Zollikon

«Keine Reise ohne neue Pflanze»

Der Welt der Pflanzen gilt die Leidenschaft von Andreas Honegger. Seit seiner Pensionierung als NZZ-Redaktor und seinem Rückzug aus der Politik widmet er sich nun vermehrt der Faszination für die Botanik, die sich auch in seinen Büchern und in seinem neuen Amt als Co-Präsident des Vereins «Freunde des Botanischen Gartens Zürich» widerspiegelt. Ein Gespräch über eine lebenslange Passion.

Andreas Honegger, zuhause haben Sie sich mit Ihrer Frau in den vergangenen 25 Jahren ein aussergewöhnliches Pflanzenparadies aufgebaut. Was treibt Sie an, diese Leidenschaft so engagiert weiterzuverfolgen?

Motivierend ist meine Freude an neuen Entdeckungen: Am liebsten würde ich in unserem Garten Pflanzen aller Gattungen, Arten und Sorten wachsen sehen. Mich interessieren Zusammenhänge unter den unterschiedlichen Pflanzen; mich faszinieren ihre Lebenszyklen, ihre Biotope und es macht mir Freude, wenn sie zu verschiedenen Zeiten im Jahr blühen. Entsprechend bin ich eher ein Sammler, der von keiner Reise ohne eine neue Pflanze heimkommt. Meine Frau ist die Gestalterin, die Wert auf das Gesamtbild unseres 600 Quadratmeter grossen Grundstücks legt.

Wie ist es zu dieser Passion für Pflanzen gekommen?

Bereits mein Grossvater pflegte und hegte mitten in der Stadt Zürich einen schönen Garten. Mein Vater ebenso in Zumikon. Als Kind half ich ihm bei Gartenarbeiten oder begleitete ihn in die Berge und in Moorlandschaften, um seltene Pflanzen zu bestaunen. Diese Freude an der Flora hat sich auf mich übertragen. Auch meine Frau ist in einem Haus mit Garten aufgewachsen. Deshalb wollten wir beide ein Haus mit Garten bewohnen. Als wir 1994 hier in Zollikon fündig wurden, haben wir einen verwilderten Garten mit ein paar Bäumen und Büschen übernommen. Schritt für Schritt haben wir etwas sehr Persönliches daraus gemacht. Heute erfreuen wir uns an der Allee aus diversen Zitrusbäumen wie etwa «Buddhas Hand» oder der Bergamotte, an uralten Olivenbäumen oder an Raritäten wie seltenen Farnen. Jetzt im Frühling sind auch die vielen Krokusse, der wohlriechende Jasmin oder die Lenzrosen mit ihren zarten Farben ein Genuss.

Dennoch sind Sie nicht Botaniker, sondern NZZ-Redaktor geworden.

In meiner Jugend begann ich, mich für Steine zu interessieren, und baute eine Mineraliensammlung auf. Denn die Welt der Geologie ist Voraussetzung für die Existenz der Pflanzen. Es gibt Pflanzen, die auf kalkhaltigen Böden leben, während andere sauren Untergrund bevorzugen. Ich begann, Mineralogie und Geologie zu studieren, kam aber bald zum Schluss, genug über Steine zu wissen. Da ich nicht Naturwissenschafter werden und auch keine Tunnels bauen wollte, sattelte ich auf Philosophie und Germanistik um. Als ich mich nach dem Studienabschluss bei der NZZ nach einem Ferienjob erkundigte, erhielt ich eine Absage. Stattdessen bot mir die Zeitung eine Festanstellung an, der ich dann fast 30 Jahre lang treu blieb.

Noch immer schreiben Sie regelmässig Bücher und Kolumnen, insbesondere über Pflanzen. Weshalb möchten Sie sich auch in schriftlicher Form mit Pflanzen befassen?

Im Garten, auf Reisen oder auf Pflanzenmessen finden meine Frau und ich neue Ideen. So können wir neue Zusammenhänge entdecken, die wir dann weiterverfolgen. Es ist interessant und spannend, gärtnerische Erfahrungen zu verbreiten und weiterzugeben. Je vertiefter ich mich mit einer Sache beschäftige, desto interessanter wird sie für mich. Die «Systematische Botanik» hat mich schon immer fasziniert. Das heisst die Frage, welche Gattungen und Arten zusammengehören. Mein Ziel war es aber nie, für ein Nachschlagewerk zu arbeiten. Als Journalist liegt mir mehr daran, eine Geschichte rund um die Pflanzen zu erzählen. Deshalb verfolge ich ein Thema wie beispielsweise das Verhalten der Pflanzen in den Jahreszeiten oder wir testen, welche Pflanzen bei uns in Zollikon winterhart sind.

Oder das Thema «versteinerte Hölzer», wie in Ihrem neuesten Buch «Das Gedächtnis der Bäume».

Dieses Thema hat mich doppelt in der Seele getroffen: Für mich als mineralogisch und botanisch interessierten Menschen war die Arbeit an diesem Buch eine Riesenfreude. Ich kenne Hans-Jakob Siber seit vielen Jahren. Als er 2017 die Sonderausstellung über fossile Pflanzen und Hölzer aufbaute, war ich so begeistert, dass ich gern ein Buch über diese einzigartige Wunderwelt schaffen wollte. Es ist schier unglaublich, dass gewisse Pflanzen seit 400 Millionen Jahren auf unserer Welt existieren. Die stattliche Araukarie – eine stachlige Schuppentanne aus Chile –, die auch in unserem Garten steht, ist ein solcher Baum, den es schon seit 400 Millionen Jahren gibt. Auch Formen des Ginkgobaums leben schon seit 350 Millionen Jahren. Solche Bäume reichen also weit in die Entwicklungsgeschichte des Lebens zurück und können dank ihres «Gedächtnisses» – beispielsweise in Form von Jahresringen oder Farben – davon berichten.

Die zuvor erwähnte «Systematische Botanik» beschäftigt Sie auch in Ihrem neuen Amt als Co-Präsident der «Freunde des Botanischen Gartens Zürich». Welche Ziele verfolgt dieser Verein?

Ursprünglich diente der Botanische Garten, welcher der Universität angeschlossen ist, primär der Ausbildung von Botanikern. Der Botanische Garten soll heute aber auch von allen anderen Interessierten sowie von Schülern als lebende Informations- und Inspirationsquelle genutzt werden, und wir möchten ihn so vielfältig und attraktiv wie möglich machen. Dank des reichen Angebots an Pflanzen können Besucher viel über sie lernen. So zum Beispiel über Nutzpflanzen, Getreidesorten, Gemüse und Obst oder Färberpflanzen, die zum Färben von Textilien geeignet sind. Man kann aber auch erfahren, welche Pflanzenarten bedroht sind, oder man kann in die exotische Welt der Glashäuser eintauchen. Zudem ist der Botanische Garten ganz einfach auch eine prächtige Erholungsoase für Stadtbewohner.

Was sind Ihre Aufgaben als Co-Präsident des Vereins?

Der Pflanzenbiologe Richard Bolli und ich teilen uns das Präsidium. Er ist der Fachmann und kennt den Botanischen Garten aus dem Effeff, arbeitet jedoch in Bern und lebt im Jura. Da ich in Zürich wohne, kann ich Arbeiten vor Ort erledigen – sei es Organisatorisches oder Administratives. Zudem ergänzen wir uns gut, weshalb immer wieder Ideen für Projekte entstehen. Zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern engagieren wir uns ideell und finanziell für den Botanischen Garten. Beispielsweise um rollstuhlgängige Wege zu bauen oder einen Brunnen zu errichten. Es gilt, dieses Kleinod an der Peripherie der Stadt zu bewahren und einer möglichst grossen Öffentlichkeit bekannt zu machen. (Interview: mpe)

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