedanken routiniert und gekonnt in der richtigen Stimmlage vor. Die Komplimente lassen nicht lange auf sich warten. «Du machst das einfach hervorragend», lobt ihn Christine Stark und stellt erfreut fest, dass die Redezeit perfekt eingehalten werde und der Dreh bereits noch vor dem Mittag und somit früher als gedacht im Kasten ist.

Zur besten Sendezeit

Was Simon Gebs zum Milizsystem zu sagen hat, wie er dieses mit einer christlichen Botschaft verknüpft und was der Feuerwehralarm jeweils bei ihm ausgelöst hat, das erfährt, wer morgen Samstagabend um 20 Uhr SRF 1 einschaltet. Im Durchschnitt machen dies 300’000 Augenpaare – beste Werbung für die Zolliker Feuerwehr also. (mmw)

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